Zum ersten Mal seit der Saison 2009/10 gewinnt der FC Bayern München beide Duelle gegen den BVB. Damals beackerte Patrick Owomoyela die rechte Seite bei den Borussen und Mark van Bommel grätschte sich durch das Münchener Mittelfeld – nur, um die ganze Sache mal historisch einzuordnen. Auch wenn die Partie in dieser Saison rein tabellarisch kein Spitzenspiel mehr darstellt, so ist es dennoch das prestigeträchtigste Duell der Liga. Pep Guardiola überraschte mit einer ungewohnt defensiven Ausrichtung, gegen die der BVB 90 Minuten ratlos wirkte.

Startaufstellung

Dortmund gehört die Anfangsphase

Die Borussen begannen zunächst im gewohnten 4-4-1-1/4-4-2 Pressing die Münchener früh am Sechszehner zu stören und sie zu langen Bällen zu zwingen. Dabei agierte Marco Reus meist hinter Pierre-Emerick Aubameyang, schob dann aber häufig neben ihn und unterstützte ihn im Spiel gegen den Ball. Auf den Außen spielte Kevin Kampl auf rechts etwas höher als Jakub Błaszczykowski, der eine eingerücktere Rolle hatte und die beiden Sechser Ilkay Gündogan und Sven Bender unterstützte. Folglich waren 4-3-3-Staffelungen mit Kampl, Reus und Aubameyang keine Seltenheit. Dieses Trio versuchte immer wieder, den Spielaufbau auf Dante und Alonso zu lenken, um deren Unsicherheit unter Druck auszunutzen. Die Bayern suchten in dieser Phase immer wieder den direkten Weg in die Spitze, indem Juan Bernat oder Rafinha weite Diagonalbälle hinter die Dortmunder Abwehr forcierten. So entstand beispielsweise Müllers Chance aus der 7. Minute. Ansonsten bestimmte der BVB das Spielgeschehen, sowohl mit, als auch ohne Ball. Beeindruckend war dabei, wie geordnet sie das Leder laufen ließen und mit welcher Raumkontrolle sich Sven Bender im zentralen Mittelfeld bewegte. Er sicherte häufig die Pressingbewegungen seiner Vorderleute ab und war im Gegenpressing enorm präsent.

Bayern eiskalt

Das 0:1 : Schweinsteiger und Lahm öffnen das Zentrum. Boateng spielt einen sensationellen Pass auf den zurückfallenden Lewandowski. Hummels agiert in dieser Szene etwas ungestüm und Lewandowski kann sich durchsetzten. Müller läuft anschließend intelligent die Schnittstelle zwischen Subotic und Sokratis an. Sokratis hätte in dieser Szene den Abstand zu Subotic verringern müssen.

Der Rekordmeister startete im 3-1-4-2 mit den drei Innenverteidigern Dante, Boateng und Benatia in der letzten Reihe. Davor agierte Xabi Alonso als alleiniger Sechser, der von Schweinsteiger und Lahm unterstützt wurde. Letzterer sorgte für Verbindungen in die Spitze, bewegte sich geschickt durchs Mittelfeld und war fast immer eine sichere Anspielstation. Schweinsteiger schob hingegen vom linken Halbraum aus vermehrt auf den Flügel und überließ Alonso den Spielaufbau. Den Münchnern ging ein wenig die Durchschlagskraft in der Offensive flöten, auch, weil mit Arjen Robben und Franck Ribéry zwei enorm starke Dribbler in 1-gegen-1-Situationen fehlten. Robert Lewandowski und Thomas Müller mussten daher ein sehr großes Laufpensum ablegen, um die Dortmunder Hintermannschaft zu beschäftigen. Der Ex-Borusse ließ sich ziemlich oft zurückfallen, fungierte als Zielspieler für lange Pässe und gewann unglaubliche 30 Zweikämpfe. Gut zu sehen war dieses Zurückfallen ins Mittelfeld bei seinem 0:1-Siegtreffer, als er sich mit seiner Physis zunächst gegen Hummels durchsetzen konnte und Müller freispielte. Mit dem Rückstand kam der BVB wie so oft in dieser Saison nicht zurecht und biss sich an der guten Endverteidigung der Bayern die Zähne aus. Vor allem Medhi Benatia überragte mit seinem guten Zweikampfgeschick. Bis zur Pause konnten sich die Dortmunder keine zwingende Torchance erspielen.

Pragmatismus Pep

Nach dem Seitenwechsel und spätestens mit Rodes Einwechslung in der 57. Minute für den verletzten Schweinsteiger besannen sich die Münchener darauf, das Zentrum zu verdichten. Durch die drei Innenverteidiger, Alonso, die beiden Achter Lahm und Schweinsteiger (bzw. Rode) drängten sie die Borussen immer wieder auf die Flügel, um Flanken zu provozieren. Diese konnten in der Regel sicher geklärt werden. Durch diesen Fokus auf Stabilität spielten die Bayern ihre Konter im 5-3-2 nicht mit voller Intensität aus und vergaben einige potentielle Kontergelegenheiten. Die Dortmunder taten sich in diesem Spiel erneut schwer, konstruktiv einen tiefstehenden Gegner zu bespielen. So kamen sie trotz mehr Ballbesitz (!) in der zweiten Hälfte zu kaum einer zwingenden Chance aus dem Spiel heraus. Die Einwechslungen von Kagawa und Ramos brachten unterdessen keinen nennenswerten Effekt. Die Bayern brachten den Sieg auch dank einer tollen Parade Manuel Neuers nach Freistoß Reus kurz vor Schluss über die Zeit.

Sicherlich war die Spielweise der Bayern ungewohnt. Pep Guardiola überraschte mit einer defensiven Ausrichtung, die zumindest die Diskussion um einen fehlenden Plan B ad acta legt. Pep Guardiola erklärte nach der Partie, dass er gerne anders hätte spielen lassen, es aber aufgrund der Verletzten nicht anders möglich gewesen sei. Die Dortmunder erzielen im dritten Heimspiel in Folge kein Tor, können dennoch auf der sehr guten Anfangsphase aufbauen. Mein persönliches Highlight war die Rückkehr Thiagos – bereits nach wenigen Minuten sah man, dass er dem Rekordmeister in den kommenden Wochen weiterhelfen kann. Mit seiner Wendigkeit und seinen genialen Pässen kann er das Spiel enorm beschleunigen. Steigt seine Form noch weiter an, wird er für den Saisonendspurt eine Schlüsselfigur, die vor allem den Ausfall Alabas mehr als kompensieren kann.

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