Im ersten Halbfinale empfing Underdog Juventus Turin den Titelverteidiger aus Madrid. Das vermeintlich einfachste Los entpuppte sich nach den ersten neunzig Minuten als gar nicht ganz so leicht für Real. Bereits nach acht Minuten ging die alte Dame durch Álvaro Morata in Führung, als er in klassischer Klaus Fischer Manier den Ball am linken Pfosten abstaubte. Seinem Tor gingen übrigens 27 Pässe am Stück voraus – Ballbesitzfanatiker Louis van Gaal kramte unterdessen den guten Wein aus dem Keller hervor und Pep Guardiola fand es „super, super, super“ herausgespielt. Real fand nur schwerlich in die Partie. Im Sturmzentrum wichen Cristiano und Bale häufig auf die Flügel aus, weshalb der Zehnerraum quasi gar nicht besetzt war. Dadurch spielten sie sich viel zu häufig auf dem Flügel fest und Juve hatte leichtes Spiel beim Verteidigen. Weiterhin problematisch war die Rolle Sergio Ramos‘. Der Innenverteidiger lief erneut als Sechser (oder so ähnlich) neben Kroos auf und trug relativ wenig zur Ballzirkulation bei. Mit teils wirren Verlagerungen gab er dem ohnehin schon unstrukturierten Spiel der Königlichen noch mehr Chaos. Daran konnte selbst unser heimlicher Spielmacher Marcelo nicht viel ändern. Am Ende gewann Juventus durch ein Tor der fleischgewordenen Willenskraft Carlos Tévez – unfassbar, was für eine Torgefahr dieser Typ aus dem Nichts erzeugt, und das auf diesem Niveau. Neben ihm sei Mittelfeld-Wühlsau und Frisuren-Trendsetter Arturo Vidal positiv zu erwähnen. Der Chilene agierte gewohnt omnipräsent, unterstütze Pirlo im Defensivspiel und demonstrierte einmal mehr seine unglaubliche Dynamik im Verbund mit seiner tollen Technik. Bei den Madrilenen enttäuschte dagegen der Angriff um Weltfußballer Cristiano Ronaldo gänzlich. Der Portugiese beteiligte sich wieder mal nur sporadisch an der Defensivarbeit, Isco hatte häufig Probleme, von seiner linken Seite aus das Spiel aufzuziehen und Gareth Bale hätte man womöglich gar nicht bemerkt, hätte er nicht auf dem Spielerbogen gestanden. Erst mit der Einwechslung Javier „Chicharito“ Hernández wurde es etwas besser. Die „kleine Erbse“ bewegte sich klug hinter Cristiano und besetzte endlich mal den Zehnerraum und sorgte somit für Verbindungen im Zentrum. Im Rückspiel werden sich die Königlichen wesentlich steigern müssen, um das Finale erneut zu erreichen. Mit einer veränderten Strategie, Chicharito in der Startelf, mehr Marcelo und den nötigen Emotionen vor eigener Kulisse könnten sie das Ruder noch herumreißen. Juventus wird sich im Rückspiel vermutlich auf das Kontern beschränken – Pirlo wird diese unnachahmlich einleiten, Morata und Tévez werden vorne den Laden schmeißen und Vidal wird überall zu finden sein. Auf ein spannendes Rückspiel können wir uns gefasst machen.
Die zweite Partie galt als das Wiedersehen Pep Guardiolas mit seiner Vergangenheit. Im bisher besten Spiel des Jahres besiegte der FC Barcelona den FC Bayern München. Bis zur 75. Minute war es ein typisches 0:0/0:1 Spiel. Durch einen Ballverlust Bernats im Aufbauspiel kippte diese Partie allerdings und warf die Bayern gänzlich aus der Spur. Bis dahin war die Begegnung recht offen, beide Teams stellten formativ einiges um, sie variierten die Pressinghöhe, veränderten den Spielrhythmus und hatten beiderseits tolle Einzelspieler in ihren Reihen. Dies führte unweigerlich zu Torchancen, die in der ersten Halbzeit meist durch Torwartgott Manuel Neuer oder Mehdi Benatia vereitelt wurden. Den Bayern mangelte es in ihren Offensivaktionen häufig an Durchschlagskraft, die sie ohne „Robbery“ schlichtweg nicht erzeugen konnten. Nach der Halbzeitpause kamen die Münchener besser aus der Kabine, sie formierten sich in ihrer 4-4-2- Raute im Zentrum sehr kompakt und lauerten auf Konter. Nach dem Rückstand durch Lionel Messi verfolgten sie diese Strategie weiterhin, doch spätestens mit dem 2:0 war der FCB nur noch auf Schadensbegrenzung aus. Das zweite Tor Messis war einmal mehr eine Demonstration seiner Klasse; zuerst düpiert einen der weltbesten Verteidiger, nur um wenige Sekunden später den Welttorhüter zu überlupfen. Hätte ich sowas nur auf der Spielekonsole versucht, hätte ich mir sämtliche Finger gebrochen! Dass Neymar in der Nachspielzeit noch den dritten Treffer erzielte, schmerzt aus Bayernsicht natürlich noch mehr. Ein Dreitorerückstand wird selbst vor heimischer Kulisse nicht zu drehen sein. Zu schwer wiegen die Verletzungen der vergangenen Wochen und Monate und die damit verbundene Überspieltheit einiger Akteure (Müller, Boateng, Lahm). Dennoch war es eine tolle, weil taktisch und spielerisch hochklassige Partie. Im Rückspiel bräuchte es schon ein kleines Fußballwunder. Es ist zu hoffen, dass wir auch im Rückspiel ein ähnliches Feuerwerk des Fußballs sehen werden.

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