Drei Spieltage absolviert, erste Länderspielpause der noch jungen Saison, erste große Krisen, Deadline-Day, Last-Minute-Transfers. Gründe dafür, den 4. Spieltag der Bundesliga als Neustart in die Spielzeit 2015/16 anzusehen. Wir haben die Krisen-Teams rangenommen, aktualisierte Saisonziele analysiert (hihi) und werfen wissensgeschwängert unseren gewohnt kritischen Blick auf die Partien.

Den Spieltag eröffnen werden die bisherigen Sorgenkinder der Liga. Während die Borussia nach drei Niederlagen noch auf ihren ersten Sieg der Saison wartet, hat man beim HSV diesen bereits am zweiten Spieltag eingefahren. Für die Gladbacher ist die Partie womöglich richtungsweisend. Mit einem Sieg kann man den verkorksten Saisonstart abwenden und mit Optimismus in die zweite Saisonphase gehen. Bei einer Niederlage wird es für die Fohlen in den kommenden Wochen ungemütlich. Der HSV wird im Borussia-Park versuchen, wie sollte es anders sein, aus einer geschlossenen Defensive heraus Konter zu fahren. Inwieweit das gelingen wird, ist abzuwarten.

Pressingfieber-Tipp: Gladbach wird den ersten Sieg der Saison gegen ideenlose Hamburger einfahren. 3:1 für die Borussia.

 

Das erste Spiel der Samstags-Konferenz führt uns nach München: FC Bayern gegen den FC Augsburg. Die Augsburger traditionell mit Niederlagen in die Saison gestartet, sind eine Art Angstgegner für den Rekordmeister. Trainer Markus Weinzierl bewies in der Vergangenheit immer wieder sein taktisches Geschick, indem er durch kluge Anpassungen das Ballbesitzspiel der Münchener vor Probleme stellte. Merkwürdigerweise kamen bisher im sonst so entspannten Umfeld der Fuggerstädter Unruhen auf. Mit einem positiven Auftritt in der Allianz-Arena könnten die jedoch so schnell wieder verschwinden, wie sie aufkamen. Die Münchener peilen den nächsten Saisonsieg an. Spannend wird sein, wie man auf die neuerliche Verletzung Arjen Robbens reagieren wird. Flügeldribbler Douglas Costa wird in den kommenden Spielen  noch mehr Verantwortung übernehmen müssen. Wenn Mario Götze und Thomas Müller den Schwung aus der Nationalmannschaft mitnehmen können, hat man aus bayrischer Sicht nichts zu befürchten.

Pressingfieber-Tipp: Für die sympathischen Augsburger wird es bei den Bayern nichts zu holen sein. Der FCA wird lange gut mithalten können, muss sich letztlich aber mit 3:0 geschlagen geben. 

 

In der zweiten Samstags-Partie empfängt Bayer Leverkusen den SV Darmstadt. Die Hausherren sorgten mit der Verpflichtung von Javier „Chicharito“ Hernandez für Aufsehen. Der Mexikaner könnte bei der Werkself eine Schlüsselrolle im Sturm einnehmen. Ob er gegen den Aufsteiger bereits in der Startelf stehen wird, bleibt abzuwarten. Die noch ungeschlagenen Gäste interpretieren ihre Rolle als Außenseiter dermaßen klischeehaft, dass es fast beängstigend ist. Im Schnitt haben die Darmstädter ca. 40% Ballbesitz und jeden dritten Pass spielen sie lang. Dabei sind sie jedoch nicht wie die anderen Außenseiter. Die Pässe spielen sie zumeist in die offenen Räume und rücken im Mannschaftsverbund aggressiv nach. Diese Strategie mag gegen unorganisierte Teams wie Schalke oder Hannover gut gehen, gegen die Pressingmaschine aus Leverkusen könnte es jedoch zum Problem werden. (P.S.: jedes Mal, wenn der Satz „Chicharito, das heißt ‚kleine Erbse‘“, fällt muss man eine Packung Tiefkühl-Erbsen innerhalb von 2 Minuten essen. Mahlzeit!)

