Das war sie also, die sechste Regionalliga-Saison des ZFC Meuselwitz. Als Anhänger brauchte man in dieser Spielzeit ein ziemlich dickes Fell. Denn auch in diesem Jahr ging es für den ZFC im Kampf um den Abstieg mehr als eng zu. Durch die Insolvenz Plauens und das Zurückziehen Union Berlins II entging man einem Abstieg in die Oberliga. Die (taktischen) Gründe für die durchwachsenen Leistungen sollen im Folgenden näher analysiert werden.

Überraschungen zum Rückrundenstart

In der Winterpause galt es für den ZFC, das Loch zu füllen, das Kapitän Frank Müller durch seinen Rücktritt hinterließ. Hierfür verpflichtete man Lukas Pägelow (Hansa Rostock) und Joseph Gröschke (Erzgebirge Aue II). Weiterhin wechselte Außenverteidiger Benjamin Fuß vom FSV Zwickau zu den Zipsendorfern. Nachdem die Wintervorbereitung eher durchwachsen vonstattenging, trotzte man den damaligen Tabellenführern aus Zwickau und Nordhausen jeweils ein Unentschieden ab. Brachte man gegen den FSV Zwickau das Ergebnis noch mit ein wenig Glück über die Zeit, so hätte man gegen Nordhausen durchaus gewinnen können. Diese Partie zeigte sehr gut sowohl Schwächen als auch Stärken des ZFC-Spiels in dieser Phase der Saison. Defensiv standen die Meuselwitzer kompakt, allerdings war man vor allem über die Außen anfällig und ließ sich dort zu leicht überlaufen. In der Offensive fuhr man immer wieder Konter durchs Zentrum, die in der Endphase idealerweise auf die Flügelstürmer verlagert werden sollten. In diesen beiden Spielen funktionierte diese Strategie relativ gut, weshalb man optimistisch in die Zukunft blickte.

Diese Euphoriewelle ebbte jedoch in den folgenden drei Spielen stark ab. Gegen den Berliner AK, Magdeburg und Neustrelitz kassierte der ZFC zehn Gegentreffer und konnte dabei keinen einzigen Torerfolg verbuchen. Ausschlaggebend war hierfür das ideenlose Spiel bei eigenem Ballbesitz. Im kontrollierten Spielaufbau hatte man sehr oft Probleme, die erste Pressinglinie des Gegners sauber zu überwinden. Gegen Magdeburg und Neustrelitz agierte im Zentrum das Duo Sträßer-Hildebrandt. Beide konnten die komplette Spielzeit hinweg nicht die ihnen aufgetragene Spielgestaltung adäquat erfüllen. In ihren Bewegungen ähneln sich beide ziemlich stark: Sie gehen im Spielaufbau gerne dem gegnerischen Druck aus dem Weg, indem sie sich nach hinten fallen lassen. Da die Flügelspieler ihrerseits an den Seitenlinien klebten und die Staffelungen im Angriff generell zu flach waren, fanden die Meuselwitzer im zweiten Spielfelddrittel zentral wenig Anspielstationen. Folglich suchte man meistens den Weg über außen, wo man jedoch gerade gegen Magdeburg durch aggressives Anlaufen die Bälle verlor oder unkontrolliert nach vorn schlug.

Neben dieser Simplizität im Aufbauspiel war man vor allem defensiv alles andere als sattelfest. Andreas Luck war im Formtief, der junge Pägelow hatte zusehends Probleme mit dem Tempo und Benjamin Fuß verletzte sich nach soliden Leistungen am Kreuzband. Weiterhin war die Flügelverteidigung bei den Meuselwitzern eine Schwäche. Hierbei waren die Außenverteidiger häufig auf sich allein gestellt, da der gesamte Mannschaftsverbund nicht konsequent auf die jeweilige Seite nachschob – ein Problem, das man bereits in der Hinrunde vorfand.

 

Kurzzeitige Stabilisation

Am 06.04. kehrte mit Frank Müller der Abwehrchef der Meuselwitzer zurück in die Startelf. Seine Leader-Fähigkeiten fehlten dem Team bis dahin spürbar. Er begab sich auf seine angestammte Innenverteidigerposition zurück neben Lukas Pägelow und Andreas Luck rückte auf die Sechserposition. Systemtechnisch stieg man auf ein 4-1-4-1 um, welches die defensive Stabilität zunächst erhöhte. Luck agierte hierbei meist als alleiniger Sechser vor der Abwehr. Nach seinem Formtief fand er sich in dieser Rolle relativ gut zurecht: fortan wurde er durch die beiden Innenverteidiger abgesichert, wodurch seine mangelnde Schnelligkeit nicht mehr so stark ins Gewicht fiel. Für die Ballzirkulation war Luck im Zentralenmittelfeld ein wichtiger Baustein, da er über ein sehr sauberes Passspiel verfügt, den Ball auch unter Druck verarbeiten kann und im Falle eines Ballverlusts in höheren Zonen für die Konterabsicherung zuständig war. Auf den beiden Achterpositionen vor ihm agierten häufig Rudolph, Albert oder Sträßer, die im Pressing immer wieder dynamisch aus ihrer Ordnung rückten und Luck im Umkehrspiel unterstützten. Diese Strategie funktionierte eine gewisse Zeit ziemlich gut – drei Partien in Folge war man ungeschlagen, hätte gegen Carl Zeiss Jena und den BFC jeweils aufgrund der Fülle an Torchancen gewinnen können, wenn nicht sogar müssen.

