Wie bereits vor wenigen Wochen getan, wollen wir auch heute einen Spieler aus Thüringens zweithöchster Spielklasse porträtieren.
Athletik über alles

In den frühen Jahren einer jeden Fußballerkarriere geht es größtenteils nur um eines: das Toreschießen. Auf welcher Position du genau spielst, ist erst einmal zweitrangig, Hauptsache, du hast Spaß dabei. Erst beim Übergang zum Großfeld, ab der U15, werden den Spielern so langsam Positionen zugewiesen. In dieser Phase entwickeln sich die Nachwuchskicker nicht nur taktisch, sondern auch physisch unterschiedlich schnell weiter. So kann es vorkommen, dass manche Spieler ihren Gegnern aufgrund ihrer physischen Voraussetzungen um Längen voraus sind.

So auch bei Marcel Zobelt. Bereits im frühen Teenager-Alter besaß er eine sehr gute Athletik. Aufgrund seiner Schnelligkeit verbunden mit seinem stämmigen Körperbau, war er in der Lage, körperlich unterlegenen Gegenspielern relativ leicht den Schneid abzukaufen. Folglich wurde er im Juniorenbereich fast durchgängig in der Offensive eingesetzt. In seinem letzten Jahr in der C-Jugend brachte er es trotz einer längeren Verletzungspause auf 26 Tore in 15 Spielen.

Als Rechtsaußen war er häufig der Zielspieler für lange Bälle hinter die Abwehrkette des Gegners. Dabei startete er zumeist aus einer breiten Grundposition diagonal in die Spitze, oder er durchbrach die Abwehrkette mittels eines Dribblings. Diese waren so simpel, wie konsequent: Der Ball wurde häufig einfach nur am Gegenspieler vorbei gelegt und anschließend wurde nachgegangen. Finten oder Körpertäuschungen gab es nur ganz selten.
Der ideale Support-Stürmer

Ein Jahr später folgte der Übergang in die B-Jugend; die Gegenspieler wurden robuster und auch taktisch etwas stärker. Von nun an füllte Zobelt die Rolle als Mittelstürmer in vorderster Front aus. Mit Friedrich May hatte er zum damaligen Zeitpunkt einen der treffsichersten Stürmer seiner Altersklasse an seiner Seite. Dieser zog zumeist vom linken Flügel nach innen, um mit rechts den Abschluss zu suchen. Seine 38 Treffer in der Spielzeit 2011/12 waren auch der Verdienst Zobelts.

szene stürmer
Das Ausweichen auf den rechten Flügel öffnet Räume im Zentrum und zieht die Gegenspieler mit.

Als Mittelstürmer wich er immer wieder auf den rechten Flügel aus und öffnete somit Räume im Zentrum. Neben diesen ausweichenden Bewegungen zeigte er im eigenen Ballbesitz immer wieder gute Aktionen mit dem Rücken zum Tor: mal ließ er den Ball kurz auf die nachrückenden Mitspieler prallen, mal schleppte er den Ball nach vorn und leitete damit Konter ein. Zielspieler war er nun nicht mehr, für die Vollendung der Angriffe war er nun nur noch teilweise zuständig. Räume für Mitspieler öffnen und die Gegenspieler beschäftigen, darum ging es nun. Im Spiel gegen den Ball fehlte ihm mitunter die Cleverness und Übersicht. Er ist in diesem Bereich zwar sehr arbeitsam und aufopferungsvoll, jedoch ohne das nötige Timing. Das seitliche, bogenartige Anlaufen der Innenverteidiger, was dazu führen soll, den Gegner auf eine Seite zu drängen, brachte er nur bedingt ein, weshalb einige Laufwege ins Leere gingen.
Auf zu neuen Ufern

Verliefen die letzten beiden Jahre im Juniorenbereich aus statistischer Sicht für Zobelt nicht mehr ganz so erfolgreich, wie in den vorherigen Jahren, so war er für sein Team dennoch von hoher Wichtigkeit: Die angesprochenen ausweichenden Läufe auf die Flügel und das damit verbundene Reißen von Lücken war für seine Mitspieler ebenso wichtig, wie seine Einsatzbereitschaft. Unvergessen seine Leistung im Pokalfinale, als er aufgrund einer Gelbsperre als Torhüter einen Elfmeter hielt und damit den Weg zum Sieg ebnete.

Im Seniorenbereich ist es für ihn allerdings zunehmend schwerer geworden, Durchschlagskraft zu erzeugen. Die Gegenspieler mögen vielleicht noch immer etwas langsamer sein, sie sind jedoch robuster, aggressiver und abgeklärter, als noch im Juniorenbereich. Aufgrund dieser Tatsache und der großen Konkurrenz im derzeitigen Team, bestritt er die letzten Partien als Rechtsverteidiger. Prinzipiell passt diese Position zu seinen Fähigkeiten: seine Schnelligkeit kann er wieder verstärkter einbringen, da er offensiv mehr Räume zum Belaufen hat und seine Robustheit hilft ihm im direkten Zweikampf.

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Als Rechtsverteidiger könnte sich Zobelt für Verlagerungen bereithalten, um anschließend den offenen Raum zu anvisieren.

Es muss allerdings darauf geachtet werden, wie man ihn als Mannschaft in das Spiel einbindet. Da er in engen Räumen teilweise zu ungestüm und hektisch agiert, wäre es durchaus ratsam, den Spielaufbau vermehrt über die andere Seite zu eröffnen. Zobelt müsste sich bei eigenem Ballbesitz frühzeitig nach vorn schieben, um so Platz für die eigenen Innenverteidiger zu schaffen und den Gegner nach hinten zu drücken. Er würde somit erst spät in den Angriff involviert werden und könnte damit risikoreicher agieren. Diese Rolle würde an jene erinnern, die derzeit Matthias Ginter bzw. Lukasz Piszczek beim BVB ausfüllen. Die Dortmunder locken den Gegner häufig auf die linke Seite, um anschließend mit einer schnellen Verlagerung den rechten Flügel freizuspielen. Der jeweilige Rechtsverteidiger ist dort meist auf sich allein gestellt und kann in den sich bietenden Raum relativ schnell eindringen und scharfe Hereingaben in den Strafraum bringen.

Inwieweit wir Marcel Zobelt in dieser Rolle sehen werden, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch, dass er nun nicht mehr der simple, athletische Flügelstürmer von einst ist. Taktisch und spielerisch hat er sich in den letzten beiden Jahren enorm weiterentwickelt. Und so ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er diese Rolle in seiner eigenen Art und Weise interpretieren wird.

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