Am Freitag startet die 53. Bundesliga-Saison. Höchste Zeit, die Tops und Flops des Sommers zu beleuchten.

Schalke 04 – Glück auf auf’s Neue

Ausgaben: 32 Mio €

Einnahmen: 13,7 Mio €

Wieder einmal ein Umbruch beim FC Schalke 04. Mit Andre Breitenreiter verpflichtete man aus Paderborn einen neuen Trainer, der vermeintlich nur eine B-Lösung von Horst Heldt war. Doch die anfängliche Skepsis verflog schnell – eine Aufbruchstimmung wie seit Jahren nicht mehr entwickelte sich, auch dank starker Transfers. Zunächst einmal zu nennen wäre die feste Verpflichtung von Matija Nastasic. Diese war zwar schon weitgehend klar, jedoch trotzdem eine kluge Investition, wurde so die Innenverteidigung mindestens mittelfristig stark besetzt. Die 9,5 Millionen Euro sind angesichts des Alters und der Erfahrung eine marktgerechte Summe. Etwas mehr kostete Königstransfer Johannes Geis. Der 21-jährige Shootingstar der vergangenen Saison aus Mainz soll in den kommenden Jahren das Zepter im defensiven Mittelfeld schwingen. Die 12 Millionen Euro schwere Investition kann für die Schalker (normalerweise) nur einen Mehrwert haben, ob durch einen späteren Wechsel oder sportliche Erfolge. Besonderes Augenmerk erhielt auch die rechte Verteidigerposition, die in den letzen Jahren recht dünn besetzt war. Zum einen kam dafür Junior Caicara für 6 Mio von Ludogorez Rasgrad, zum anderen Sascha Riether als Backup aus Freiburg. Caicara kann sich durch seinen Offensivdrang und seine Giftigkeit als echter Glücksgriff erweisen und erinnert in seiner Spielweise schon an den jungen Rafinha, wenn auch etwas weniger heißblütig. Riether bringt viel Erfahrung und Breite in den jungen Schalker Kader, kann die jungen Spieler und Neuzugänge unterstützen. Der letzte Coup von „Hotte“ heißt Di Santo und kam für schmale 6 Mio aus Bremen. Er besetzt die vakante Position als Pendant zu Huntelaar, ist noch jung, dynamisch, bundesligaerfahren und verdammt torgefährlich – was will man da noch zu sagen?!

Auf der abgebenden Seite stehen bislang die Abschiede von Barnetta, Fuchs, Obasi und Kirchhoff, die Youngsters Schröter und Wellenreuther wurden verliehen, Sobottka und Itter abgegeben. Farfan und Papadopoulos brachten jeweils etwa 7 Mio Euro ein.

Unterm Strich wurden Kaderleichen entsorgt, Baustellen erkannt und mit durchaus vielversprechenden Neuzugängen zu angemessenen Ablösesummen gefüllt. Geplant sind noch die Abgänge von Santana und Boateng, gelingt dies, kommt womöglich noch ein erfahrener Partner für JG5 im defensiven Mittelfeld (Inler wird gehandelt). Alles in allem hat der FC Schalke schon jetzt einen echt guten Job auf dem Transfermarkt gemacht. Mit einem jungen, entwicklungsfähigen und doch schon erfahrenen Kader kann die Qualifikation zur Champions League in diesem Jahr wieder gelingen. Zumindest werden die Schalker mehr Spaß machen als im Vorjahr. Vorausgesetzt man bringt sich nicht wieder selbst ins Wanken, z.B. durch einen Draxler-Verkauf – würde zumindest zu den vergangenen Jahren passen…

1.FC Köln – ein schlafender Riese?

Ausgaben: 13,5 Mio. €

Einnahmen: 12,75 Mio. €

Fahrstuhlmannschaft, Karnevalsklub – was sorgten die Kölner in den letzten Jahren nicht für Stirnrunzeln und Gelächter. Doch es gelang in den letzten zwei Jahren dieses Zepter an den HSV weiterzureichen und sich selbst zu konsolidieren. Peter Stöger und Jörg Schmadtke, dahinter ein kompetenter und ruhiger Aufsichtsrat um Toni Schumacher, führten den Effzeh nach dem Abstieg zurück ins Oberhaus und in dieser Saison vielleicht sogar in aller Munde. Denn der zusammengestellte Kader zeugt von sehr starker Arbeit.

Mit Kevin Wimmer und Anthony Ujah verließen zunächst die beiden Protagonisten der Kölner in Defensive und Offensive die Domstadt. Dazu gingen Daniel Halfar, Kapitän Miso Brecko, Thomas Bröker, Maxi Thiel und Adam Matuschyk in Liga 2. Deyversons Leihe endete und Patrick Helmes musste seine Karriere beenden.

