Dass die Engländer auf dem Transfermarkt spendabel sind, ist nicht neu. In diesem Jahr trieb man diesen Transferwahnsinn jedoch auf die Spitze.

Beim Anblick so mancher Ablösesummen, die in diesem Sommer gezahlt wurden, kann einem nur schlecht werden. Nicolás Otamendi wechselte vom FC Valencia für etwa 45 Millionen Euro zu Manchester City. Man hat es ja. Nebenbei noch Raheem Sterling für schlappe 60 Milliönchen und höchstwahrscheinlich wird noch der beste Spieler der vergangenen Bundesligasaison bei den „Skyblues“ anheuern – für mindestens 70 Millionen Euro.

So ekelhaft sich das Ganze auch lesen mag, so ist die Summe für Kevin De Bruyne durchaus marktgerecht. Anders als die Personalie Heung-Min Son. Für den Leverkusener ist Tottenham Hotspur angeblich bereit, 30 Millionen auf den Tisch zu blättern. 30 Millionen. Für einen Flügelstürmer von gehobener Mittelklasse. Bayer Leverkusen macht alles richtig: der viertbeste Flügelstürmer wird für viel Geld verkauft, folglich wird Youngstar Julian Brandt künftig mehr Spielzeit bekommen. Die Frage, die sich bei solchen Transfers stellt: Wo soll das noch hinführen? Wenn englische Clubs bereit sind, für Spieler vom Kaliber eines Heung-Min Son solche Summen zu bezahlen, wieviel würde beispielsweise Julian Brandt oder Julian Weigl bei entsprechender Entwicklung kosten? 50 Millionen? 60 Millionen?

In solchen Zeiten realisiert man, wie solide die Bundesligavereine wirtschaften. Ein Beispiel: Arjen Robben, Douglas Costa, Henrikh Mkhitaryan und Kevin De Bruyne kamen einst für jeweils ca. 30 Millionen in die Bundesliga. Astronomische Summen jenseits dieser Grenze sind die Ausnahme. Für die Bundesligavereine wird es künftig immer schwieriger, Spieler wie De Bruyne zu halten. Es hat fast schon den Charakter eines Outlet-Stores. Die Bundesligavereine kaufen talentierte Kicker, diese bekommen den letzten Schliff und werden nach ein bis zwei guten Jahren für viel Geld an einen Premier League Club verkauft. Kaum auszumalen, was ein Club von der Insel für Bas Dost zu Beginn des Jahres zu zahlen bereit gewesen wäre, als er wie am Fließband traf. Die deutschen Clubs müssen sich zukünftig noch stärker dem Scouting widmen, Talente aus den eigenen Reihen heranziehen und sie möglich langfristig an den Verein binden, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Die Inselaffen werden auch in Zukunft mit Geldscheinen um sich schmeißen. Auch in Zukunft werden sie lächerlich hohe Summen für eher durchschnittliche Spieler ausgeben. Auch in Zukunft wird ein Großteil dieser Spieler dem Ruf der Premier League folgen. Und man wird sich weiterhin mit dem Titel „Beste Liga der Welt“ schmücken. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses Konstrukt implodieren wird. Das nächste Transferfenster öffnet sich im Winter und bis dahin wedelt man auf der Insel mit den Scheinen, vernimmt hierzulande Meldungen wie „Laut übereinstimmenden Medienberichten wechselt…“ und lacht sich über die Summen schlapp, für die man Spieler X eben verhökern konnte.

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