Nach dieser kurzen Phase des „Aufschwungs“ bekam das Team in den Folgewochen einen Dämpfer nach dem anderen verpasst. Zunächst unterlag man ohne jegliche Chance bei der zweiten Garnitur Hertha Berlins, ehe man eine Woche später im direkten Abstiegsduell nur einen mageren Punkt gegen Viktoria Berlin holte. Ein weiteres Problem, das sich durch die gesamte Spielzeit zog. Gegen die direkte Konkurrenz konnte man zwar den Großteil der Punkte einfahren (16 von 22 Pkt.), war jedoch gegen die Teams aus der oberen Tabellenhälfte stets nur Sparringspartner (39 Gegentore in 18 Partien). In diesen Duellen war man sowohl individuell als auch gruppentaktisch absolut unterlegen. Wenig vertikale Kompaktheit, im Verschiebeverhalten nur bedingt konstant und in der Defensive machte man teilweise haarsträubende Fehler. In der Offensive war der ZFC sehr auf den Zufall oder die individuelle Qualität Manuel Starkes angewiesen. Dem Team ging in dieser Spielzeit stets die Konstanz im Sturmzentrum ab. Weder Sebastian Weiske, noch Junior Torunarigha konnten dauerhaft gute Leistungen im Sturmzentrum abliefern. Torgefahr wurde häufig durch die Außenstürmer ausgestrahlt, die diagonal hinter die gegnerische Abwehrlinie starteten.

Im Pokalfinale gegen den FC Carl Zeiss Jena funktionierte dieses Mittel recht gut. Besonders Benjamin Boltze spielte seine Dynamik im Umschaltmoment aus. Diese Partie war ein Stück weit das Sinnbild für die gesamte Meuselwitzer Saison. Im eigenen Ballbesitz beschränkte man sich auf schnelles Konterspiel, während man in der Defensive mit einigen Problemen den Strafraum verteidigen konnte. Die Kontersituationen spielte der ZFC jedoch nicht mit letzter Konsequenz aus, weshalb man es verpasste, den Sieg unter Dach und Fach zu bringen. Dass man kurz vor Schluss den Ausgleichstreffer nach einem Eckball hinnahm passte ebenfalls ins Bild der Saison.

Quo vadis ZFC?

Was nimmt man also aus dieser gänzlich verkorksten Saison mit? Den ersten Schritt in die richtige Richtung beging man mit der Einführung von profihafteren Bedingungen ab der nächsten Spielzeit. Die Spieler können ihren Fokus nun mehr auf den Fußball richten, als auf die Arbeit. Bis zu 12 Spieler werden den Verein verlassen – der Verein will fortan verstärkt auf junge Talente mit Regionalligaerfahrung setzen. Entscheidend wird jedoch sein, wie man diese integrieren kann und ob man zusätzlich gestandene Spieler verpflichtet, die über mehr Erfahrung auf diesem Niveau verfügen. Die abgelaufene Saison hat gezeigt, dass talentierte Kicker aus den U23-Teams der „Großen“ nicht ausreichen, um in der Regionalliga konkurrenzfähig zu sein. Es wäre jedoch naiv zu glauben, dass allein durch diesen personellen Umbruch die Zukunft des Clubs gesichert wäre. Gerade seine Spielweise muss der ZFC verbessern, wenn nicht sogar umstellen. Im eigenen Ballbesitz sollte künftig kontrollierter agiert werden. Speziell das Zentrum und die Halbräume sollten dabei konstanter besetzt und auch bespielt werden. Weiterhin müsste man mindestens einen Plan B in der Hinterhand haben. In dieser Saison definierte sich das Team häufig nur durch ein tiefes Mittelfeldpressing mit anschließenden Kontern nach Ballgewinnen – insgesamt war diese Strategie zu simpel, um im Tabellenkeller dauerhaft zu punkten. Für die kommende Spielzeit müssen die Zipsendorfer ihre Spielweise definitiv flexibler gestalten. Bewerkstelligt man dies und tätigt die richtigen Transfers, könnte der ZFC seinen Fans in der nächsten Saison wieder mehr bieten, als nur ein angstgeschwängertes Bangen um den Klassenerhalt.

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