Nach 34 Spieltagen stehen nicht nur Meister und Absteiger fest, sondern auch die großen Analysen der Saison stehen an. Neben Krisenbewältigung und Kaderverstärkung der einzelnen Klubs werden von den neutralen Beobachtern auch die besten Spieler der Saison unter die Lupe genommen. Gestern wurde mit den Defensivspielern die ultimative Hintermannschaft der Pressingfieber-Top11 gekürt. Bürki, Boateng, Naldo und Bernat bekommen nun Zuwachs.

 

Kevin de Bruyne

Was will man auch sagen? Das belgische Babyface, die Wolfsburger Lebensversicherung, Vollstrecker, Rekord-Vorbereiter, Mittelfeld-Motor, Kontermaschine, heißer Aspirant auf den „Spieler des Jahres“ und wohl in nicht allzu ferner Zukunft der teuerste Transfer der Bundesliga. Oder ganz kurz: 34 Spiele, 10 Tore, 21 Vorlagen. Kevin de Bruyne ist das Gesicht des Wolfsburger Aufschwungs und deren Vizemeisterschaft. Nach einer herausragenden Hinrunde legte der 23-jährige eine noch bessere Rückrunde hin, mit Highlights wie seiner Performance zum 4:1-Erfolg über Bayern München. De Bruynes Spiel stützt sich neben seinen Dribblingfähigkeiten vor allem auf seine unglaubliche Dynamik im Umschaltmoment. Ob über den Flügel oder im Zentrum, auf jeder Position wirbelte der Belgier wie ein Hurricane in den USA. Dabei steigerte er seinen Marktwert binnen weniger Monate mal um satte 15 Millionen Euro auf 35 Mio. € – Tendenz steigend. Ob die Wolfsburger ihn halten können, ist mehr als fraglich. In unserer Top11 haben wir ihn jedenfalls. Zumindest diese Saison.

Gonzalo Castro

Gonzalo Castro wurde in den letzten Wochen von quasi jedem Experten über den grünen Klee gelobt. Super, super Mittelfeldspieler, bester Leverkusener Akteur, Alternative für die Nationalmannschaft – was hat man nicht alles gehört… Aber wieso eigentlich? Statistiken vermögen den Ur-Bayer (seit 01.01.2005 im Profiteam) nicht erklären. 11 Torbeteiligungen, 49,6% gewonnene Zweikämpfe, 74,1% Passquote und 64,6 Ballkontakte pro Partie. Gut, aber nichts Bestechendes. Der 27-jährige definiert sich dafür anders. Er war Herzstück des Leverkusener Mittelfelds, defensiver Stabilisator und offensiver Antreiber. Wenn es brannte, stellte er sich auch mal auf die ungeliebte Position als Rechtsverteidiger, blieb variabel und gefährlich. Er ist die Personifizierung eines Teamplayers, wie sie wohl nur Philipp Lahm toppt. Auch dieser steht für die Qualität eines unauffälligen Spielers: taktisch brillant, für die Mannschaft unersetzlich, systemrelevant. Deshalb zahlt Borussia Dortmund über 11 Millionen für Castro. Und deshalb ist er auch für unsere Top11 unverzichtbar.

Johannes Geis

900 000 Euro Ablöse zahlte Mainz 05 im Sommer 2013 an Greuther Fürth für die Dienste eines 19 Jahre alten Mittelfeldspielers namens Johannes Geis. Keine zwei Jahre später hat der U21-Nationalspieler seinen Wert mehr als verzehnfacht. Für uns ist er neben Julian Brandt der Shootingstar des Jahres. Er war als Dreh- und Angelpunkt im Mainzer defensiven Mittelfeld (über 2000 Ballkontakte) einer der Hauptverantwortlichen für die solide Saison der 05er. In Staubsauger-Manier holte er sich in defensiver Formation die Bälle vom Gegner (insgesamt 474 Zweikämpfe bestritten, Durchschnitt auf seiner Position sind 312!) und stellte mit diesem am Fuß so einiges an. Mit weiten Pässen eröffnete er wie ein Quarterback klug das Mainzer Konterspiel, horizontal wie vertikal. Hinzu kommt eine herausragende Qualität bei Ecken und Freistößen, wodurch die Rheinländer in dieser Kategorie zur zweitbesten Mannschaft nach Bremen wurden. Ein Verbleib in Mainz erscheint jedoch ausgeschlossen, diverse Vereine buhlen um Geis. Seinen Platz in der Top11 hat er jedoch auf Lebenszeit.

Granit Xhaka

Noch bis tief in die letzte Saison hinein galt Granit Xhaka als Fehleinkauf und Abschiedskandidat. Für 8,5 Millionen Ablöse als Neustädter-Nachfolger aus Basel verpflichtet, brauchte er einige Zeit der Eingewöhnung. Spätestens aber in dieser Saison hat er die Einkaufssumme gerechtfertigt. Er war in der überragenden Gladbacher Spielzeit zentrale Führungsfigur, trotz seiner WM-Teilnahme bestritt er insgesamt 42 Spiele mit 3700 Einsatzminuten. Gemeinsam mit Christoph Kramer bildete er eine der lässigsten Doppelsechsen der Bundesliga, organisierte das Spiel der Borussia aus der Tiefe mit im Schnitt 90 Ballkontakten pro Partie bei einer Passquote von über 85%. Zudem zeigte er in brenzligen Situationen die von Oli Kahn propagierten Eier und ging dahin, wo’s weh tut (über 32 Zweikämpfe pro Spiel!). Dank seiner starken Physis gelang ihm das auf konstant hohem Niveau, diese Ausstrahlung übertrug er zudem auf seine ebenfalls konstant starke Gladbacher Fohlen. So einen Typen brauchen wir in unserer Top11!

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