Am Freitag startet die 53. Bundesliga-Saison. Höchste Zeit, die Tops und Flops des Sommers zu beleuchten.

 

FC Bayern München – Der ewige Verlierer 

Zugänge: 8 (79 Mio. €)

Abgänge: 5 (36 Mio. €)

Der Kader? Zu spanisch. Die Führungsspieler? Zu alt. Der Trainer? Ist unentschlossen. Und dann ist auch noch der Fußballgott, Bastian Schweinsteiger, Richtung Manchester abgereist. Die Apokalypse naht, wenn sie nicht schon längst da ist.

Wie in jeder bundesligafreien Spielzeit wird beim Rekordmeister alles infrage gestellt. Sei es der auslaufende Vertrag Guardiolas, der Verkauf Schweinsteigers oder Aussagen von Mario Götze. Auf den Abgang Schweinsteigers reagierte der Verein unlängst mit der Verpflichtung Arturo Vidals. Vidal wechselte für 37 Millionen Euro von Juventus zu den Münchenern. Der Chilene ist einer der komplettesten Spieler im Weltfußball. Es gibt kaum etwas, das Vidal nicht kann, und trotzdem wird er wegen seiner einzigen Schwäche, seinem Temperament, überschwänglich gelobt. Kurios. Mit der Verpflichtung Vidals ergeben sich für den FC Bayern und Pep Guardiola taktisch wie formativ enorm viele Möglichkeiten.

Nicht wenige runzelten die Stirn, als die Bayern Douglas Costa als ihren Neuzugang für die Flügel vorstellte. Schließlich waren Namen wie Griezmann, di Maria oder Felipe Anderson im Gespräch. Seinen Kritikern strafte Costa jedoch sofort Lügen. Im Supercup gegen den VfL Wolfsburg und dem Audi-Cup stellte er seine Antrittsstärke eindrucksvoll unter Beweis. Neben seiner Explosivität im Eins-gegen-Eins verfügt Costa über eine sehr gute Technik. Mit diesen Fähigkeiten ist er definitiv ein erstklassiger Backup für eine Außenstürmerposition, wenn nicht sogar die erste Wahl. Gerade in der letzten Saison ging den Münchenern auf den Flügeln ein dribbelstarker Ersatz ab, der mehrere Gegenspieler auf sich ziehen kann und über Durchschlagskraft verfügt.

Für Rückkehrer Pierre-Emile Höjbjerg und Neuzugang Joshua Kimmich bieten sich ebenfalls gute bis sehr gute Möglichkeiten, eine wichtige Rolle im Kader des Rekordmeisters spielen. Kimmich könnte mit seiner Spielintelligenz und seinem sauberen Passspiel eine Überlegung für die Position des Rechtsverteidigers werden. Unter Guardiola bewegen sich die Außenverteidiger teilweise sehr eingerückt und agieren fast als zusätzlicher Mittelfeldspieler. Grundsätzlich würde diese Rolle zu Kimmichs Fähigkeiten passen. Zusammen mit Höjbjerg könnte er, sofern beide die Geduld mitbringen, auf Alonso bzw. Lahm folgen.

Ein großes Fragezeichen ist derweil Mario Götze. Trotz seiner sehr guten letzten Hinrunde läuft Götze seiner Form hinterher. Genauer darauf einzugehen, würde zu weit führen, da es schlichtweg eine aufgebauschte Diskussion ist. Für den Ex-Borussen wird nun entscheidend sein, dass er auf dem Platz Leistung bringt und zu alter Stärke zurückfindet.

Dass die Bayern auch in diesem Jahr um die Meisterschaft mitspielen werden, ist so sicher wie im Freudenhaus flachgelegt zu werden. Entscheidend wird jedoch sein, ob sie ihre Form kontinuierlich halten können und auch im Endspurt noch über die nötige Frische verfügen. Dafür taten sie mit den Transfers von Vidal, Costa und Kimmich einiges. Besitzen sie diese Frische allerdings nicht, werden die Kritiken auf Guardiola und dessen Spieler fast schon traditionell wieder lauter.

