Sechs Teams, vier Punkte, nur drei rettende Plätze und dazu direkte Duelle gegeneinander an den letzten zwei Spieltagen – nie war der Fight um den Ligaverbleib größer, spannender und unberechenbarer. Niemand kann vorhersagen, wer sich durchsetzen wird. Wir wagen trotzdem eine Prognose. Einer der schönsten Spieltage der Saison mit 9 Spielen gleichzeitig in der Konferenz in der Vorschau.

Um die goldene Ananas geht es im Spiel zwischen Mainz 05 und dem 1. FC Köln. Geographisch zwar ein rheinisches Derby, aber eines mit Kuschelcharakter. Beide werden den Fans etwas bieten wollen, ein munteres Spielchen mit ein paar Toren (ja, trotz der Effzeh-Abwehr) dürfte nicht unwahrscheinlich sein. Für einen Mainzer könnte es zudem das letzte Bundesliga-Heimspiel sein: Shinji Okazaki wird als Abgang (England) gehandelt.

Etwas mehr drin ist in der Partie zwischen Leverkusen und Hoffenheim – zumindest für die eine Mannschaft. Leverkusen muss nach dem 0:3 gegen Gladbach in die Champions League Qualifikation, kann quasi den Fokus auf die Saisonvorbereitung richten. Hoffenheim hofft hingegen noch auf die Europa League, dafür muss allerdings einiges für die Kraichgauer laufen. Ein Sieg in Leverkusen wäre ein Anfang. Die Hoffnungen ruhen dabei auf Kevin Volland und Roberto Firmino, die aber gerade durch ihre starken Leistungen im Sommer weg sein dürften. Um Volland buhlt auch Bayer-Manager Rudi Völler – womit wir die heiße Personalie der Partie hätten.

Richtig interessant wird die Generalprobe des DFB-Pokalfinals zwischen Wolfsburg und Dortmund. Der VfL will die Vizemeisterschaft, der BVB die Qualifikation für Europa. Großartige Erkenntnisse für das Finale dürfte das Spiel aber nicht bringen, beide Mannschaften kennen sich in und auswendig. Im Tor der Dortmunder wieder Mitch Langerak, der zumindest bis zum Saisonende offiziell die Nummer 1 ist. Bei Wolfsburg könnte Ivan Perisic auflaufen, der gegen seinen Ex-Klub ja regelmäßig ganz gut spielt und trifft. Zudem duellieren sich Bas Dost und Batman Aubameyang um den Platz in der Torjägerliste. Wird lässig.

Das Gegenstück zu dieser Partie findet in Bremen statt. Bremen will die Qualifikation für Europa, die Gäste aus Gladbach wollen die Vizemeisterschaft. Das Pokalfinale würden sie wohl auch gern spielen, dürfen aber nicht. Gladbach in dieser Partie jedoch der klare Favorit, die stärkste Mannschaft der Rückrunde und aktuell beste der Liga will seine Serie ausbauen und den prestigeträchtigen Platz 2. Helfen dabei wird Max Kruse, der nach der Saison zum Konkurrenten nach Wolfsburg wechselt, aber auch ein nettes Sümmchen in die Kassen spült. Geld, was die Bremer auch gebrauchen könnten und wohl durch einen Verkauf von di Santo bekämen. Unter der Woche wurde der als Kruse-Nachfolger gehandelt. Durchaus pikant.

Next stop: der durchaus auch pikante Abstiegskampf. Mit dabei die Hertha, die sich im Heimspiel gegen Frankfurt retten will und wohl die besten Karten für einen Ligaverbleib hat. Dann hat man 37 Punkte, die reichen dürften. Unklar ist, ob Pal Dardai unter der Woche wieder Kaffee oder ungarische Salami reichte, die Mannschaft dürfte aber auf alle Fälle heiß sein. Für Frankfurt geht es eigentlich um nichts mehr, trotzdem ist im Klub große Unruhe. Differenzen zwischen Thomas Schaaf und der Mannschaft sollen der Grund sein. Mit diesen Differenzen gewann man letzte Woche 3:1 gegen Hoffenheim. Vorteil für die Hertha daher Fehlanzeige. Das Spiel wird richtig interessant.

