Die erste K.O.-Runde der Königsklasse ist beendet und bat einige Überraschungen, positiv wie negativ. England bewies in dieser Saison einmal mehr, dass sie international mit ihrer Spielweise schon längst nicht mehr salonfähig sind. Für Deutschland halten nur noch die Bayern die Fahne hoch und Frankreich stellt mit Paris und Monaco soviel wie Deutschland, England und Italien zusammen. Spanien stellt derweil mit Atlético Madrid, Real Madrid und dem FC Barcelona ganz gemütlich drei Mannschaften für das Viertelfinale. Der FC Porto ist unter diesen Mannschaften sicherlich eine der interessantesten, muss sich aber in jedem Fall mit einer Außenseiterrolle begnügen.

Immer wieder die Bayern

Mit dem FC Schalke 04, FC Bayern München, Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund stellte die Bundesliga gleich vier Teilnehmer für das Achtelfinale. An einem klaren Durchmarsch des Rekordmeisters zweifelte niemand. Nach dem 0:0 im Hinspiel zerlegten die Bayern Shakhtar Donezk deutlich mit 7:0 und überzeugten dabei vollends. In einer Mischung aus 4-3-1-2/ 4-3-3 kombinierten sich die Münchener durch die dezimierten Reihen Shakhtars. Besonders auffällig war dabei die hohe Flexibilität der Offensivkräfte und die Durchschlagskraft Ribérys, der sich immer wieder mit Dribblings durchsetzen konnte. Die Ukrainer machten es trotz der frühen roten Karte nicht schlecht, stellten im 4-4-1 die Räume gut zu – für mehr reichte es allerdings nicht.

Für Schalke 04 hingegen war es nach der 0:2 Hinspiel-Niederlage gegen Real Madrid kaum noch möglich die nächste Runde zu erreichen. Ein furioses 3:4 im Estadio Santiago Bernabéu änderte trotzdem nichts am Ausscheiden der Königsblauen. Schalke provozierte durch ein gut organisiertes Mittelfeldpressing einige Ballverluste der Madrilenen und wären beinahe für den Aufwand belohnt worden. Doch spätestens mit den Einwechslungen Marcelos und Luka Modric lief das Schalker Pressing ein ums andere Mal ins Leere und Real brachte das Ergebnis über die Zeit.

Bayer 04 Leverkusen gegen Atlético Madrid – Pressingspektakel wäre wohl eine maßlose Untertreibung. Beide Teams verfolgen den Ansatz, in Ballnähe Überzahl herzustellen, dort Ballgewinne zu verbuchen und nach Möglichkeit schnell einen Konter zu fahren und das permanent, neunzig Minuten lang. Erstaunlich ist dabei, dass beide Mannschaften dabei in ihren Staffelungen geordnet bleiben, um nicht beim Forechecking überrumpelt zu werden. Entsprechend viele Zweikämpfe wurden um das runde Leder geführt und folglich entwickelten sich intensive, von Chaos geprägte Partien. Mit einem 1:0 Vorsprung reiste die Werkself in das Estadio Vicente Calderón, wo man sich allerdings im Elfmeterschießen mit 3:2 geschlagen geben musste.

Borussia Dortmund trug die Sorgen der letzten Wochen mit in das Rückspiel gegen Juventus Turin. Eines der größten Probleme im Spiel der Borussen in dieser Saison ist, dass sie sich schwer tun gegen Mannschaften die im engen 4-4-2 verteidigen. Viel zu selten besetzte der BVB das Zentrum; einzig Ilkay Gündogan und Mats Hummels sorgten zentral im zweiten Spielfelddrittel für Präsenz. Dass mit Sven Bender im Rückspiel ein im Ballbesitz sehr unpräsenter Spieler auflief, der das Kombinationsspiel eher bremste denn beschleunigte. Die Herausnahme von Oliver Kirch machte die ganze Situation nicht unbedingt leichter und so verloren die Schwarz-gelben am Ende recht deutlich mit 0:3. Bei Juventus taten sich vor allem das Sturmduo aus Morata und Teves hervor, die zusammen eine ungeheure Präsenz bei Kontern erzeugten und zusammen mit Superstar Arturo Vidal die Dortmunder Abwehr vor Probleme stellte. Die Frage die sich nun für den BVB stellt, ist, ob es das Ende einer Ära ist oder der Anfang für den zweiten Entwicklungsschritt.