Pressingfieber-Tipp: In einem hektischen Spiel mit vielen Zweikämpfen und Toraktionen setzen sich die Leverkusener knapp mit 2:0 durch.

 

Tatort Hannover: #H96 gegen #BVB. Die Niedersachsen gelten für viele als potentieller Absteiger. Nach einem eher glücklichen Punktgewinn am ersten Spieltag warten die Hannoveraner auf ihre nächsten Zähler. Viel Hoffnung dürfen sie sich jedoch nicht machen. Der BVB ist derzeit eine der, wenn nicht sogar die beste Mannschaft Europas. Thomas Tuchel brachte Struktur in das Ballbesitzspiel der Borussia und hob das Spiel des BVB auf ein neues Level. Mit einem Sieg baut er seine Serie auf 9 Erfolge aus – was ihm den besten Start eines neuen Dortmunder Trainers überhaupt bescheren würde. Gegen die Hannoveraner dürfte es ähnlich laufen, wie in den letzten Spielen: der Gegner steht tief am eigenen Sechzehner, die Dortmunder spielen geduldig und so ist es nur eine Frage der Zeit, ehe sie in Führung gehen. Verzichten muss man dabei auf Marco Reus, dafür könnte ManUtd-Leihgabe Adnan Januzaj gleich mal sein Startelf-Debüt feiern.
Pressingfieber-Tipp: Für Hannover geht der Negativtrend der letzten Wochen weiter, gegen starke Dortmunder wird man wohl kaum Chancen haben – 0:3.

 

Weiter geht’s in der Hauptstadt. Dort empfängt die Hertha den VfB Stuttgart. Pal Dardais Mannen starteten mit einer soliden Punkteausbeute in die neue Saison. Wie sie allerdings zu diesen 4 Punkten aus drei Spielen kamen, ist bedenklich. Hinten hatte man Glück in der Torverhinderung, nicht umsonst galt der Pfosten als der beste Berliner im Spiel gegen Bremen. Im Angriff beschränkt man sich wie die meisten Bundesligisten auf schnelle Konter über die Flügel. Ist nicht sonderlich innovativ das Ganze, brachte bisher jedoch 4 Zähler ein. Das genaue Gegenteil findet man in Stuttgart vor: Das aggressive Pressing der Zorniger-Elf weist noch einige Schwächen auf, weshalb man derzeit mit leeren Händen auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Ein Problem des VfB ist nicht die aggressive Spielweise per se. Vielmehr liegt es an den Balanceproblemen, die durch das zu frühe Herausrücken der Sechser entstehen. Da sich auch die Innenverteidiger zu früh zurückziehen, kann der Gegner in diesen Räumen Angriffe initiieren.

Pressingfieber-Tipp: Irgendwann muss der Knoten für den VfB Stuttgart platzen. Gegen die bisher glücklichen Herthaner ist es soweit: 1:2 für die Schwaben!

 

Das letzte Spiel der Samstags-Konferenz bestreiten Ingolstadt und Wolfsburg. Könnte auch ein Duell aus dem Motorsport sein. Die Hausherren sind sensationell mit 6 Punkten in ihre erste Saison im Oberhaus gestartet und wollen diesen Trend fortsetzen. Gegen die schwächelnden Wolfsburger nicht ganz abwegig. Der VfL kompensierte die Abgänge von Kevin De Bruyne und Ivan Perisic in Persona Julian Draxler. Da das bisherige Offensivspiel der Wölfe jedoch auf die Individualisten zugeschnitten war, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es eine Art Dominoeffekt gibt und das gesamte Wolfsburger Spiel nach und nach zusammenfällt. Dass Draxler, Schürrle & Co. den Qualitäts- und Substanzverlust in der Offensive sofort wettmachen, erscheint jedenfalls fragwürdiger.

Pressingfieber-Tipp: Die Wolfsburger sind derzeit in einer Findungsphase. Das ist die Chance für die Ingolstädter, etwas Zählbares vor heimischer Kulisse zu holen – 1:1 Punkteteilung.

