In der Sonntagabend-Partie des 30. Spieltags bezwang die Borussia aus Mönchengladbach den VfL Wolfsburg. Diese wirkten nach dem Europa-League-Aus unter der Woche ein wenig platt und gaben den sicher geglaubten Punkt kurz vor Toresschluss noch aus der Hand. Mit der Niederlage Wolfsburgs steht der FC Bayern zur Überraschung aller vorzeitig als Deutscher Meister fest. Matthias Sammer wird dennoch davor warnen, dass man Wolfsburg noch nicht abschreiben sollte.

Die Anfangsphase gehörte zunächst den Gladbachern, die sich gegen den Ball in ihrem gewohnten 4-4-2/4-2-4-0 staffelten. Dabei begleiteten Johnson und Herrmann die Außenpositionen, wobei letzterer immer wieder ins Zentrum driftete. Im Zentrum agierte das Pendel Xhaka/Kramer gewohnt ballsicher und wurde häufig durch die beiden Stürmer Raffael und Kruse unterstützt. Bei eigenem Ballbesitz fokussierten die Borussen entweder das schnelle Umschaltspiel oder man versuchte, sich über Flügelüberladungen in den Sechszehner zu gelangen. Kruse und Raffael wichen häufig auf die Flügel aus, um Kombinationen vor allem mit Herrmann anzukurbeln. Der VfL Wolfsburg verteidigte dies jedoch clever. Indem die beiden Sechser Gustavo und Arnold weit auf die jeweilige Seite schoben, nahmen sie den Gladbachern die Räume für Kombinationen. Der ballferne Flügelstürmer balancierte indes diese Bewegungen durch weites Einrücken. Im Angriff setzten die Wölfe auf Kevin de Bruyne und Nicklas „Lord“ Bendtner, der diesmal pünktlich erschien. Der Belgier zeigte sich dabei sehr umtriebig, er unterstützte häufig die Außen oder zog geradlinig mit viel Dynamik aus dem Zentrum Richtung Tor. Dabei wurde er häufig vom jungen Arnold unterstützt.

Wirklich viele Torraumszenen bot die erste Halbzeit jedoch nicht. Einzig die Chancen durch Herrmann in der 21. Minute und durch Rodríguez waren halbwegs gefährlich.  Der geneigte Fußballfan hätte sich im ersten Durchgang sicherlich lieber am Quartett-Spiel von Oli Kahn und Peter Schmeichel beteiligen wollen, aber gut, kann ja nicht alles klappen. Nach der Pause erhöhten die Gladbacher dann die Schlagzahl und kamen um die 60. Minute herum zu einigen guten Chancen durch Wendt, Kruse und Johnson. Die Wolfsburger stellten derweil auf ein 4-1-4-1 mit Arnold und de Bruyne auf den Achterpositionen um, was dazu führte, dass die Räume neben Sechser Gustavo nicht mehr konsequent verteidigt werden konnten. Mit der Einwechslung Guilavoguis für Perisic rückte de Bruyne zunächst auf den linken Flügel, von wo aus der immer wieder diagonal in die Spitze schob. Die Wölfe gewannen fortan mehr Zweikämpfe im Mittelfeld, sie zogen daraus jedoch kein Kapital, weil ihnen im Umschalten die Anspielstationen im Zentrum fehlten. Gerade Bendtner blieb in dieser Phase enorm blass (tut mir leid für diese Blasphemie!). Kurz vor dem Ende erzielten die Borussen das Tor des Tages: Xhaka verlagerte mit viel Übersicht auf die linke Seite zu Wendt, der auf den eingewechselten Traore ablegte. Dessen Flanke gelangte auf Umwegen zu Kruse, der seine Torflaute beendete.

Der VfL Wolfsburg muss sich durchaus verdient geschlagen geben. Gegen das kompakte Mittelfeld der Borussia fanden sie selten konstruktive Mittel, um Torgefahr zu erzeugen. Bei den Gladbachern zeigte Raffael eine ordentliche Leistung, er unterstützte oft das Aufbauspiel, bewegte sich klug im Zwischenlinienraum und zeigte tolle Dribblings. Mit diesem Sieg sicherten sie sich mindestens den vierten Platz und stehen derzeit auf den dritten Tabellenplatz. Zu den Fohlen wird es in den nächsten Tagen noch ein ausführliches Porträt geben.

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