Unzählige Live-Ticker von Sport1, Kicker, Bild, Sky und weiteren Nachrichtendiensten. Zahlreiche Transfermeldungen, tausende Gerüchte, WLAN-Auslastung 100%. Nicht nur das Wetter, sondern auch der in Deutschland um 18 Uhr schließende Transfermarkt sorgte für Schweißperlen auf Stirn und diversen Körperengen. Es war ein heißer Tag, liebe Leute!

Dabei hatten manche Vereine noch viel Geld und viel vor, manche Manager haben auch einfach das Handy ausgeschalten und einen Cuba am Pool gezogen. Wer was gemacht hat und wie gut: hier erfahrt ihr es!

DIE GEWINNER

VfB Stuttgart

Klasse vorbereitet, dann schlecht gestartet und dann drohende Verluste der Hoffnungsträger. Filip Kostic nach Schalke, Didavi nach Wolfsburg, Werner nach Leverkusen – was wurde nicht alles geschrieben und gemunkelt, mit Fantasiesummen im deutlich zweistelligen Bereich. Doch am Ende kam alles anders. Die klammen Schwaben haben ihren Sparstrumpf nicht aufgestreckt und jeglichen Verkauf ihres Tafelsilbers abgelehnt. Stattdessen ließ man sogar noch einen schmalen Taler für die Ausleihe von Robbie Kruse (Leverkusen) springen. Eine positive Entwicklung, die nicht unbedingt erwartet werden durfte. Vielleicht war es ja aber auch ein Vorgriff auf den morgigen Schlussverkauf in England. Da könnte Robin den Filip ja nochmal fürs Doppelte verhökern. Bis dahin hat man hier den ersten Saisonsieg gefeiert.

Borussia Dortmund

Man soll sich von einem Triumph nicht blenden lassen. Doch was der „neue“ BVB dieses Jahr macht, finden wir schon ziemlich gut. Tuchel’s Vorgehen erinnert stark daran, was Pep Guardiola in seinem ersten Bayern-Jahr gemacht hat. Jeder Stein wird umgedreht, der (aufgeblähte) Kader so lange wie möglich begutachtet und dann in einer objektiven Prüfung bewertet. Ergebnis: Kirch wechselte nach Paderborn, Großkreutz zu Galatasaray und Kuba für eine Million nach Florenz (Leihe, KO: 6 Mio.). Gerade der Abgang der beiden Identifikationsfiguren wirkt hart, ist jedoch aus sportlichen Gründen nachvollziehbar. Dafür bekam Tuchel seinen Linksfuß für die Offensive. Adnan Januzaj wird für ein Jahr von Manchester United ausgeliehen. Auch dies ist wohl die beste verfügbare Lösung: vom Potential her ein besserer Jonas Hofmann, bei einer guten Saison ist ein dauerhafter Wechsel dennoch verhandelbar (United will ja lieber Geld ausgeben) und parallel kann man sich nach Alternativen umsehen (z.B. der ablösefreie Yarmolenko!). Achja, die Transferbilanz ist auch ausgeglichen… Die Borussia putzt sich raus.

JA, ABER…

Bayer Leverkusen

Hola, que buen jugador! Chicharito es en la casa! Wohl den überraschendsten Transfer vollzog Leverkusen mit dem Mexikaner Javier Hernandez. 12, 5 Mio. Euro investierte man in den lange gesuchten Sturm-Backup, der dann doch etwas mehr wurde. Mit dem Son-Geld war dies absolut möglich und in der Summe auch marktgerecht (Vergleich: Okazaki wechselte für 11…). Jedoch beließ man es auch dabei, und jetzt kommt das ABER, obwohl aufgrund von Verletzungen (Aranguiz, Toprak) noch ein Mittelfeldspieler nicht geschadet hätte. Ein Schachzug, der sich erweisen, aber auch in die Hose gehen kann. Schließlich ist man ja nicht für die schonendste Spielweise bekannt und hat auch nicht unter der Woche genügend Rehabilitationszeit. Daher bleibt am Ende ein Top-Transfer, aber auch ein gewisses Risiko.

VfL Wolfsburg

Klaus Allofs ist Top-Manager, ein gesunder Ex-Fußballer und könnte demnächst ein Buch mit dem Titel „Was ich mit 100 Millionen an einem Tag anstellte“ schreiben. Und die Lücke von De Bruyne und Perisic zu schließen in einem Team, das sehr stark auf diese beiden Individualisten ausgerichtet war, ist kein Allerweltsding. Zunächst einmal kam ein 17-jähriger Belgier aus Tottenham. Perspektivisch vielleicht weltklasse, kurzfristig jedoch ohne Wert. Dann, natürlich, Königstransfer Julian Draxler. Zwischen 35 und 40 Millionen Euro für den talentierten Schalker Weltmeister sind eine immens hohe Summe, jedoch muss Allofs diese nach dem Millionen-Regen auch zahlen. Dann noch Dante als Abwehr-Alternative und sonst…nichts. Man verkaufte sogar noch Aaron Hunt (HSV, s. unten). In der Spitze büßte man so wohl etwas ein, da der noch schwankende Draxler sich eingewöhnen muss. Hoffnung ruht wohl auf Max Kruse und dem ebenso schwankenden Schürrle, der diese mit seinen Nationalelf-Kollegen schleunigst in den Griff bekommen soll. Die Breite wurde dazu auch nicht unbedingt besser. Es ist auf Kante genäht in Wolfsburg. So wird’s schwer mit der Bayernjagd.

VERLIERER

Schalke 04

Fast alle Vorschusslorbeeren sind weg. Die Aufbruchstimmung wurde zunächst einmal sportlich gedämpft. Dann verstand man es, wie sonst auch immer, selbst große Unruhe in den Verein zu bringen. Der Draxler-Verkauf brachte selbstverständlich viel Geld, jedoch hätte man bei dem drohenden Verlust DER Identifikationsfigur und DER Speerspitze der Vereinszukunft etwas mehr erwartet als nur das Feilschen um die Ablösesumme. So wirklich königsblau war die Beziehung zwischen Draxler und seinem Jugendverein dann wohl doch nicht. Und dann winkte man den Verkauf so spät noch durch, dass man nicht mal für Ersatz sorgen konnte. Dabei kann man ja auch „Nein“ sagen, siehe Stuttgart. Zuvor bestätigte man lediglich die Ausleihe von Höjbjerg. Eine Steigerung ist das nicht. In die Bresche springen darf dafür wohl Leroy Sane, ansonsten verbleibt nur Chuopo-Moting als potenzieller Leistungsträger auf dem Flügel. Schon irgendwie doof, wenn sich Andre Breitenreiter eigentlich extra ein flügellastiges 4-4-2-System für seine Mannen ausgedacht hat. Boateng ist übrigens auch noch da. Vielleicht wird der ja reaktiviert.

Hamburger SV

Nur der Vollständigkeit halber:

Der HSV holt Aaron Hunt.

Für etwa 3 Mio Euro.

Klaus Allofs: Visionär, Genie, geile Sau.

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