Bayer 04 Leverkusen – Aus „Vizekusen“ wird „Pressingkusen“

18 Zugänge (22 Mio. €)

12 Abgänge (29 Mio. €)

Die Werkself aus Leverkusen gehört seit Jahren zur Upperclass der Bundesliga. Roger Schmidt verpasste ihnen in der letzten Saison eine spielerische Identität. Das Markenzeichen der Leverkusener wird auch in diesem Jahr wieder ihr aggressives Gegenpressing sein. In der letzten Saison wirkte es teils noch etwas chaotisch und nicht wenige befürchteten einen Zusammenbruch der Spieler aufgrund des durchgängig hohen Tempos. Obwohl Bayer mit Drmic (Borussia Mönchengladbach) und Castro (Borussia Dortmund) zwei enorm wichtige Spieler abgeben musste, haben sie ihren Kader in der Spitze und Breite zum Vorjahr verstärkt.

Für den Angriff verpflichtete man Admir Mehmedi für 8 Millionen Euro von Absteiger Freiburg. Der Schweizer ist nur ein indirekter Ersatz für seinen Landsmann Drmic: Mehmedi agiert eher als hängende Spitze, er ist weniger Strafraumstürmer als Drmic. Er ist überaus dribbelstark, behält unter Druck meist die Ruhe und ist in seinen Aktionen sehr dynamisch. Da er aufgrund von Freiburgs Spielweise mit aggressivem Pressing vertraut ist, sollte er sich relativ gut an den Stil von Roger Schmidt gewöhnen.

Künftig werden im Mittelfeld André Ramalho (Red Bull Salzburg) und Christoph Kramer (Leih-Ende Gladbach) für Stabilität sorgen. Roger Schmidt und Ramalho kennen sich bereits aus Salzburger Zeiten. Der 23-Jährige kam zum Nulltarif zur Werkself und verfügt über eine ordentliche Antizipation und Zweikampfführung. Er könnte künftig die Bewegungen seiner Vorderleute absichern und eher als Balancespieler brillieren. Anders Christoph Kramer: Der Weltmeister wird von vielen „Experten“ als zuverlässiger Arbeiter mit wenig Torgefahr abgetan. Kramer ist jedoch mehr als das. Er ist trotz seines schlaksigen Auftretens ein hervorragender Techniker, besitzt sehr gute Fähigkeiten im Spiel gegen den Ball und ist überall auf dem Platz zu finden. Er wird der Schlüsselakteur bei den Leverkusenern sein.

Ein weiterer Hochkaräter für das Mittelfeld ist Charles Aránguiz. Der 26-Jährige Chilene machte während der Copa America auf sich aufmerksam. Bayer sichert sich somit einen dribbel- und pressingstarken Akteur, der ebenfalls hervorragend zu den Leverkusenern passt.

Mit Jonathan Tah sicherte sich Bayer eines der vielversprechendsten Abwehrtalente Deutschlands. Damit behob man zumindest die Baustelle neben Ömer Toprak. Da dieser sich jedoch kürzlich verletzte, müssen sich die Leverkusener wohl doch nochmals auf die Suche begeben. Ebenfalls unklar ist, ob man sich nochmals nach einem Stürmer umsieht. Ajax Amsterdam zog vor geraumer Zeit die Kaufoption bei Arkadiusz Milik, der sich dort bestens präsentiert. Marc Brasnic gilt als großes Talent, wurde jedoch an Paderborn verliehen. Prinzipiell verfügen die Leverkusener über einen sehr guten Kader, der im Vergleich zum Vorjahr nochmals verbessert wurde. Halten sich die Verletzungen in Grenzen und finden sich die Neuzugänge sofort zurecht, ist die Werkself definitiv ein Kandidat für die Champions League.

