Da waren’s nur noch drei! Eine lange, anstrengende und noch immer spannende Saison 2014/15 in der Weltmeister-Liga geht zu Ende. Während die Schale schon in München ist bzw. bleibt (jedoch ist sie da dieses Jahr wohl etwas einsam…), laufen die Brandherde Europa League und Abstiegskampf heiß. Und sogar in das Rennen um Vize-Meisterschaft und direkte Champions League-Qualifikation ist nochmal richtig Dampf rein gekommen. Das passiert an diesem Wochenende:

Auftakt am Freitagabend mit einem ganz heißen Abstiegsduell. Der HSV im Bruno’schen Aufwärtstrend gegen den direkten Konkurrenten aus dem Breisgau. Mit einem Sieg könnten die Hanseaten tatsächlich schon eine Vorentscheidung in Sachen Ligaverbleib erreichen, mindestens mal ein Jahr länger die schicke Stadion-Uhr bei Heimspielen bewundern. Auf der anderen Seite wollen sich die unermüdlichen Freiburger selbst noch retten, verlieren verboten ist das Motto. Gefühlt ist der HSV Favorit, doch war es gerade diese Rolle und jenes Anspruchsdenken ein Grund, dass der Dino dort klebt, wo er ist: im Keller. Freiburg muss darin seine Chance sehen, die Position des Underdogs liegt ihnen. Es wird zweifellos ein sehr intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen, in dem die Gäste mit ihrem schnellen Umschaltspiel gut Konter setzen könnten. Labbadia hofft wieder auf seine Recken Lasogga und HW4 – und auf Europa natürlich. Wenn auch erst nächstes Jahr.

Das zweite Top-Duell, und diesmal verdient es diesen Namen auch wirklich. Gladbach empfängt Leverkusen: zwei spielerisch herausragende Teams, die die Saison entscheidend mitprägten und auch in den nächsten Jahren zu den Top-Mannschaften gehören müssten. Die Borussia mit ihren unwiderstehlichen Flügeln und den dominanten Zentrumsspielern, hingegen Leverkusen mit ihren, Trommelwirbel…, herausragenden Flügelspielern und pressingstarken Zentrumsspielern. Herrmann, Hazard, Kruse, Xhaka, Kramer, Castro, Bender, Calhanoglu, Bellarabi, Brandt, Son – klingt nicht nur wie ein halbes Bundesliga-All-Star-Team, sondern ist auch die Zukunft des deutschen und europäischen Fußballs. Zwei Personalien stehen besonders im Fokus: einmal Max Kruse, dessen 12-Mio-Wechsel zum VfL Wolfsburg in dieser Woche endgültig publik wurde und von den Fans sicher die eine oder andere Nachricht bekommt. Der andere ist Christoph Kramer, der WM-Demente und Mittelfeldgott, der zur nächsten Spielzeit beim Stammklub mit dem Bayerkreuz anheuert. Fußball gespielt wird auch noch. Es geht übrigens um die Königsklasse, viele Millionen und eine Menge Prestige. Gibt schlechteres…

Nächster Halt, München. Nach dem erneuten Halbfinal-Debakel wird eine super, super, super Saison unverdienterweise plötzlich zur Teil-Enttäuschung. Mit großem Lazarett, ohne den Star-Arzt, ohne Lust müssen die Bayern in das Spiel gehen, das eigentlich keinen so wirklich anhebt. Und trotzdem ist es immens wichtig für die Augsburger, die trotz Dauer-Punktverlusten noch immer auf einem Europapokalplatz stehen. Und angesichts der langsam aber sicher nahenden Verfolger müssen eigentlich drei Punkte aus München mitgenommen werden. Normalerweise wäre ein Sieg ähnlich sensationell wie eine Euro League-Teilnahme der Augsburger, doch die sportliche Situation der Münchner lässt Raum für Unwahrscheinliches.

Mit Hoffenheim in Frankfurt kämpft ein weiterer Euroleague-Anwärter um Punkte. Die Hessen können mit ihrer Saison zufrieden sein, möglicherweise stellen sie sogar noch den Torschützenkönig (trotz Abwesenheit). Für Europa fehlt noch etwas Qualität. Hoffenheim ist da einen Schritt weiter, könnte berechtigterweise Platz 6 oder 7 für sich beanspruchen. Nach dem Unentschieden gegen Dortmund sind noch alle Chancen auf Seiten der TSG. Viel wird auf das Duo Volland-Firmino ankommen, die beide (v.a. in dieser Woche Volland) bei anderen Klubs sehr gefragt sind.

Ein weiteres Konferenz-Spiel am Samstag findet in Dortmund statt, wo Hertha BSC empfangen wird. Die Gäste, quasi von allen Abstiegssorgen durch den sympathischen Ungarn Pal entledigt, dienen den hungrigen Borussen wohl eher als Kanonenfutter. Jürgen Klopp, in seinem vorletzten Heimspiel, würde aus den letzten drei Spielen gerne mindestens 7 Punkte mitnehmen, damit Europa auf jeden Fall klappt. Platz 7 würde unabhängig vom Ausgang des Pokalfinals reichen. Die Hoffnungen ruhen dabei auf Aubameyang, Reus und Mkhitaryan, der wohl auf Wunsch von Thomas Tuchel unbedingt im Ruhrpott bleiben soll. Ex-Herthaner Adrian Ramos würde zwar gerne mitwirken, darf aber nicht – Knöcheloperation und Saisonaus sei Dank. Alles andere als ein BVB-Sieg wäre eine Überraschung – Punkt.

