Schmal ist er geworden, der Thomas Tuchel. Schmaler als ohnehin schon. Der neue Heilsbringer beim BVB startete kürzlich mit seinem Team in die neue Spielzeit und schon jetzt wird reichlich über sein Vorhaben in Dortmund spekuliert.

Der 41-jährige ist bekannt für seine Akribie. Sein Ziel ist es, komplette Kontrolle über Ball und Gegner zu haben. Wie kaum ein anderer steht Tuchel für den modernen Coach, der sich gezielt auf die Stärken und Schwächen des jeweiligen Gegners einstellt, Matchpläne entwirft und sein Team dementsprechend flexibel aufstellt. In seiner Zeit bei Mainz 05 war Thomas Tuchel stets dafür bekannt, während des Spiels Anpassungen vorzunehmen, sowohl von der strategisch (Konterfußball, Ballbesitz, etc.) als auch formativ. Tuchels Grundformation war in den allermeisten Fällen das 4-3-2-1. Fünferketten mit komplexeren Abläufen waren ihm ebenfalls recht, wie ein simples 4-4-2. Zielführend muss es sein.

Mit Gonzalo Castro sicherten sich die Dortmunder einen der besten zentralen Mittelfeldspieler der abgelaufenen Saison. Kollege Maxim2go beschrieb ihn passenderweise als die „Personifizierung eines Teamplayers“. Castro könnte in Tuchels System einen überaus wichtigen Eckpfeiler bilden. Der 28-jährige ist kombinationsstark, verfügt über eine tolle Übersicht und kann sich in Drucksituationen behaupten. Zusammen mit Mkhitaryan und Gündogan könnte er liga- und europaweit das vielleicht kombinationsstärkste Mittelfeldzentrum bilden. Da Tuchels Mainzer in der Regel eine konstruktive Ballzirkulation forcierten, kann man durchaus davon ausgehen, dass der BVB in diesem Bereich noch eine Schippe drauflegen wird. Dies war in der abgelaufenen Saison ein großes Problem der Dortmunder: Im eigenen Ballbesitz agierten sie zu simpel, zu ungeduldig waren sie.

Ein weiterer Schlüsselspieler ist neben dem bereits erwähnten Castro selbstverständlich Kapitän Mats Hummels. Nach seiner womöglich schlechtesten Saison im Dress des BVB soll es nun wieder aufwärts gehen. Mit seiner sauberen Spieleröffnung und seiner herausragenden Antizipation soll er der zuletzt wackligen Defensive fortan wieder die Stabilität geben.

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Eine mögliche Startaufstellung des BVB in der nächsten Saison. Wäre jedoch ziemlich unfair den Gegnern gegenüber…

Dass Marco Reus der Hoffnungsträger in der Offensive sein wird, ist sicher nicht ganz abwegig. Bleibt Reus verletzungsfrei, könnte er unter Tuchel als linker Halbstürmer im 4-3-1-2 auflaufen. Seine Dynamik verbunden mit seinen Dribblingfähigkeiten könnten sowohl für die Ballzirkulation als auch das schnelle Umschaltspiel von enormer Bedeutung sein. Sein Sturmpartner dürfte Batman sein, der sich gerne mal als Aubameyang verkleidet. Beide bilden ein sehr durchschlagskräftiges Duo, das vor allem im Umschaltmoment extrem schwer zu bespielen ist. Unklar ist dagegen, inwieweit man mit Ciro Immobile plant. Der Italiener wird vorerst die Vorbereitung unter Tuchel absolvieren. Immobiles Problem unter Jürgen Klopp war, dass er sich zu häufig zu früh in das Kombinationsspiel einband. Der Italiener ist dann am stärksten, wenn er Angriffe vollenden kann oder viel Platz zum Kontern hat. Kleinräumige Aktionen liegen ihm nicht so, dem Ciro. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Immobile unter Tuchel doch noch die Kurve bekommt. Vielleicht wird er fortan taktisch passender eingebunden und kann auf Torejagt gehen, damit das Ciro-(Tore-)Konto wieder gefüllt ist – was ein schlechter Spruch!

Gibt man ihn jedoch ab, dann muss man sich zwangsläufig nach einem Ersatz umsehen. Adrian Ramos wird es jedenfalls nicht sein. Aleksandar Mitrovic vom RSC Anderlecht wird hierbei als ein heißer Kandidat gehandelt. Redaktionsintern ist der frisch gebackene U21-Europameister John Guidetti nicht nur wegen seines im Sommer auslaufendes Vertrages eine Option. Der junge Schwede bewegt sich mit seinen 1,81 Metern überaus beweglich im Sturmzentrum. Er hat einen sehr guten first touch und zeigt ansehnliche Dribblings. Mitunter erinnert seine Spielweise an Cristiano Ronaldo, wenngleich Guidetti natürlich noch nicht so durchschlagskräftig ist. Der BVB würde mit diesem Transfer nichts falsch machen – ein junges aufstrebendes Talent zum Nulltarif ist sicher eine Überlegung wert.

Worauf es bei Thomas Tuchel letztlich genau hinausläuft, wird abzuwarten sein. Er wird das Konzept der Borussen zunächst nur in Teilen verändern. Entscheidend wird sein, wie schnell seine Spieler das neue System Tuchel verinnerlichen und ob man auf dem Transfermarkt nochmals aktiv werden wird.

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