Ebenfalls Dampf unterm Kessel auf Schalke. Boateng und Sam freigestellt, Höger suspendiert, Heldt noch im Amt. In den vergangenen Tagen haben in Gelsenkirchen einige Türen ordentlich gescheppert und gerummst. Jetzt soll die Europa League gesichert werden, Paderborn dafür geschlagen werden. Unangenehme Aufgabe, unangenehmer Gegner, der seinerseits gegen den unangenehmen Abstieg anrennt. Der wäre zwar keine Katastrophe und nicht überraschend, die bisher sensationelle Saison zu krönen aber trotzdem schön. Bundesliga macht schließlich Spaß und nächste Saison kommen ja noch ein paar Underdogs dazu. Insofern müssen beide gewinnen, den Schalkern geht es bei einem Misserfolg aber mehr an den Kragen (und an den Gehaltsscheck).

Vor ein paar Jahren ebenso Underdog, mittlerweile aber feste Größe und Europa-Aspirant sind die Augsburger. Die stehen auf Platz 5 und wollen mit einem Heimsieg die ebenso sensationelle Saison krönen. Gegen Hannover ist das mehr als machbar. Die ambitionierten Niedersachsen haben sich mittlerweile für einige den Status als Absteiger erarbeitet, haben in den letzten zwei Spielen noch die Möglichkeit, es den Zweiflern zu zeigen. Hat vor ein paar Jahren ja schon mal gut geklappt. Eine Wiederholung dieses Endspurts ist trotzdem fragwürdig. Zu schwach präsentierte man sich unter Trainer Frontzek selbst, zu stark scheint die Konkurrenz. Mehr als der jetzige Relegationsplatz wäre daher am Saisonende eine Überraschung.

Ähnlich schwierig ist allerdings das Restprogramm für den SC Freiburg. Trotz teilweise wirklich guter Leistungen fuhr man nicht genug Punkte ein, die fehlende Konstanz bringt den Verein nun erstmals seit Jahren wieder in eine missliche Lage. Jetzt ist der FC Bayern zu Gast, der zwar nur noch Schaulaufen könnte, aber mit ordentlich Wut im Bauch ankommt. Fraglich ist, was Guardiola für eine Mannschaft aufs Feld schickt, eine Berücksichtigung der Ersatzleute erscheint aber wahrscheinlich. Gerade die haben jedoch Grund etwas zu zeigen, für einen neuen Vertrag (Weiser) oder eine bessere Perspektive (Götze). Freiburg muss auf Roman Bürki hoffen, der die bayrische Offensive stoppen will. Vorne muss Admir Mehmedi seine Torgefahr der letzten Saison wiederfinden. Das Spiel wird eine klassische Wundertüte.

„Es ist ein Skandal, dass diese beiden Mannschaften da unten drin stehen.“ – Rafael van der Vaart

Absolutes Knallerspiel der 33. Runde ist nicht nur Tradition, sondern auch Abstiegskampf pur. Dass es derart um die Existenz geht, ist nicht nur für Rafael van der Vaart überraschend, aber dennoch die Quittung für die skandalös schlechte Arbeit der letzten Jahre. Der HSV steht durch zuletzt gute Ergebnisse unter Motivator-Labbadia (sein fünftes Spiel, entspricht genau 2,5 Knäbel!) relativ aussichtsreich da, ist im Aufwärtstrend. Das Problem ist nur: der VfB Stuttgart zeigt auch eine steigende Formkurve und will ziemlich zügig runter von Platz 18 und vorbei am HSV. Mit dem Messer zwischen den Zähnen und Wut-Huub im Rücken (neuerlich wieder ein Ausraster: „Ihr seid alle Affen!“) rennen die Schwaben um ihr Leben. Und wollen mit ihren Offensivleuten um Didavi, Ginczek und Harnik die nicht immer sattelfeste HSV-Abwehr schwindelig spielen. Auf der anderen Seite stolpert allerdings noch Lasogga umher. Wenn es gegen den Abstieg geht, trifft der ja plötzlich. In diesem Spiel steckt demnach alles. Fast schade eigentlich, dass die neun Spiele alle gleichzeitig laufen. Da kommt man beim zugucken fast kaum hinterher…

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