Der Abstiegskampf spitzt sich nach dem vorletzten Spieltag dramatisch zu. Drei Punkte trennen Paderborn (18.) und Hertha BSC (13.). Der letzte Spieltag verspricht spannend wie lange nicht mehr zu werden.

Der Underdog

Was hat Paderborn als Aufsteiger und Daueraußenseiter überhaupt noch zu verlieren? Gegen den FC Schalke 04 traten sie genau mit dieser Devise an. Völlig unbeeindruckt trugen Stoppelkamp, Rupp und Bakalorz Angriff um Angriff nach vorn und der Paderborner Kapitän Hünemeier traf dann tatsächlich kurz vor Schluss! Dummerweise traf er ins eigene Netz. Eine der besten Leistungen der Rückrunde abgeliefert und trotzdem steht man mit leeren Händen da. Was machte Paderborn gegen die Schalker gut? Zum einen definierten sich die Ostwestfalen durch ein gut organisiertes 4-5-1/4-4-1-1 Mittelfeldpressing. Lukas Rupp ließ sich dabei häufig in die Mittelfeldreihe fallen, um in dieser Zone Überzahl herzustellen. Manchmal verfolgte er auch Dennis Aogo mannorientiert, um einen wichtigen Aufbauspieler im Schalker Spiel abzudecken. Die Herangehensweise bei eigenem Ballbesitz lässt sich bei den Paderbornern in einem Namen erklären: Moritz Stoppelkamp. Der 28-jährige war an elf der 22 Paderborner Toraktionen beteiligt und gewann Zweidrittel seiner Zweikämpfe. Die Angriffe trugen sie meistens über seine linke Seite nach vorn und stellten die Schalker vor einige Probleme. Die Paderborner zeigten jedoch erneut ihre Schwächen im Verwerten von Torchancen. Weiterhin bekamen sie Superdribbler Choupo-Moting nur selten in den Griff, was schlichtweg an ihrer individuellen Unterlegenheit lag. Damit hatten die Paderborner allerdings bereits die gesamte Saison über Probleme. Mit dem 0:1 liegt der Aufsteiger derzeit auf dem letzten Tabellenplatz und kann mit einem Sieg am kommenden Wochenende maximal den Relegationsplatz erreichen. Gegen die formstarken Stuttgarter wird das jedoch kein Zuckerschlecken, was wenig Hoffnung auf einen Ligaverbleib macht.

Hamburg, meine Perle

Hachja HSV, da wären wir wieder. Die Saison ist bald vorbei, Trainer kamen, Trainer gingen. Kontinuität im Punktesammeln? Fehlanzeige. Schuld daran wären der Vorstand, das mediale Umfeld und der fehlende Wille der Mannschaft. Wieder mal. Wenn man sich die Leistung der Hanseaten im Abstiegsgipfel gegen den VfB Stuttgart angesehen hat, mag man als HSV-Fan nur noch die Uwe-Seeler-Pupe herausholen, eine Fischsuppe schlürfen und sich in der HSV-Bettwäsche verkriechen. Und dabei die Tür zu machen. Und die Augen. Und den Rollladen herunterlassen, damit man nicht erkannt wird. Der Labbadia-Effekt verpufft nun allmählich und die Hamburger lieferten gegen den VfB eine unterirdische Leistung ab. Bekanntlich ist das Spielkonzept des HSV recht simpel gestrickt: Johan Djourou soll das Spiel aufbauen, van der Vaart rennt bisschen im Mittelfeld herum und fordert die Bälle, die just ganz vorn landen. Dort treibt meist Pierre-Michel Lasogga sein Unwesen. Der 23-jährige Stürmer zeichnet sich durch seine Physis und Laufbereitschaft aus. Seine technischen Fähigkeiten vor allem bei Ablagen oder Kombinationen in engen Räumen sind dafür eher dürftig, was gegen die Stuttgarter erneut zum Problem wurde. Im Zentrum hatten die Hanseaten selten Anspielstationen im Mittelfeldzentrum. Van der Vaart kippte häufig nach hinten ab, weshalb Kacar die weiten Räume im Zentrum nicht allein bespielen konnte. Folglich war es für die Stuttgarter ein Leichtes, die langen Bälle gegen Lasogga und Olic mit ihren beiden Riesen in der Abwehr zu verteidigen. Diese Kreativitätlosigkeit im eigenen Ballbesitz wird den Bundesliga-Dino letztlich zum Aussterben bringen. Ein Abstieg erscheint äußerst wahrscheinlich in dieser Saison.

Die Affen sind los!