Quo vadis, Premier League?

Das zweite Mal innerhalb von drei Jahren kam kein Team aus der Premier League über das Achtelfinale hinaus – keine allzu gute Quote, wenn Sie mich fragen. Seit mehreren Jahren halten die Englischen Mannschaften nun an ihren altbewährten Denkweisen fest. Modernes Pressing? Fehlanzeige. Ballbesitz als strategisches Mittel? Auch nicht. Horizontale und vertikale Kompaktheit im Verschieben? Nope. Die Engländer klammern sich auf Vereinsebene weiterhin an veralteten Tugenden fest und kassieren auch in dieser Saison dafür die Strafe. Selbst Jose Mourinhos Chelsea London, eines der wenigen taktisch gut ausgebildeten Teams von der Insel, agierte gegen Paris St. Germain taktisch limitiert und schied im Rückspiel dank der Auswärtstorregelung nach Verlängerung aus. Arsenal London flog mittlerweile schon standardmäßig im Achtelfinale gegen den Underdog aus Monaco verdient aus. Daran konnte auch die 0:2 Aufholjagt im Rückspiel nichts mehr ändern. Der AS Monaco verteidigte hingegen äußerst diszipliniert im 4-5-1, leiteten Arsenal häufig auf die Flügel und fuhren nach Ballgewinn passable Konter.

Manchester City sah sich mit der etwas an Glanz eingebüßten Fußballgroßmacht aus Barcelona konfrontiert. In beiden Spielen waren sie chancen- und intensitätslos. Das Rückspiel zeigte erneut die Ideenlosigkeit des Englischen Meisters auf; gegen Lionel Messi hatte man überhaupt keinen Plan, um ihn zu stellen. Zugegeben: der Argentinier befindet sich vielleicht in der Form seines Lebens, James Milner kann das bestätigen. Mit dem 1:0 waren die Citizens durchaus gut bedient, auch weil Joe Hart einen Sahnetag erwischte. Barcelona unterstrich nochmals seine ansteigende Form der letzten Wochen, vor allem das Trio Messi, Suarez und Neymar erzeugen gute Synergien in der Offensive.

Der Außenseiter

Der FC Porto gilt seit gut einem Jahrzehnt als Transferkönige Europas – Jahr für Jahr transferieren sie günstig eingekaufte Spieler für mehrere Millionen Euro in die großen Ligen Europas und mischen in der Champions League stets mit. Dass sie in diesem Jahr das Viertelfinale in der Königsklasse erreicht haben, resultierte aus einer durchaus überzeugenden Leistung über beide Spiele hinweg. Im Pressing agierten die Portugiesen dabei in einem sehr variablem 4-1-4-1 mit Casemiro als Dreh- und Angelpunkt im zentralen Mittelfeld. Unterstützt wurde er dabei vom überragenden Yacine Brahimi und Hèctor Herrera. Im Spielaufbau nutzte Porto gegen die Basler Ansätze des Positionsspiels, indem sie relativ frei die Positionen wechselten und das Spiel somit nach vorn trugen. Die Portugiesen waren neben dem FC Barcelona und dem FC Bayern München die einzige Mannschaft, die eine ansprechende Leistung zeigten. Insgesamt war die erste Runde der Champions League mehr oder weniger enttäuschend. Nur vier Spiele waren wirklich spannend – und die waren auch noch auf einem niedrigen spielerischen Niveau. Das Viertelfinale verspricht dennoch einige spannende Partien.          

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