Hamburger SV – Keine Pointe

15 Zugänge (17,25 Mio. €)

13 Abgänge (11,20 Mio. €)

Es ist jedes Jahr dieselbe Leier: Hamburg rettet sich mit Ach und Krach zum Klassenerhalt, gewinnt ein, zwei Testspiele und schon wird von Europa und der Meisterschaft geträumt. Die Realität ist jedoch eine andere. Im DFB-Pokal schied man unrühmlich gegen einen Regionalligisten aus, anschließend fand man den mittlerweile berühmten Knäbel-Rucksack. Von diesem Fan-Kurven-Shirt ganz zu schweigen. Das Schlimme daran: Man kann sich kaum noch darüber lustig machen, weil es so traurig ist. Der Manager(!) geht mit einem Rucksack(!!) zu Vertragsgesprächen(!!!) und verliert diesen auch noch?! Ach komm…

Nun aber zum Sportlichen. So manch einer schaute nicht schlecht als die Hanseaten mit ihrer Transferoffensive den Sommer einläuteten. Albin Ekdal wurde von Cagliari verpflichtet, Sven Schipplock kam aus Hoffenheim, ja sogar Wunschspieler Michael Gregoritsch eiste man aus Bochum los. Weiterhin kam mit Gotoku Sakai ein oft unterschätzter Rechtsverteidiger zum Schnäppchenpreis. Emir Spahic komplettierte diese schlagfertige Truppe. Der HSV hat jedoch die einzigartige Gabe, so ziemlich jeden Fußballer schlecht aussehen zu lassen, sei er noch so gut.

Sven Schipplock ist bestenfalls ein solider Bundesliga-Stürmer. Er verfügt über eine mäßige Technik und findet sich einigermaßen gut im Raum zurecht. Auch wenn er darin weitaus besser ist als sein Kollege Pierre-Michel, so ähneln sich beide in ihrer Spielanlage zu sehr, als das Schipplock eine taktisch neue Alternative darstellt. Ähnlich verhält es sich mit Albin Ekdal. Der Mittelfeldspieler ist technisch recht sauber, ihm mangelt es jedoch an der nötigen Präsenz im eigenen Ballbesitz. Will heißen: Er hat die Anlagen zum Spielmacher, er kann diese aber nicht adäquat einbinden.

Michael Gregoritsch ist unterdessen eine Wundertüte. Nach einer sehr ordentlichen Saison in Bochum (11 Torbeteiligungen) könnte der Linksaußen mit seiner Durchschlagskraft zu einem echten Leistungsträger beim HSV werden. Entscheidend wird sein, ob er passend von den Hamburgern eingebunden wird. Bekommt er nur lange Bälle auf den Kopf geschmettert, wird er es schwer haben seine guten Dribblings anzusetzen und Chancen zu kreieren.

Die Transfers der Hanseaten sind durchaus kritisch zu betrachten. Zwar konnte man den Etat durch die Verkäufe von Valon Behrami, Rafael van der Vaart und Heiko „Internazionale“ Westermann senken, doch die Probleme aus den Vorjahren bleiben bestehen. Der HSV besitzt einen so ungleichmäßigen Kader, wie ihn kaum eine andere Mannschaft hat. Neben kreativen Spielern, denen eigentlich eine ballbesitzorientierte Spielweise entsprechen würde (Djourou, Díaz, Holtby) reihen sich konterstarke Akteure (Stieber, Gregoritsch, Ostrolek) und so entsteht auf dem Platz ein undefinierbares Wirrwarr. Mit einem einzigen Transfer wird sich die Situation beim HSV wohl nicht bessern. Die Spielweise an sich ist das Problem. Findet sich ein Trainer, dem man Zeit gibt und der am eigenen Ballbesitzspiel arbeitet, dann besteht tatsächlich Hoffnung beim HSV. Peter Knäbel sollte mal in den Rucksack schauen, ober er die ein oder andere Telefonnummer findet…

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