 

Im Topspiel der Woche treffen Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln aufeinander. Hm. Erinnert an den enttäuschenden Moment, als man die auf Bildern scharfe Internet-Bekanntschaft hoffnungsvoll auf ein Date einlädt und diese dann in echt aussieht wie ein Sack Rindenmulch. In beiden Fällen gilt jedenfalls: Ich habe dafür bezahlt, also beiß‘ ich mich da irgendwie durch. Die Kölner wurden von uns bereits vor der Saison aufgrund ihrer Transfers als potentielles Überraschungsteam tituliert. Dass sie bisher mit 7 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz stehen, ist durchaus verdient. Sie haben im Vergleich zur letzten Saison im Angriff mehr Durchschlagskraft, wodurch sie ihre Konter zielstrebiger ausspielen. Gegen die Eintracht könnte dies zu einem entscheidenden Vorteil werden. Die Frankfurter hatten in der bisherigen Saison immer wieder Probleme mit der Konterverhinderung. Eine Chance für die Kölner, ihren Höhenflug weiter fortzusetzen.

Pressingfieber-Tipp: Die Kölner bleiben auch im vierten Spiel ungeschlagen, Frankfurt tritt derweil auf der Stelle – 2:2.

 

Ernüchterung hallo, es ist schon wieder Sonntag. Daher ist bei den beiden verbliebenen Partien immer etwas Wehmut dabei. Den Auftakt machen dieses Mal Hoffenheim und Bremen. Werder trat zu Beginn nach dem Di Santo-Verlust auf der Stelle, befindet sich aber im Aufwärtstrend nach dem Sieg über Gladbach. Hoffenheim sucht nach großem Personalwechsel noch nach Struktur, ist mit nur einem Punkt sehr dürftig gestartet. Das wahre Duell heißt jedoch Vargas vs. Pizarro. Während Claudio zum dritten Mal mit der Ex anbandelt und dafür von ganz Bremen gefeiert wird wie Ailton anno 2004, ist der Hype um Vargas bei 1899 wesentlich geringer. Sein Transfer in die Bundesliga ist unserer Meinung nach jedoch einer der drei Besten des Sommers gewesen. Gelingt es Gisdol dem Chilenen seine Nationalmannschaftsform einzuimpfen, trinkt man in Sinsheim bald nur noch chilenischen Rotwein.

Pressingfieber-Tipp: Innovator Gisdol trifft Innovator Skripnik, ein intensives Spiel, ein Tipp ins Blaue. 3:2 Werder. Alle Angaben ohne Gewähr.

 

Jetzt ist es endgültig gewiss, mit dem letzten Match des 4. Spieltags brechen auch die letzten Stunden des Wochenendes an (schnief). Schalke und Mainz dürfen diese unfrohe Botschaft verkünden und dürften dabei wohl kein wirkliches Spektakel veranstalten. Während Schalke einfach Schalke ist, selber Unruhe in den Verein bringt und eine positive Stimmung sowohl auf sportlicher, als auch auf vereinspolitischer Ebene zunichte macht, bleibt Mainz einfach Mainz, wie es singt und lacht. Ein Durchschnittsverein, der aus diesem verdammt viel rausholt. Dieser „Durchschnitt“ ist in diesem Fall keinesfalls negativ gemeint, man weiß und akzeptiert lediglich, dass man keine verrückten Sachen machen kann und fokussiert sich dafür voller Leidenschaft auf die einfachen Dinge – im Fachchinesisch: organisiertes Mittelfeldpressing und schnelles Umschaltspiel. S04 hingegen ist noch immer auf der Suche danach, wofür sie eigentlich stehen sollen und wollen. Wenigstens kann man ihnen eine überragende Jugendarbeit bescheinigen: auf Sane, Meyer & Co. lasten nach dem nicht kompensierten Draxler-Verkauf nun auch die Erwartungen.

Pressingfieber-Tipp: Mainz ist auswärts sehr unangenehm, kann auf Schalke nur gewinnen. Ein Schalker Sieg wäre also schon eine kleine Überraschung, auf die wir uns aber freuen! 2:1 für Herne-West.

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