Der FC Bayern München ist seit letztem Wochenende Deutscher Fußballmeister. Wieder mal. Völlig verdient holten sie sich den Titel; daran konnte selbst die kurze Schwächephase nach der Winterpause und die zahlreichen Verletzungen nichts ändern. Erneut kommt daher in den verschiedensten Gazzetten die Frage auf, ob die erschreckende Dominanz des FC Bayern nicht schädlich für die Liga wäre. Um es vorwegzunehmen: Nein, sie ist es nicht!

Eines der beliebtesten Argumente dieser Debatte ist, dass die Spannung im Kampf um die Meisterschaft nicht mehr gegeben ist, wie es vor einigen Jahren der Fall gewesen ist. Folglich würde die Attraktivität der Liga stark abnehmen. Zugegeben, der Kampf im Meisterschaftsrennen war in den letzten drei Jahren stets ein Start-Ziel-Sieg für die Münchener. Dass es daneben keinerlei Dramatik mehr in der Bundesliga geben würde, ist dagegen schlichtweg falsch. Wir alle erinnern uns noch an den dramatischen Abstiegskampf der letzten Saison, als Braunschweig, Nürnberg, Hamburg und Stuttgart bis kurz vor Schluss gleichauflagen. Auch in dieser Spielzeit wird es bis zum Letzten spannend bleiben: der Tabellenvierzehnte aus Freiburg befindet sich gerademal drei Punkte vom Tabellenletzten Stuttgart entfernt. Ebenfalls verhält es sich mit dem Kampf um die Europa-League-Plätze: nur fünf Punkte ist der Tabellenfünfte derzeit vom Tabellenzehnten entfernt – Langeweile sieht anders aus. Auf welchem fußballerischen Niveau wir uns dabei bewegen, ist eine andere Diskussion.

Generell wird bei diesem Thema viel zu häufig die Spannung mit der Attraktivität bzw. der Qualität der Liga gleichgesetzt. Ein enger Titelkampf impliziert noch lange keine qualitativ hochwertige Fußballliga. In Algerien beispielsweise trennen den Spitzenreiter und das Schlusslicht nur 11(!) Punkte, bei noch vier ausstehenden Spielen. Nun wird selbst ein Blinder mit einer Holzuhr wissen, dass, bei allem Respekt, die algerische Liga nicht auf demselben Level ist, wie die Bundesliga oder die spanische Primera División. Denn obwohl es auf Dauer auch in diesem Jahr keinen ernsthaften Konkurrenten für den FC Bayern gab, kann man nicht behaupten, dass in der Bundesliga kein guter Fußball gespielt werden würde. Gerade die Bayern-Spiele in der Hinrunde waren hochinteressant, da sie taktisch und fußballerisch Maßstäbe setzten. Auch andere Teams wie Leverkusen, Gladbach, Wolfsburg oder Augsburg bestachen durch teilweise für ihre Verhältnisse herausragenden Fußball, auch wenn die meisten Teams oftmals gegen Bayern untergingen. Nicht nur hochattraktiv, sondern auch spannend waren die Duelle der anderen Topteams mit den Münchenern, auch wenn diese den Kürzeren zogen. Sicherlich, der FC Bayern war in den letzten Jahren konkurrenzlos. Doch das wird nicht ewig so bleiben. Vermutlich schon in den nächsten ein oder zwei Spielzeiten wird die Liga kräftig durcheinandergewirbelt werden. Bis dahin profitieren die Verfolger von der bayrischen Dominanz. Sie ist einerseits persönliche Motivation, andererseits auch spielerisches und taktisches Vorbild. Ebenso wird es den Bayern guttun, wenn sie mal wieder der Jäger sind. Insofern ist es eine Win-Win-Situation. Die Liga braucht einen starken FC Bayern. Dies wird vor allem immer wieder international deutlich. Dort ist der Rückstand der anderen deutschen Teams noch zu groß. Eine Situation, die sich ändern kann und wird. Bis dahin sollte man dem deutschen Fußball auf dem Vormarsch genießen. Fehlende Spannung ist subjektiv und ein Luxusproblem. Man kann nicht alles haben.

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