Der DFB-Pokal schreibt seine eigenen Gesetze, sagt man. Eine Phrase, die man immer wieder belächelt, die jedoch in fast jeder Pokalrunde aufs Neue bestätigt wird. Es ist der kürzeste Weg, im deutschen Fußball einen Titel zu erringen – und zugleich der härteste. So auch in dieser Runde.

VfL Wolfsburg – SC Freiburg 1:0 (0:0)

In der ersten Partie trafen am frühen Dienstagabend der VfL Wolfsburg und der Sportclub aus Freiburg aufeinander. Die Wölfe um Babyface Kevin de Bruyne gingen als klarer Favorit ins Rennen, hatten sie die Gäste doch schon vor wenigen Wochen an selber Stelle mit 3:0 aus der Autostadt gefegt. Auf insgesamt sieben Positionen (!) verändert, ging Freiburg mit einer halben B-Elf, aber dennoch genug Selbstbewusstsein ins Spiel. Dabei erwiesen sie sich als unangenehmer Gegner, die defensiv kompakt standen und die Wolfsburger selten in die Gefahrenzonen stoßen ließen. Kamen die Wölfe dann einmal durch eine schnelle Spieleröffnung zum Abschluss, erwies sich Roman Bürki als zuverlässiger Rückhalt im Freiburger Tor. Auf der anderen Seite kurbelte vor allem Admir Mehmedi das Freiburger Offensivspiel an. Gefahr entwickelte sich jedoch meist nur nach Standardsituationen, aus dem Spiel heraus geschah dementsprechend wenig. Erst kurz vor der Halbzeit kam Wolfsburg über den sonst schwachen de Bruyne vors gegnerische Tor, fand in Keeper Bürki aber wiederum seinen Meister. So ging es mit einem unspektakulären 0:0 in die Pause, in einer mit gerade einmal 15000 Zuschauern besuchten Arena…
Im zweiten Abschnitt kamen die Gastgeber dominanter aus der Kabine und übernahmen die Kontrolle im Zentrum. Das sehr laufintensive 4-2-4 der Gäste aus Freiburg kostete entsprechend Kraft, was sich die Wolfsburger zunutze machten. Chancen blieben dennoch weiterhin Mangelware. So brauchte es einen Elfmeterpfiff in der 72. Minute, um die Wolfsburger Führung zu besorgen. Rodriguez verwandelte sicher, nachdem der Ex-Freiburger Caligiuri schmeichelhaft von Schuster zu Fall gebracht wurde. In der Schlussphase verwaltete Wolfsburg die glückliche Führung, geriet aber auch nicht mehr in ernste Probleme. Somit zieht mit den Wolfsburgern der Favorit als erste Mannschaft ins Halbfinale des DFB-Pokals und hat nur noch eine Hürde vor Berlin zu nehmen – die heißt allerdings Bielefeld. Die können nur gewinnen und warten mit dem Messer zwischen den Zähnen.

Borussia Dortmund – TSG 1899 Hoffenheim 3:2 n.V. (1:2, 2:2)

Für Borussia Dortmund stand viel auf dem Spiel. Nach einer bis dahin recht verkorksten Saison bietet der DFB-Pokal wohl die größte Chance, sich noch für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Das wäre enorme Schadensreduzierung im Hinblick auf die kommende Spielzeit. Hoffenheim allerdings kam mit ähnlichen Ambitionen in den ausverkauften Signal-Iduna-Park, dementsprechend wurde es ein spektakuläres Spiel. Der BVB musste kurzfristig auf seine beiden Stars Reus und Hummels verzichten, Mkhitaryan bekam mal wieder eine Chance von Beginn an. Dazu kehrte Durm als Rechtsverteidiger zurück. Die Gäste agierten im 4-3-3 gewohnt konterstark, wollten mit schnellem Umschalten die Dortmunder Hintermannschaft in Verlegenheit bringen. Das 1:0 erzielte jedoch der BVB, als Subotic nach einer Ecke mit rechts vollstreckte. Nur zwei Minuten später schon der Ausgleich, diesmal vollendete der völlig freistehende Volland bei einem Eckball per Volleyabnahme. In der Folge standen die Hoffenheimer defensiv kompakt, warteten auf einen Patzer der Borussen. Den technischen Fehler machte ausgerechnet Subotic in der 28. Minute, als er ohne Not gegen Firmino an der Mittellinie den Ball herschenkte und dieser mit wesentlich mehr technischem Vermögen über Langerak ins Netz lupfte. Dortmund bestach einmal mehr trotz Spielkontrolle durch Ideenlosigkeit, wurde dabei schon früh vom Hoffenheimer Offensiv-Trio Volland, Schipplock und Firmino – das die komplette Halbzeit gefühlt im Dauersprint absolvierte – unter Druck gesetzt. Somit gingen die Gäste mit einer verdienten Führung in die Pause.

