Nicht mal eine Woche ist es her, da verließ mit Bastian Schweinsteiger eine feste Größe im zentralen Mittelfeld den FC Bayern München. Bereits jetzt steht ein möglicher Ersatz auf dieser Position fest: Arturo Vidal von Juventus Turin. Auf den ersten Blick erscheint der 28-jährige wie ein Mitglied einer südamerikanischen Drogenbande. Seine Frisur und Tattoos unterstützen sein Image als Raubein und Terrier auf dem Platz. Manch einer betitelt ihn gar als „fußballerisches Arschloch“. Doch Vidal ist mehr als nur ein tätowierter Mittelfeldrüpel.

Offensiver Alleskönner

Betrachtet man sich die herausgespielten Torchancen der chilenischen Nationalmannschaft oder Juventus‘ der letzten Jahre, so fällt auf, dass Arturo Vidal immer irgendwo seine Füße im Spiel hatte. Egal, wo auf dem Feld eine Torchance entstand, Vidal war beteiligt. Der Chilene ist neben Manchester Citys Yaya Touré und Christoph Kramer der vielleicht weiträumigste Akteur der Welt. Seine Bewegungen sind meist sehr dynamisch und wuchtig, wenn er offene Räume anvisiert. Generell ist Vidal ein ziemlich druckvoller Spieler, der sowohl mit, als auch ohne Ball viel Physis und Tempo mitbringt.

„Solche Spieler möchte ich nicht beim FC Bayern haben.“ – Rummenigge über Vidal (2011)

Mit dem Ball am Fuß kann der Ex-Leverkusener eigentlich alles: Druckvolle Dribblings in offene Räume beherrscht er ebenso gut, wie die Ballbehauptung in engen Räumen. Da er über einen hervorragenden ersten Kontakt bei der Ballannahme (first touch) verfügt, kann er sich aus Drucksituationen meist frühzeitig befreien. Gelingt dies nicht sofort, kann sich Vidal entweder mit schnellen Körpertäuschungen und Drehungen dem Druck entziehen.

Mit seiner Dynamik und seinen Dribblingfähigkeiten könnte er dem Ballbesitzspiel der Münchener fortan mehr Tempo im letzten Spielfelddrittel geben und für mehr Torabschlüsse sorgen. Potentiell könnte er aufgrund seiner Flexibilität überall eingesetzt werden, außer vielleicht im Tor. Interessant wäre das Zusammenspiel mit Mario Götze, da sich beide in ihrem Spielstil hervorragend ergänzen würden. Götze, derjenige, der mitunter etwas behäbig in seinen Bewegungen wirkt, neben Duracell Hase Vidal.

Passionierter Kartensammler

Eine ebenfalls denkbare Variante wäre, Vidal auf die Position des rechten Halbverteidigers einer Dreierkette zu beordern. Ähnlich wie David Alaba halblinks könnte er von seiner Position aus das Spiel ankurbeln, dynamisch in die gegnerische Formation eindringen und weite Vorstöße wagen. Stellt man ihn jedoch auf diese Position, so müsste er sich in seinem Herausrücken etwas zurückhalten, da er sonst viel Raum für gegnerische Angreifer preisgeben könnte. Prinzipiell könnte ihn Pep Guardiola in dieser Rolle durchaus erfolgsversprechend einsetzen.

Das Problem, welches mit Vidals Spielweise einhergeht, ist die Tatsache, dass er sich zu oft von seinem Temperament leiten lässt. 4,5 Fouls pro 90 Minuten in der abgelaufenen Champions League Saison sprechen dahingehend eine deutliche Sprache. Dass er seit seinem Wechsel nach Turin in jeder Saison mindestens 7 gelbe Karten pro Saison sammelte ebenfalls. Manchmal wirkt es so, als ob er bereits gelb vorbelastet aus dem Bus steigt.

Fazit

Mit Arturo Vidal sichern sich die Münchener einen der womöglich besten zentralen Mittelfeldspieler der letzten beiden Jahre. Er verbindet wie kaum ein Zweiter Dynamik, Technik und Spielintelligenz perfekt miteinander. Der Chilene wird das Loch nicht füllen können, welches Bastian Schweinsteiger hinterlassen hat. Durch seine Flexibilität ist Vidal jedoch praktisch überall einsetzbar, was diese Verpflichtung taktisch, strategisch und letztlich auch personell so spannend macht. Vidal ist ein Alleskönner, dessen einzige Schwäche sein Temperament ist. Bekommt er dieses in den Griff, so könnte er in den nächsten Jahren eine feste Größe bei den Bayern werden.

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