Da waren sie gefunden, die elf Spieler der Saison. Bärenstarke Defensive, kreatives Mittelfeld, durchschlagende Offensive. Doch ein Team braucht auch einen Trainer. Und es braucht Helden der zweiten Reihe, wenn einem mal die Luft oder das Pflaster ausgeht. Wir haben jeweils einen Ersatzspieler für jede Position ausgewählt, für die es knapp nicht in die erste Elf gereicht hat.

Tor:

Yann Sommer

Noch ein Schweizer und kein deutscher Torwart in der Top11?? Unglaublich, aber wahr. Wir haben uns für zwei Eidgenossen aus dem Nachbarland entschieden und damit für zwei Neulinge in der Bundesliga. Und während der eine absteigen musste, lächelt Sommer von der hellen Seite des Mondes herab. Vom ersten bis zum letzten Spieltag im Tor, 15 Zu-Null-Spiele, 124 abgewehrte Torschüsse, nur 26 Gegentore und 82,6% gehaltene Torschüsse. Statistiken, die gefallen. Auf der Linie ist er ein Killer: dynamisch, tolle Reflexe, gutes Stellungsspiel. Zudem erfüllt er das Kriterium eines modernen Torwarts. Mit über 1700 Ballbesitzphasen und weit über 200 angekommenen Abschlägen und Abwürfen fungierte er in der vergangenen Saison als erster Aufbauspieler in Mönchengladbach. Und er war somit auch Grundstein des Erfolgs. Hier die Nummer 2, aber eigentlich eine gefühlte Eins.

Abwehr:

Mehdi Benatia

Als der Marokkaner im letzten August kurz vor Transferschluss für fast 30 Millionen Euro aus Rom zum FC Bayern kam, war für viele die hohe Ablöse ungerechtfertigt. Und man muss sicherlich zugeben, dass der 28-jährige nicht zu den besten 5 Innenverteidigern Europas gehört. Aber, das Potential dafür bringt er mit. Dafür zahlt man heutzutage auf dem überhitzten Markt. Wann immer Benatia eingesetzt wurde, zeigte er seine Leistung: 66% gewonnene Zweikämpfe, 89% angekommene Pässe. Die Kombination aus Robustheit und sauberem, präzisem Passspiel ist selten und Zeichen für die Qualität des Innenverteidigers. Hinzu kommt eine gute Grundschnelligkeit. Für diese erste Bundesligasaison, die er trotz kleineren Verletzungen derart beständig bestritt und seinen Teil an der überzeugenden Bayern-Meisterschaft beitrug, steht er hier. Ein Back-Up, den man jederzeit ins Team werfen kann. Welcher Trainer wünscht sich nicht so jemanden?

Mittelfeld:

Daniel Baier

Daniel wer??? Für alle, die den 31 Jahre alten ehemaligen 1860-Spieler nicht kennen: dieser Mann spielt beim FC Augsburg. Und zwar bockstark, herausragend, seit mehreren Jahren unter dem Radar. Mit Daniel Baier haben wir wohl den geheimen Hipster der Bundesliga ausgegraben. Er hat alle Spiele bestritten, wurde nur einmal in der 85. Minute ausgewechselt. Als Kopf der Augsburger Überraschungsmannschaft (Platz 5) ist er der verlängerte Arm von Markus Weinzierl. Aus der Tiefe baut er das Spiel geschickt auf, weiß immer vorher, was der Gegner macht und wohin er sich bewegt. Kämpfer und kreatives Genie zugleich – ohne Daniel Baier wäre Augsburg definitiv nicht in Europa gelandet. So einen Mann brauchen wir auch hier. Er ist unsere Erfahrung im Mittelfeld. Merken sie sich diesen Mann!

Angriff:

Robert Lewandowski

Robert wer??? Spaß beiseite, dieser Pole ist wahrlich kein Daniel Baier. Jeder kennt ihn, jeder weiß was er macht und nicht macht. Jedoch, es gibt eigentlich nichts, was dieser Kerl nicht macht. Tore schießen, Tore vorbereiten, Konterspiel, Ballbesitzspiel, Abschirmen, Spielzüge einleiten, defensives Pressing, Zweikämpfe bestreiten, mit Kieferbruch Fußball spielen, Angst und Schrecken beim Gegner verbreiten. Und dennoch wurde er zu Beginn seiner Zeit beim FC Bayern München kritisiert. Zu wenige Tore würde er schießen, untergehen würde er zwischen der Flügelzange Ribery und Robben. Fußballdeutschland schaffte es wieder einmal nicht, ordentlich zu differenzieren. In Dortmund war das gesamte Offensivspiel auf ihn zugeschnitten, in München nicht. Diese Umstellung war Lewandowski bewusst und diese hat er mit Bravour gemeistert. Als zentraler Fixpunkt der Bayern-Offensive war er mitentscheidend für die Dominanz der Münchner in der Hinrunde. Als Robbery dann ausfiel, blieb nur er übrig. Und dabei zeigte er, wie wichtig er für die Bayern in wenigen Monaten geworden ist. Am Ende stehen 25 Tore und 13 Vorlagen in 49 Spielen. Robert, der beste Mittelstürmer der Liga.

Trainer:

Lucien Favre

Der Schweizer Ex-Herthaner ist für Gladbach das, was Klopp für Dortmund war. Identifikationsfigur, Vater des Erfolgs. Auch wenn er weniger verrückt an der Linie herumspringt (der Mann ist ja auch etwas älter) und es ihm gelingt, in Diskussionen mit dem Schiedsrichter seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten, so hinkt der Vergleich nicht. Er machte binnen kurzer Zeit aus einem Fast-Absteiger kontinuierlich einen Champions League Teilnehmer. Trotz entscheidender Abgänge (Reus, Dante, Ter Stegen) und trotz Doppel- und Dreifachbelastungen zog er seinen Stiefel durch. Und lässt dabei herausragenden Fußball spielen. Er erinnert Gladbach an die goldenen Jahre um Netzer und Co. – eine Meisterschaft erscheint nicht unrealistisch. Unsere Elf darf er jedenfalls coachen. Dieser Taktik-Professor bringt schon mal 50% des Sieges.

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