Beim Nordduell zwischen Hannover gegen Bremen steht wieder etwas mehr auf dem Spiel. Abstiegskampf versus Europapokal. Die einen müssen, die anderen dürfen und wollen gerne. Der Abwärtstrend der Hannoveraner konnte auch nicht durch Michael Frontzek gestoppt werden (oder besser dank Michael Frontzek…?), was für Bremen sprechen sollte. Die haben in dieser Woche den formstarken Davie Selke (zu RB Leipzig, definitv 2. Liga!) durch Hennes-Fetischist Anthony Ujah ersetzt. Köln war daraufhin stark angepisst, die Bremer Stadtmusikanten hingegen fürchten sich bereits vor nächtlichen Ujah-Übergriffen. 96 wird alles reinwerfen, was sie haben, Werder kann sich das Spiel erstmal anschauen und gegebenenfalls auf Konter warten. Spielerische Schwachstellen dieser Partie werden damit durch Spannung ausgeglichen.

Im Abendspiel empfängt der VfB Stuttgart den FSV Mainz 05. Die Schwaben gehen als Sorgenkind und Tabellenletzter in die Partie, obwohl sie in den letzten Wochen eigentlich einen positiven Trend eingeschlagen haben. Eine Niederlage gegen Mainz, und der Klassenerhalt wäre sehr unwahrscheinlich. Für die Mainzer geht es in diesem Spiel eigentlich um nichts mehr, mit einer starken Rückrunde unter Trainer Schmidt sicherte man sich einen ordentlichen Mittelfeld-Platz. Auch darin könnte jedoch die Gefahr liegen, wenn Mainz frisch, fröhlich, frei aufspielt und Stuttgart durch den hohen psychischen Druck eine Blockade erleidet. Vieles liegt an Daniel Ginczek, auf der anderen Seite steht wiederum Johannes Geis im Fokus, dessen Abschied zum BVB indes immer wahrscheinlicher wird.

Abstiegskampf, die Nächste bitte. Ein weiterer schon Totgesagter ist wieder auferstanden und lebt vielleicht noch ein Jährchen länger im Oberhaus. Eine Sensation, die einzig aus der guten Hinrunde resultiert, aber auch durch einen überraschenden Schlussspurt. Die Rede ist von den Ostwestfalen aus Paderborn! Damit dies eintritt, muss ein Sieg im Heimspiel gegen Wolfsburg her. Spielerisch klar unterlegen, sollte man über Mentalität und Geschlossenheit durchaus ebenbürtig sein. Gegen müde Wölfe müssen Koc & Co. um ihr Leben rennen, dann haben sie gute Chancen. Für Wolfsburg geht es nach dem großen Vorsprung auf Mönchengladbach und Leverkusen jetzt sogar wieder um die Vize-Meisterschaft, doch dürften die Niedersachsen davon profitieren, dass sich die Verfolger am Vortag gegenseitig die Punkte weggenommen haben. Es wird eine sehr interessante Partie, die typischerweise durch eine Einzelaktion von de Bruyne entschieden werden könnte.

Die letzte Partie des 32. Spieltags findet in Köln statt, wo der FC Schalke 04 zu Gast ist. Dort werden die Königsblauen nach der klassischen Krise auf den letzten Drücker wohl wieder den Karren aus dem Dreck ziehen und klassisch doch noch ein halbwegs harmonisches Ende der Saison herbeiführen, um sich dann klassisch selbst zu beweihräuchern – der Klassiker! Für Köln gilt selbiges wie für Mainz und Frankfurt, die letzten drei Spiele sind nur noch für die Fans und die Statistik. Trotzdem ist in Köln nicht große heile Welt (wäre ja auch schlimm dort, da wäre es ja langweilig!), die Empörung über den Ujah-Wechsel ist in der stolzen Domstadt noch groß. Spielen darf er vielleicht gar nicht mehr und den Hennes darf er erst recht nicht besuchen, der Tony! Bei Schalke ruhen die Hoffnungen zum einen auf Huntelaar, dem nach seiner Torflaute der Ketchupflaschen-Effekt gewünscht wird und zum anderen auf den jungen Wilden Draxler, Meyer und Co. Gerade Meyer kommt mit Wut im Bauch, nach Differenzen und Bank-Stammplatz bei Di Matteo soll er auf dem Platz die Antwort geben.

Somit bleibt zu sagen: es ist noch alles drin, in der Weltmeister-Liga! Die Plätze 2-4, 5-9 und 14-18 sind noch zu vergeben, gerade der Abstiegskampf ist hochspannend. Nicht nur, dass es 5 Teams sind, die um Tod oder Gladiolen spielen, sondern auch die Art und Weise. Während im letzten Jahr in den letzten Spieltagen gar nichts passierte, weil alle Teams verloren, ist in diesem Jahr eine Niederlage schon ein erheblicher Nachteil. Jeder kann wirklich jeden schlagen, sicher kann man sich nie sein. Das zum Thema Spannung, liebe Leute!

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