Lang wurde darüber spekuliert, nun ist es offiziell: Nach 17 Jahren verlässt Bastian Schweinsteiger den FC Bayern München in Richtung Manchester. Die Bundesliga verliert damit nicht nur einen der besten Mittelfeldspieler der letzten Jahre. Sie verliert auch eines ihrer Aushängeschilder. Einst als Außenbahnspieler zum „ewigen Talent“ mit stetig wechselnder Frisur abgestempelt, vollzog der Münchener eine Wandlung. Maßgeblichen Anteil an diesem Wandel hat Louis van Gaal. Der Niederländer beorderte Schweinsteiger 2010 auf eine zentralere Position. Wie kaum ein zweiter prägte Schweinsteiger fortan die Rolle des modernen Sechsers. Unvergessen seine großartigen Leistungen im Champions League Finale 2013 oder dem WM Finale vor einem Jahr. In Manchester trifft der 30-jährige nun auf seinen ehemaligen Lehrmeister.

Da stellt sich nun die Frage: Wieso um alles in der Welt gibt der Verein seine Identifikationsfigur und seinen Mittelfeldstrategen der letzten Jahre ab?

Bevor wieder apokalyptische Verschwörungstheorien um Pep Guardiola, dessen System oder ähnliches heraufbeschworen wird, möchte ich auf die nackten Zahlen verweisen: In 108 Spielen unter Guardiola stand Schweinsteiger 64 Mal auf dem Platz, davon 53 in der Startelf (im Übrigen auch in allen Schlüsselspielen). Elffach wurde er eingewechselt und in nur fünf Partien kam er gar nicht zum Zuge. In 38 Spielen musste Schweinsteiger verletzt passen. Dass Guardiola also ein Problem mit Schweinsteiger oder seiner Spielweise haben könnte, ist demnach ziemlicher Nonsens.

Rein sportlich dürfte es für Schweinsteiger also keine Beweggründe für den Wechsel gegeben haben. Es ging ihm ein stückweit um Wertschätzung. Nicht innerhalb des Vereins, sondern generell in Deutschland. Blickt man nach England, so genießt er dort ein überaus hohes Ansehen. Der Hype um einen Wechsel auf die Insel war enorm. Hierzulande war es oftmals halt der Schweini, der durchs Mittelfeld schlurfte, Querpässe spielte und sich ab und an mal bei einem Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft blicken ließ. Dort spielte er meist Sicherheitspässe und war sowieso völlig unmotiviert. Leider war das die allgemeine Meinung.

Der Abgang Schweinsteigers schmerzt für die Bayern-Fans eher menschlich, als sportlich. Sie verlieren ihren Fußballgott, ihre Identifikationsfigur. Sicherlich wäre eine Vertragsverlängerung mit einem späteren Wechsel in die USA, Katar oder einem anderen Land, wo die großen Stars ihre Karriere für den ein oder anderen Geldschein ausklingen lassen angenehmer gewesen. Für Schweinsteiger und auch dem FC Bayern endet damit ein glorreiches Kapitel. Schweinsteiger wird sich in England durchsetzen und vielleicht bekommt er am Ende dieses Kapitels dann auch in Deutschland die Anerkennung, die ihm zusteht.

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