Der BVB kam dafür besser aus der Kabine und konnte wesentlich mehr Druck erzeugen. Vor allem über die rechte Außenbahn mit Durm und Kuba sorgten sie immer wieder für Gefahr. Über diese Seite fiel dann auch der verdiente Ausgleich, Aubameyang gewann nach einer Flanke das Kopfballduell und nickte zum 2:2 ein. In der Folge blieb Dortmund überlegen, konnte aber trotz größter Chancen (u.a. Kampl) in der regulären Spielzeit keinen Treffer mehr erzielen. In der Verlängerung änderte sich an diesem Bild nichts, Dortmund spielte aufs dritte Tor, musste aber ein ums andere Mal einen Hoffenheimer Konter vereiteln. Dann die 107. Minute: der eingewechselte Routinier Kehl (für Bender, der schon wieder was im Gesicht einstecken musste) stand nach einer Rücken-Ablage von Kampl 25 Meter vor dem Tor blank und zog per Dropkick ab – ein Strahl, ein Innenpfosten, ein Tor. 3:2 für die Dortmunder Borussia, Kehl erzielte nach 11 Jahren in Schwarz-Gelb seinen ersten Pokaltreffer für den BVB. Bei diesem Spielstand blieb’s, Dortmund besiegt nach einem spannenden und temporeichen Spiel die TSG Hoffenheim und darf weiter von Berlin träumen. Im Halbfinale allerdings warten die Bayern, an denen man in den vergangenen beiden Jahren scheiterte.

Arminia Bielefeld – Borussia Mönchengladbach 5:4 n.E. (1:1, 1:1, 1:1)

Mit Drittliga-Spitzenreiter Arminia Bielefeld empfing der letzte verbliebene unterklassige Teilnehmer die starken Gladbacher Borussen. Zwei Teams im absoluten Höhenflug, getrennt durch zwei Spielklassen. Im Spiel merkte man davon aber herzlich wenig, welches im Übrigen auf einem 15 Jahre alten Rasen (!!!) ablief. Trainer Norbert Maier ließ sogar extra auf dem Stadiongeläuf trainieren, um den Gladbachern so ihre Kombinationen zu erschweren. Mit viel Leidenschaft und Kampfgeist war es von Beginn an ein emotionsgeladenes Spiel. Gladbach kontrollierte zwar das Spiel, wurde aber immer wieder von aggressiven Bielefeldern gestört. Auf diese Weise gingen die Gastgeber sogar in Führung: Manuel Junglas versenkte den Ball nach schöner Kombination im langen Eck. Diese hielt jedoch nicht lange, Kruse verwandelte nur sechs Minuten später sicher einen Handelfmeter. Jedoch änderte sich nichts am Spielverlauf: Gladbach kontrollierte das Spiel, spielte aber gerade im letzten Drittel zu unsauber. Bielefeld blieb bissig (so nahm man Raffael fast das gesamte Spiel in Manndeckung) und hatte die klare Mehrheit an Chancen. Einzig in der Verwertung blieben sie zu ungenau. Nachdem auch eine kurze Drangphase der Gäste ohne Torerfolg blieb, ging es logischerweise in die Verlängerung. In den dreißig Extra-Minuten entwickelte sich ein regelrechter Abnutzungskampf. Angepeitscht von den euphorisierten Fans gaben die Bielefelder keinen Zentimeter nach, Gladbach war sichtlich beeindruckt und biss sich die Zähne aus. Daher, erneut logische Konsequenz – Entscheidung im Elfmeterschießen. Scheiterte zunächst mit Raffael der erste Gladbacher, trafen für Bielefeld die ersten vier Schützen sicher. Lorenz hat die Entscheidung auf dem Fuß, scheitert jedoch an Sommer – Kruse gleicht daraufhin aus. Wiederum verwandelt Burmeister für den Drittligisten, ehe Torwart Schwolow den Versuch von Traore pariert und die Partie gewinnt. Bielefeld zieht überraschend, aber verdient ins Halbfinale ein und freut sich auf ein Heimspiel gegen Wolfsburg. Er hat eben doch andere Gesetze, der Pokal…

