„Wunder gibt es immer wieder.“ Mit dieser Katja Ebstein Maxime ging der FC Bayern in das Rückspiel gegen den FC Barcelona. Es galt, einen Dreitorerückstand aus dem Hinspiel aufzuholen und damit das achte Weltwunder zu errichten. Mit unverändertem Personal liefen die Münchener in einer asymmetrischen 4-3-3 Formation auf, in welcher Philipp Lahm zwischen dem rechten Flügel und einer eingerückten Position pendelte. Schweinsteiger unterstützte Bernat immer wieder auf dem linken Flügel. Die Gäste veränderten zum Hinspiel personell ebenfalls nichts: Busquets zog im Zentrum die Fäden, Rakitic schob häufig auf den rechten Flügel, um Räume für Messi zu öffnen und ganz vorn wirbelten Messi, Suarez und Neymar. Ganz ehrlich? Viel Hoffnung auf ein Weiterkommen hatte man als Bayern-Fan nicht mehr. Als Benatia nach sieben Minuten zur Führung einköpfte, flackerte die Flamme der Hoffnung größer. Jene Flamme pinkelte Neymar jedoch mit seinen beiden Treffern vor der Halbzeit aus. Dem ersten Tor ging ein missglückter Diagonalball von Alonso voraus; den Rest macht Messi natürlich überragend. Zu Alonso sei gesagt, dass bei ihm in dieser Partie erneut seine Schwächen in der Positionsfindung (wann laufe ich wo hin), der strategischen Passausrichtung (wann spiele ich den Ball wohin) und dem Verhalten unter Druck deutlich zum Vorschein kamen. Gerade gegen Barcelonas gut organisiertes Mittelfeldpressing wäre Philipp Lahm als Aufbauspieler besser gewesen. Bei den Katalanen überzeugte einmalmehr Marc André Ter Stegen. Mit tollen Paraden und herausragenden Pässen ließ er das Pressing der Münchener ein ums andere Mal ins Leere laufen. Zuspiele verarbeitete er stets sauber und verlagerte das Spielgeschehen häufig klug auf die andere Seite. Von solchen Pässen träumen manche Mittelfeldspieler! Ansonsten war es nach der Halbzeit weiterhin ein attraktives Spiel. Viele Chancen, viel Pressing, viele Ballstafetten, viel cooles Zeugs. Insbesondere Bastian Schweinsteiger zeigte im zweiten Durchgang eine starke Leistung. Er trieb sein Team voran, lief, wie beim 3:2 durch Müller, klug die Räume an und zeigte seinen Kritikern, dass er zukünftig sehr wohl ein wichtiger Teil sein kann. Der FC Barcelona unterstrich unterdessen seine Rolle als Titelfavorit. Mich würde es nicht wundern, wenn sie den Henkelpott aus Berlin mitnehmen würden, das Zeug dazu haben sie allemal. By the way: mit Manchester City, Paris St. Germain und dem FC Bayern schalteten sie in der K.O.-Phase den Meister der jeweiligen Ligen aus (#justsayin). Schade eigentlich, dass die Bayern nicht in Bestbesetzung angetreten sind. Ich für meinen Teil hoffe, dass sich beide Teams in der nächsten Saison wiedertreffen.

Das Duell Real Madrid gegen Juventus Turin versprach nach dem 2:1 im Hinspiel deutlich mehr Spannung. Diese bekam der geneigte Freund des runden Leders auch geboten. In einem durchweg hochklassigen Spiel zog der italienische Meister durchaus verdient ins Finale der Königsklasse ein. Bei Real begann Karim Benzema im Sturmzentrum, was zur Folge hatte, dass Sergio Ramos endlich nicht mehr im Sechserraum herumirrte, sondern auf seine angestammte Innenverteidigerposition zurückkehrte. Mit Toni Kroos, Isco und James Rodriguez liefen die Königlichen mit einem fast schon pervers ballsicheren Mittelfeld auf, welches zudem von Linksverteidiger Marcelo unterstützt wurde. Isco und James drifteten häufig durch die Halbräume und zeigten – leider zu selten – ihre guten Fähigkeiten in engen Räumen. Dahinter servierte Toni Kroos die Bälle wie ein Ober in einem dieser noblen Schuppen. Sie wissen schon, dort, wo der Kaviar singt, der Schampus zum Händewaschen genutzt wird und die Preise erst im dreistelligen Bereich beginnen. Kurzum: seine Pässe waren wiedermal affentittengeil. Auch Juventus ließ sich nicht lumpen. Ließen sie die Flügelpositionen im Hinspiel noch relativ ungedeckt, so behoben sie dieses Problem, indem sich Marchisio und Pogba im Pressing frühzeitig dorthin schoben. Dies dämmte Marcelos Wirkungskreis etwas(!) ein, öffnete jedoch Räume im Zentrum, die selbst Arturo Vidal nicht schließen konnte. Durch einen zu passiven Grundrhythmus kam Real häufig durch schnelle Verlagerungen zu Torchancen. Bei eigenem Ballbesitz setzten sie auf die Qualitäten von Morata, der einige Pässe stark verarbeiten konnte und Konter nach vorn trug. Bonucci (in Fachkreisen auch Franz Bonuccenbauer genannt) agierte gewohnt souverän im Passspiel, zeigte ansehnliche Freilaufbewegungen und bildete zusammen mit Chiellini eine bockstarke Abwehr. Nebenbei streuten sie immer wieder einzelne Phasen ein, in denen sie aggressiv aus ihrer Formation herausrückten und den Spielaufbau der Madrilenen früh störten. Eigentlich total antiitalienisch. Dieses Klischee wurde jedoch in der letzten Viertelstunde belegt, als sie mit Mann, Maus und Betonmischer den eigenen Strafraum zementierten.

Barca und Juve stehen sich also im Finale der Champions League gegenüber. Heißt im Umkehrschluss, dass es auch in diesem Jahr wieder kein Team geben wird, das den Henkelpott verteidigt. Real muss sich derweil den Vorwurf gefallen lassen, dass ihr Grundkonzept seit dem Viertelfinale gegen Atletico etwas zu plump ist. Auf solch einem Niveau reicht es schlichtweg nicht mehr aus, mal eine Flanke in den Strafraum zu löffeln und auf Cristiano zu hoffen. Die Verletzung von Schlüsselspieler Modric trägt ihr Ubriges dazu bei. Die Königlichen werden die Saison wohl ohne einen großen Titel abschließen, was den Trainerstuhl von Carlo Ancelotti selbstverständlich zum Wackeln bringt. Ist schließlich Real Madrid. Ähnlich verhält es sich bei den Bayern. Auch wenn einige Stammspieler verletzt sind/waren, so hatten sie nach wie vor eine „toptoptop“ Mannschaft zur Verfügung. Dass es am Ende nicht reichte, lag zum einen an Formschwächen einiger Spieler (Lahm, Alonso), zum anderen daran, dass Barcelona schlichtweg eine tolle Mannschaft ist. Diese haben in diesem Jahr, genau wie Juventus die Gelegenheit das Triple einzufahren. Wenn beide Teams ähnliche Leistungen, wie im Halbfinale liefern, können wir uns wahrlich auf ein würdiges Finalspiel mit hoher Intensität, taktischer Flexibilität und nicht zuletzt hervorragenden Individualisten gefasst machen!

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