Auf der Innenverteidigerposition stärkte man sowohl Spitze als auch Breite. Frederik Sörensen und Dominique Heintz verschlungen nur die Hälfte der Wimmer-Ablöse und bringen beide das Potential mit, den Österreicher schon jetzt zu beerben. Das zentrale Mittelfeld ergänzte man sinnvoll mit dem Dortmunder Jojic, der dort trotz großer Anlagen nicht richtig zum Zug kam, aber die optimalen Voraussetzungen für das schnelle und intensive Spiel der Kölner mitbringt. So kann sich Peter Stöger erlauben, auch mal auf dieser Position ohne Qualitätsverlust zu rotieren und erhöht gleichzeitig den Konkurrenzdruck. Am meisten zugelegt hat man in der Offensive. Die letztjährige Schwachstelle erhielt im Sturm mit Top-Zugang Modeste, Phillip Hosiner und dem zurückgekehrten Simon Zoller eine Generalkur, die vieles verspricht. Für die offensiven Mittelfeldpositionen angelte man sich zudem U21-Nationalspieler Leo Bittencourt, für zweieinhalb Millionen Euro zu einem wahren Schnäppchenpreis.

Somit kann man den Kölnern ein überraschend sehr gutes Transferzeugnis bescheinigen. Das Leck an Kreativität und Torgefahr wurde zumindest auf dem Papier behoben, das Potential muss jetzt auf den Platz gebracht werden. Ebenso erhielt die Innenverteidigung ein junges Upgrade, welches der starken Defensive der letzten Saison Paroli bieten kann. Und noch scheint ein Ende der Planungen nicht ausgeschlossen. Gut möglich, dass noch ein Konkurrent für Rechtsverteidiger Olkowski kommt (vllt. Jean Zimmer?) und ein variables Talent für die Offensive. Sollte sich etwas Passendes finden, ist auf jeden Fall noch Raum im Budget vorhanden. Insgesamt ist man in der Domstadt in einer komfortablen Situation wie seit vielen Jahren nicht mehr. Es wird sehr spannend, den Weg des Effzeh zu verfolgen.

Hannover 96 – viele Änderungen, aber auch ein Konzept?

Ausgaben: 13,3 Mio. €

Einnahmen: 13,5 Mio. €

Nicht allzu lang ist es her, seit die Niedersachsen dem Abstieg entrannen und dann die Bundesliga und Europa League rockten. Damit stiegen die Erwartungen und offenbar auch die Ansprüche von Präsident Martin Kind. Mit viel Optimismus agierte man vollmundig in Hannover und fand sich schnell wieder auf dem Boden der Realität. Nach einer schmeichelhaften letzten Saison sicherte man sich erst kurz vor Schluss den Klassenerhalt und erneuerte dann den unrund wirkenden Kader. Doch sieht der jetzt wirklich besser aus?

Für die Defensive sicherte man sich Rechtsverteidiger Oliver Sorg, zudem kehrte Rankovic aus Aue zurück, Innenverteidiger-Talent Waldemar Anton rückte zu den Profis auf. Auf der Gegenseite verließen die Oldies Pander, Stankevicius und Pereira die 96er ablösefrei. Neben einer Verjüngung gelang so auch eine allgemeine Verbesserung. Im zentralen Mittelfeld veränderte sich in Hannover wenig bis gar nichts, dafür umso mehr im offensiven Mittelfeld sowie im Sturm. Als Abgänge zu nennen sind: Kapitän und Lebensversicherung Lars Stindl, Jungstar Leo Bittencourt, Jan Schlaudraff und die Stürmer Jimmy Briand, Didier Ya Konan und der Top-Verkauf Joselu (für 8 Mio zu Stoke City). Dafür geholt wurden die Außenbahnspieler Felix Klaus, Uffe Bech und Youngster Allan Saint-Maximin, dazu die Eigengewächse Sulejmani (zurück von Union) und Bähre. Das Sturmzentrum bestückte man mit dem Türken Erdinc aus St. Etienne sowie mit Benschop aus Düsseldorf. Zahlenmäßig kompensierte man so die Abgänge, jedoch steht qualitativ dahinter ein Fragezeichen. Mit Oliver Sorg erfuhr die Viererkette eine Aufwertung, dazu kommt mit Waldemar Anton eine Versprechung für die Zukunft. Fraglich ist jedoch, was die Veränderungen in der Offensive bringen. Mit Stindl und Bittencourt gingen die zwei besten und einzigen Kreativspieler der Niedersachsen, wurden dafür aber durch mehrere Außenbahnspieler ersetzt. Diese bringen zwar Geschwindigkeit und Technik mit, doch der tödliche Spielmacher, der sie selbst einsetzt, fehlt ihnen möglicherweise. Ebenso besteht die Gefahr, dass die beiden Mittelstürmer Benschop und Erdinc in der Luft hängen.

Insgesamt bleibt der Eindruck, dass die Hannoversche Offensive erneut nach individuellen Fähigkeiten zusammengekauft wurde. Insbesondere der Kreativspieler und der Torjäger könnten in dieser Saison fehlen. Ob eine ordentliche Abstimmung gelingt, bleibt abzuwarten. Der Saisonstart wird jedenfalls skeptisch verfolgt. Selbst wenn noch 10 Mio € Reserven für den „Notfall“ übrig sind. Wirkliches Vertrauen in den Kader schüren diese Rücklagen keinesfalls.

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