Bayer Leverkusen – FC Bayern München 4:5 n.E. (0:0, 0:0, 0:0)

Im letzten Duell standen sich der amtierende Pokalsieger aus München und die Werkself aus Leverkusen gegenüber. Wer ein spannendes, umkämpftes Spiel erwartet hat, sah sich nach 120 Minuten inklusive Elfmeterschießen nicht enttäuscht. Die Bayern ersetzten den verletzten Bastian Schweinsteiger durch Mario Götze, wodurch sie in einem 3-4-1-2 mit Xabi Alonso und Philipp Lahm auf der Doppelsechs. Der Spanier interpretierte seine Rolle gewohnt zurückfallend und ballfordernd, was vor allem in der ersten halben Stunde einige Probleme mit sich brachte. Leverkusen konnte Alonso in dieser Phase sehr häufig unter Druck setzen, wodurch der Spielfluss der Münchener unterbrochen wurde. Die Hausherren pressten nämlich gewohnt aggressiv im Mittelfeld und lauerte auf Konter über die Flügel. In ihrem 4-2-3-1 wurde Gonzalo Castro von den Flügelstürmern Karim Bellarabi und Julian Brandt flankiert, die immer wieder auf die Umschaltmomente lauerten. Dies gelang häufig sehr gut und so entwickelte sich ein temporeiches Spiel. Noch vor der Halbzeit mussten die Bayern Benatia durch Rode ersetzen, wodurch eine Art 4-3-3 mit Müller und Götze auf den Flügeln entstand. Nach dem Seitenwechsel unverändertes Bild: Bayern kontrollierte den Ball, Bayer verschob ordentlich und stellte die Räume zu. Der Wechsel Lahm für Thiago brachte etwas mehr Ruhe ins Spiel, auch wenn sich die Gemüter nach dessen Foul gegen Kießling nochmals erhitzten. Ob die gelbe Karte ausreichend war? Schwierig. In meinen Augen sieht Thiago den Gegenspieler aus der Drehung vorerst nicht und trifft ihn anschließend unglücklich. Daher finde ich die gelbe Karte durchaus vertretbar. Dass jener Thiago am Ende ausgerechnet im Elfmeterschießen den entscheidenden Siegtreffer erzielt, macht diese ganze Sache noch verzwickter. Die Münchener gehen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung als der verdiente Sieger vom Platz. Auch wenn ich ein großer Kritiker Xabi Alonsos bin, so hat er in diesem Spiel seine vielleicht beste Leistung der Rückrunde abgeliefert. Diese Form wird für die Bayern in den nächsten Monaten enorm wichtig sein. Leverkusen hat unterdessen eine ebenfalls tolle Leistung gezeigt, ihnen fehlte in den entscheidenden Szenen jedoch etwas Abschlussglück. Gonzalo Castro und auch Julian Brandt (unglaublich, das der Typ noch keine 19 Jahre alt ist!) spielten erneut groß auf, zeigten tolle Dribblings und brachten in manchen Szenen in Gefahr.

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