In insgesamt 180 spannenden Minuten setzten sich die A-Junioren des ZFC Meuselwitz durchaus verdient im Kampf um die Landesmeisterschaft gegen den 1. SC 1911 Heiligenstadt durch. Damit sind sie das erste Team, das das Double aus Meisterschaft und Pokal in dieser Altersklasse gewinnen konnte. Ein Triumph, den sich weder Bastian Schweinsteiger noch Lionel Messi in die Vita schreiben können – nur um das Ganze mal einzuordnen.

Nach einem Titelgewinn sah es aus ZFC-Sicht zu Beginn allerdings nicht aus. Trotz des 1:0 im Hinspiel begann man die Partie sehr zaghaft, fast schon ängstlich. Im Mittelfeldzentrum hatte man immense Probleme im Gegenpressing. Man kam nach Ballverlusten schlichtweg nicht in die Zweikämpfe und kassierte einen Gegenangriff nach dem anderen. Johannes Richter war in dieser Phase einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige, der sich im Zweikampf zu behaupten wusste. Nachdem man in der 20. Minute den Rückstand noch geradeso verhindern konnte, musste man vier Minuten später einen Gegentreffer hinnehmen. Auf der rechten Seite bekam man das Spielgerät nicht entscheidend geklärt. Die Hausherren verlagerten anschließend schnell zur Mitte und aus gut 11 Metern schob Niklas Launert freistehend zum 1:0 ein. Mit diesem Rückstand tat sich der ZFC enorm schwer. Die Aktionen wurden hektischer und man ließ den Ball nicht mehr ruhig durch die eigenen Reihen laufen. In der 40. Minute kassierten die Meuselwitzer dann das 2:0. Nach einem Abschlag des Heiligenstädter Torhüters bekam man den Ball wieder nicht aus der Gefahrenzone heraus und aus gut 20 Metern landete der abgefälschte Schuss Eric Wiedenbruchs im ZFC-Gehäuse. Ganz ehrlich? Viel Hoffnung hatte ich persönlich nicht mehr.

Der zweite Durchgang sollte mir dann aber beweisen, dass ich von Fußball generell und speziell dieser Mannschaft überhaupt keinen Dunst habe. Nach einer kurzen Abtastphase und etwas Glück in der Torverhinderung drehte das Team so richtig auf. In der 53. Minute flankte Paul Grunert von rechts genau auf den Kopf von Felix Müller, der fast schon mustergültig unhaltbar ins lange Eck einköpfte. Nun war man wieder voll im Spiel, beherrschte Ball und Gegner und glich fünf Minuten später sogar aus. Christoph Krause behauptete sich auf der linken Seite hervorragend gegen mehrere Gegenspieler und seine anschließende Flanke fand Marcel Zobelt am langen Pfosten – 2:2. Diese Meuselwitzer Drangphase ging einher mit einer Umstellung nach der Pause. Fabian Baur und insbesondere Felix Müller waren nun präsenter im Gegenpressing, indem sie etwas weiter aufrückten und die Löcher im Mittelfeld stopften. In der 67. Minute gingen die Gäste aus Meuselwitz sogar noch in Führung. Felix Zschäck löffelte den Ball per Freistoß in den Strafraum und Paul Grunert drückte den Ball letztlich über die Linie. Damit war die Partie quasi gelaufen: Drei Tore hätten die Heiligenstädter noch erzielen müssen, wofür ihnen jedoch merklich die Kraft fehlte, ihrem Tempo aus der ersten Hälfte sollten sie an dieser Stelle Tribut zollen. Mit dem Platzverweis in der 73. Minute war der Drops endgültig gelutscht. Pünktlich nach 90 Minuten pfiff der Unparteiische die Partie dann ab. Es war vollbracht. Doublesieger, Baby!

Mit einer unglaublichen Willensleistung und spielerischer Klasse drehte der ZFC die Partie in der zweiten Halbzeit. Das Team befreite sich abermals gemeinsam aus der brenzligen Situation, zeigte Zusammenhalt und darf sich zurecht als die beste Mannschaft Thüringens ihrer Altersklasse bezeichnen. Ich für meinen Teil wende mich dem Schreibgerät ab, tätowiere mir ein „weiter, immer weiter“ auf den Oberarm und lasse „The time of my life“ in der Endlosschleife laufen.

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