Es ist schon faszinierend, worüber sich angehende Erwachsene junge Männer freuen können. Da steckt man sie ein Jahr lang Wochenende für Wochenende in die gleichen Klamotten, lässt sie Wochenende für Wochenende einem Ball hinterherjagen und justiert unter der Woche an den Fehlern des vorherigen Wochenendes. Der Ansporn? Man darf am Ende der Saison zwei Plastikpokale mit Aluminiumverzierung und einem Marmorimitat als Sockel in die Höhe stemmen. Doch es ist viel mehr als das. Es ist mehr als nur ein Pokal, den man in den Händen hält. Es ist so einfach. So schön.

Zwei Monate ist es her, da feierten wir gemeinsam als Team etwas Historisches. Klar, für die allermeisten sind die Titel „U19 Landespokalsieger Thüringen“ und „U19 Landesmeister Thüringen“ nichts Weltbewegendes. Und auch für einige Team-Mitglieder wird es in ferner Zukunft vielleicht nur noch eine Randnotiz sein. Im Moment des Titelgewinns war es uns jedoch egal. Jener Moment als der Schlusspfiff ertönte. Wir merkten, dass wir etwas Großes vollbracht hatten, etwas, das noch keine andere Mannschaft unserer Altersklasse geschafft hatte.

In den darauffolgenden Stunden und Tagen ritten wir auf einer Welle der Freude, des billigen Fusels und der mäßig ertragbaren Party-Musik. So manch einer ernährte sich an den folgenden Tagen ausschließlich vom kühlen Hopfengetränk. Wieso auch nicht – wir wurden schließlich Doublesieger in Thüringens höchster Spielklasse. Keine Bundesliga, keine Champions League. Einfach nur Landesliga Thüringen. Es war so einfach. So schön.

Bodenständig war es, das Mannschaftsgefüge. Auf dem Platz fanden wir die perfekte Mischung aus Robustheit und Eleganz, aus Aggressivität und Geduld, aus individueller Qualität und mannschaftlicher Geschlossenheit. Letzteres galt auch neben dem Platz. Wir waren mehr als nur eine Zweckgemeinschaft, die sich regelmäßig zum gepflegten Kick zusammenfindet. Wir waren Krieger, die Seite an Seite kämpften. Wir waren Freunde, die für- und miteinander spielten. Wir waren alle vom selben Ziel besessen: Diese Plastikpokale mit dem Sockel aus Marmorimitat. In den entscheidenden Spielen hatten wir das Momentum schlichtweg auf unserer Seite, wie man so schön sagt. Sei es im Pokalfinale, als unser eigentlicher Stürmer als Torwart (!) die Partie entschied oder im Meisterschaftsendspiel, als wir einen fast aussichtslosen Zweitorerückstand innerhalb von 13 Minuten drehten.

Deshalb ist es weitaus mehr als nur ein Stück Plastik, welches wir in die Höhe stemmten. Es ist eine Bestätigung unserer gemeinsamen Leistung. Eine Erinnerung an die grandiose Zeit, die wir miteinander erlebten. Sie wird uns fehlen. Man kam in die Kabine, und wusste nicht, ob irgendwo in der Ecke ein totes Tier lag oder einer vergessen hatte, seine Klamotten zu lüften. Mitunter kam man sich vor wie bei einem Treffen der geistig Zurückgebliebenen mit einem Hang zu Alkoholproblemen, wenn man sich zu Beginn der Woche die Storys des Wochenendes angehört hat. Es wird uns irgendwie fehlen. Nach der Saison ging ein Großteil in den Männerbereich, ein Teil im Jugendbereich. Das Team, wie es 2014/2015 bestand, wird in dieser Konstellation nie wieder zusammenspielen. An die womöglich beste Saison unseres Lebens wird uns nur noch die Erinnerung bleiben.

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