Ähnlich bedrohlich sah die Lage der Stuttgarter vor diesem Spieltag aus. Mit einem Sieg über den HSV starteten sie erstmals seit 2013 eine „Siegesserie“ von zwei Spielen am Stück – wenn das nichts ist! Das Offensivtrio Kostic, Harnik und Ginczek brachten mit erfrischenden Tempofußball die Reihen der Hamburger durcheinander. Ginczek dient dabei häufig als Ballschlepper, der Zuspiele annimmt und schnell – meist auf Kostic – weiterleitet. Kostics Pendant auf der anderen Seite startet bei diesen Spielzügen vermehrt diagonal in die Spitze. Harnik ist mit seinem Tempo und seiner Torgefahr gut für diese Spielweise geeignet. In der Defensive setzte der VfB auf eine recht klare 4-1-4-1 Formation. Serey Die gab dabei mit seiner aggressiven Spielweise den Solosechser vor der Abwehr. Vor ihm schossen Didavi und Gentner immer wieder aus der Formation heraus, um den Spielaufbau der Hamburger zu stören. Generell wirkten sie gegen die Hamburger wesentlich zielstrebiger und klarer in ihren Aktionen. Für mich waren die Stuttgarter vor einigen Spieltagen ein klarer Abstiegskandidat. Mittlerweile haben sie sich durch gute Anpassungen (verbesserte Abläufe im Pressing, Rhythmuswechsel im Ballbesitz) und Rückkehrer (Ginczek, Didavi, Rüdiger, Kostic) stabilisiert und könnten mich Lügen strafen. Entscheidend wird die Defensive sein. Im Spiel nach vorn hat man ohnehin die Qualität, um die Klasse zu halten.

96 kann’s doch noch

Der letzte Sieg der Hannoveraner liegt bereits ein halbes Jahr zurück. Gegner war damals wie neulich der FC Augsburg. Gegen die Fuggerstädter erarbeiteten sich die 96er eine relativ gute Ausgangslage für den letzten Spieltag. Dabei liefen sie in einem asymmetrischen 4-2-3-1 auf, in welchem Lars Stindl von rechts wesentlich eingerückter agierte als Edgar Prib auf der linken Seite. Der Neu-Gladbacher unterstützte mehrfach den Spielaufbau und kurbelte Kombinationen mit Kiyotake an. Die Doppelsechs bildeten Andreasen und Sané. Auch wenn ich von Letzteren wenig bis gar nichts halte, so muss man sagen, dass der 24-jährige mit seiner Zweikampfstärke (61% gewonnen) und Robustheit dem physischen Fußball der Hannoveraner guttut. Vor der Abwehr eroberte er gegen Altintop und Bobadilla vile Bälle und hielt den Defensivverbund zusammen. Bei eigenem Ballbesitz hatten die 96er jedoch einige Probleme, bis ins letzte Drittel vorzustoßen. Briand wich häufig auf die Flügel aus und auch Kiyotake bewegte sich wenig im Zentrum. Gefährlich wurden die Hannoveraner immer, wenn Prib nach Spielverlagerungen auf links Platz für Dribblings hatte. Briand schob dabei dynamisch nach und brach einige Male zur Grundlinie durch. Die 96ern müssten am kommenden Wochenende gewinnen, um definitiv gerettet zu sein. Aber wer muss das nicht.

Der Breisgau im Aufstand

Mit dem Lastminute-Sieg gegen den FC Bayern landeten die Freiburger den Big-Point schlechthin. Gegen den Deutschen Meister agierten sie gewohnt intensiv mit vielen Mannorientierungen im 4-4-2 gegen den Ball. Admir Mehmedi verfolgte dabei Xabi Alonso, Darida kümmerte sich um Schweinsteiger. Mit einigen Kontern über Guede und Schmid stellten die Breisgauer den Rekordmeister vor einige Probleme. Im Mittelfeld zeigte Darida einmal mehr eine Topleistung. Mit seiner Pressingresistenz behielt er unter Druck häufig die Ruhe, befreite sich mit tollen Dribblings und leitete so manchen Konter ein. Im Tor war Bürki der sichere Rückhalt. Entweder hielt er seine Mannschaft mit herausragenden Paraden im Spiel oder er baute das Spiel gewohnt ruhig auf. Kurz vor Schluss ging der Sportclub durch Ex-Münchener Nils Petersen in Führung. Karim Guede – nicht wirklich für sein feines Füßchen bekannt – spielte wahrscheinlich den Pass seines Lebens, als er Petersen wunderbar mit einem bogenartigen Zuspiel in Szene setzte. Den Freiburgern würde am letzten Spieltag ein Unentschieden gegen Hannover reichen, um die Klasse zu halten. Keine so schlechte Ausgangslage für die sympathische Truppe von Christian Streich.

Die alte Dame lässt sich Zeit

Zugegeben: es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Hertha noch absteigt. Einzig mit einer Niederlage mit zwei Toren, gleichzeitigem Unentschieden von Freiburg und Hannover und einem VfB-Sieg könnten sie noch auf den Relegationsplatz abrutschen. Gegen Frankfurt vergab Kalou einige gute Torchancen. Ansonsten spielten die Herthaner ziemlich destruktiv und überließen den Gästen den Ball. Die Frankfurter gelten wahrlich nicht als auswärtsstarkes Team mit ihren sensationellen elf geholten Punkten in der Fremde. Folglich hätten die Berliner durchaus auf Sieg spielen können, doch es sollte an diesem Tag nicht sein. Am letzten Spieltag treffen sie auf die TSG Hoffenheim, wenn nichts Wildes passiert sollten die Berliner den Ligaverbleib ebenda einfahren. Die bisherige Saison hat jedoch gezeigt, dass sich kein Team frühzeitig in Sicherheit wiegen sollte.

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