Spielkontrolle und Eleganz. Das sind die Faktoren, die Strategen im Fußball ausmachen. Nicht etwa Siegeswille und Physis. Kontrolle und Eleganz, das ist es, was es braucht. Spieler mit solchen Anlagen findet man nicht nur auf der großen Bühne des Weltfußballs. In den Niederungen des Deutschen Amateurfußballs findet man durchaus Spieler mit solchen Anlagen. Es gibt nur einen Felix Müller.

Der mittelmäßige Angreifer

Der schlaksige Blondschopf wurde zu Beginn seiner Laufbahn fast durchgängig in der Offensive eingesetzt. Dort mangelte es ihm jedoch an der nötigen Spritzigkeit. Sprints in die Tiefe oder wuchtige Ballbehauptungen waren eine Seltenheit. Sein Gespür für Strukturen auf den Platz konnte er damals nur spärlich einbringen. Seine Technik war sauber, in Drucksituationen wusste er sich gegen physisch überlegene Spieler nicht zu behaupten. Kurzum: Der Typ wirkte im Angriff etwas gehemmt. In seinem zweiten Jahr auf Großfeld sah er sich vermehrt physisch unterlegenen Spielern gegenüber. Mit weit über 30 erzielten Toren ging es für ein Jahr in die Jugend-Regionalliga nach Leipzig, ehe 2013 die Rückkehr folgte.

Der Landesliga-Busquets

Zurück beim ZFC Meuselwitz wurde er fortan in der Innenverteidigung eingesetzt. Dort kamen seine eigentlichen Stärken zum Vorschein: Spielkontrolle und Eleganz. Sein sauberes und gleichzeitig kreatives Passspiel waren für sein Team von eminenter Wichtigkeit. Seine Passmuster sind vielfältig. Den flachen, scharfen Vertikalpass beherrscht er ebenso, wie den öffnenden Diagonalball. Aus diesem Repertoire wählt er in 95% der Fälle den passenden aus. Im Spiel gegen den Ball brachte er seine für dieses Niveau fast schon beängstigende Antizipation und Abgeklärtheit ein. Passwege erkennt er frühzeitig, wodurch er kaum Zweikämpfe führt. Sein Spiel ist körperlos. Für Grätschen ist Müller zu schlaksig, für robuste Zweikämpfe zu behäbig.

Ähnlich wie der Mittelfeldstar vom FC Barcelona versteht es Felix Müller, die Räume zu kontrollieren, sowohl mit, als auch ohne Ball. Dabei hat er stets den Blick für die Mitspieler. Dribblings und Pässe geschehen immer im Kontext. Kopflose, isolierte Versuche, den Ball zu erobern sieht man selten. In den letzten drei Spielzeiten habe ich ihn noch kein einziges Mal grätschen sehen. Oder zumindest kann ich mich an keine Szene erinnern, in der er über die Grasnarbe rutschte. Wozu auch? Wenn du Herrscher über Raum und Zeit bist, musst du dich nicht schmutzig machen.

 Die Kunst des schönen Spiels

In der letzten Saison folgte der nächste logische Schritt in seiner Entwicklung: Von der Innenverteidigung rückte er in das Mittelfeldzentrum, der Schaltzentrale des modernen Fußballs. Dort konnte Müller seine strategischen Fähigkeiten noch besser einbringen. Sein Gespür, eigene Angriffe zu initiieren und das Spiel zu lenken, kam noch mehr zum Vorschein. Seine Dribblings brachte er nun verstärkter ein. Bei seinen Dribblings gibt es zwei überaus interessante Aspekte. Wie beim sogenannten „Gambetta“ wird versucht, nicht etwa wie beim brasilianischen Dribbelstil den Gegner mit ansehnlichen Tricks zu schlagen, sondern den offenen Raum um den Gegner herum zu attackieren. Er dribbelt quasi auf den Gegner zu, wartet ab, bis der Gegenspieler Räume öffnet und dringt anschließend in einen freigewordenen Raum ein. In anderen Situationen lupft er den Ball über des Gegners Bein und verschafft sich somit Raum. Wirkt einfach, ist es aber nicht.

Man braucht Ruhe in den Aktionen und muss unter Druck rational handeln können. Das ist es, was die eigentlichen Führungsspieler auszeichnet. Nicht über den Platz grätschen, herumbrüllen und die Bälle unter (Pseudo-)Druck herausdreschen. („Der spielt wenigstens mal klare Bälle!“) Die Führungsspieler des modernen Fußballs sind keine Kanten mit Oberschenkeln, die einen Durchmesser von Autoreifen besitzen. Die modernen Führungsspieler haben Ruhe am Ball, ein gutes Gespür für mannschaftliche Abläufe und denken immer konstruktiv. Laufen, spielen und die passende Aktion abwarten. Spielkontrolle und Eleganz, mehr braucht es nicht. Diese Eigenschaften verkörpert Felix Müller auf diesem Niveau wie kaum ein anderer.

Es sei angemerkt, dass man dieses Portrait nicht allzu Ernst nehmen sollte. Dass der Text stilistisch eine Katastrophe ist und überspitzt formuliert wurde, ist mir auch klar. Es handelt sich schlichtweg um den Versuch, einen in seiner Vielfalt und Komplexität auf diesem Niveau einzigartigen Spieler unter die Lupe zu nehmen. 

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