Seit knapp zwei Wochen ist das Transferfenster nun geöffnet und die ersten großen Deals stehen bereits fest: Roberto Firmino zum FC Liverpool, Douglas Costa zu den Bayern, Iker Casillas zum FC Porto und Bastian Schweinsteiger zu Manchester United. Alles schön und gut. Den absoluten Coup landete man jedoch in England, London um genau zu sein. Nicht etwa der FC Arsenal, der sich die Dienste des ehemaligen Welttorhüters Petr Cech sicherte. Auch nicht der FC Chelsea, der für eine stattliche Summe Kolumbiens Nationalstürmer Falcao auslieh.

Den eigentlichen Transfer des Sommers finden wir im Süden Londons: Dort lotste Crystal Palace, eher graues Mittelmaß in der Premier League, Yohan Cabaye für knapp 14 Millionen Euro in die Hauptstadt. Cabaye? Ist das nicht dieser österreichische Schlagertyp? Nicht ganz.

Für den zentralen Mittelfeldspieler ist Englands höchste Spielklasse kein Neuland: Zwischen 2011 und 2014 schnürte er bereits die Schuhe für Newcastle United, wo er in seiner letzten Saison zu einem der besten Sechser der Liga reifte. Der Sprung zu einem internationalen Topclub war daher nur eine Frage der Zeit und so heuerte er im Winter 2014 bei Paris Saint-Germain an. Die Pariser ließen sich seine Dienste immerhin 25 Millionen Euro kosten. Dort scheiterte der Franzose allerdings an der Konkurrenz. Mit Marco Verratti, Thiago Motta und Blaise Matuidi besaßen die Pariser eines der besten Mittelfeldtrios Europas. Allesamt harmonierten sie perfekt miteinander: Verratti kümmerte sich um den Spielaufbau, Matuidi rannte von Strafraum zu Strafraum und Motta war der klassische Verbindungsspieler. Da Yohan Cabaye eine Mischung aus all diesen Akteuren war und eine Hereinnahme seinerseits das Gefüge oftmals aus dem Gleichgewicht brachte, verkaufte man ihn letztlich nach über einem Jahr wieder.

Bei Crystal Palace trifft der 29-jährige auf seinen ehemaligen Coach Alan Pardew, eben jener Trainer, der ihn einst zum Star machte. Yohan Cabaye ist trotz seiner fast 30 Jahre der Prototyp des modernen Sechsers. Er ist technisch überaus sauber, besitzt eine starke Physis und hat ein gutes Gespür für offene Räume. Weiterhin ist er im Spiel gegen den Ball sehr arbeitsam; er besitzt im Herausrücken ein gutes Timing und antizipiert viele Pässe frühzeitig, wodurch seine Schwächen in direkten Zweikämpfen nicht so sehr zum Tragen kommen.

Bei eigenem Ballbesitz verhält sich Cabaye überaus clever: Er bewegt sich umsichtig über das Feld, fordert die Bälle meist passend und verteilt sie dann mit viel Übersicht. Sein Strukturgefühl hilft ihm dabei durchaus. Ähnlich wie beispielsweise Toni Kroos spielt Cabaye meist den vorletzten oder den vorvorletzten Pass, der schlussendlich zum Tor führt. Manche Spielzüge ahnt er schon im Voraus und somit lenkt er das Geschehen dementsprechend, um etwaige Schwächen des Gegners zu bespielen. Torgefahr strahlt er meist durch nachrückende Bewegungen aus, indem er aggressiv aus dem Rückraum in den Strafraum sprintet. Bei ruhenden Bällen sowie Fernschüssen strahlt Cabaye ebenfalls Gefahr aus.

Dass ein Club wie Crystal Palace sich die Dienste eines solchen Mittelfeld-Allrounders sichern konnte, ist für mich ein absoluter Coup. Mit ihm haben die Südlondoner einen kompletten Mittelfeldspieler für eine verhältnismäßig kleine Summe bekommen. Yohan Cabaye hat sicherlich die Qualität bei einem Champions League Club die Fäden im Mittelfeld zu ziehen, wenn man ihn passend einbindet. Der Franzose wird in dieser Saison definitiv der Schlüsselspieler bei den Londonern sein. Vielleicht nutzt er diese Station, um nochmals bei einem großen Club anzuklopfen.

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