Der FC Bayern ist momentan wohl mit Abstand das beste Team der Welt. In einer Saison, die viele als Umbruchsjahr sahen, wird vor allem das Mittelfeld als Prunkstück gelobt. Dennoch sind wir der Meinung, dass das die größte Baustelle im kommenden Sommer sein wird. Unsere Thesen: Rode geht, Höjbjerg kommt nicht zurück und Alonso steht auf der Kippe. Bleiben mit Thiago und Vidal nur zwei „angestammte“ Top-Leute für die Zentrale. Im Umkehrschluss heißt das, es wird mindestens einen Neuzugang geben, der sich einem hohen Anforderungsprofil stellen muss.

William Carvalho: Der portugiesische Bulle

Ohne Zweifel, für den Portugiesen steht demnächst der Sprung zu einem Topklub an. William ist ein sehr kompletter Spieler: enorme Physis, hohe Spielintelligenz und eine gute Technik. Vor allem wäre er ein Spielertyp, den es bei Bayern so noch nicht gibt. William vereint viele Elemente, die man auch bei einigen Akteuren im aktuellen Bayernkader vorfindet: Im Dribbling ist er ähnlich wuchtig wie Arturo Vidal, seine Physis ist vergleichbar mit der von Javi Martínez. Fraglich ist jedoch, ob er für die Ballzirkulation der Münchener ideal ist, da er das Spiel gerne etwas verschleppt. Er wäre wohl nur eine Lösung, wenn Alonso den Vertrag nicht verlängert und man mit Martínez weiter in der Abwehr plant.

Ilkay Gündogan: Die deutsche Lösung

Schon im Sommer wurde er mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, musste aber erst einmal nachweisen, dass er sein altes Niveau wiederfindet. Unter Thomas Tuchel hat er dies bislang eindrucksvoll geschafft. Er ist ein Pep-Prototyp, kennt die Liga und ist „erschwinglich“. Bleibt nur die Frage, ob die Bayern wieder damit anfangen wollen, den stärksten Konkurrenten elementar zu schwächen, Stichwort: Langeweile. Denn selbst dem FC Bayern liegt was an der Vermarktung, dafür braucht es mehrere Topteams. Gündogan wurde in der Vergangenheit jedoch immer wieder mit dem FC Barcelona oder Manchester United in Verbindung gebracht, weshalb die Münchener den ein oder anderen Mitkonkurrenten in dieser Personalie haben.

Christian Eriksen: Danish Dynamite

Er ist wohl einer der meistunterschätzten Mittelfeldspieler Europas. Durch bockstarke Leistungen bei den „Spurs“ ist er seinem Talent längst gerecht geworden. Als Motor der Mannschaft ermöglichte er letztes Jahr Harry Kane erst dessen Sternstunden und ist jetzt möglicherweise im Alter für den letzten großen Schritt. Zuhause fühlt er sich vor allem als Achter, zudem kommt er bei Tottemham öfters über den linken Flügel, um von dort in die Mitte zu rücken und sich die Bälle abzuholen. Für das bayrische Suchprofil ist Eriksen vielleicht ein kleinen Tick zu offensiv. Könnte aber auch voll einschlagen. Billig dürfte der Däne keineswegs werden. Sein Kontrakt läuft noch bis 2018 bei einem Marktwert von 27 Millionen Euro.

Ruben Neves: Portos Versprechen

18 Jahre, jüngster Kapitän der Champions League-Geschichte, dazu ein Gesicht, mit dem er sogar südeuropäische Madres läufig macht. Die Rede ist natürlich von mi…,äh Ruben Neves. In unseren Augen ist er zudem auf einer Stufe mit Talenten wie Marco Verratti oder Mateo Kovacic einzustufen. Er glänzt durch seine Übersicht und sein Stellungsspiel, kann ähnlich wie der erwähnte Italiener das Spiel lenken und regulieren. Auffällig ist dabei, das das Passspiel des Portugiesen äußerst weiträumig angelegt ist: Pirloeske Seitenverlagerungen sieht man ebenso wie gechippte Pässe über die Abwehr. Neves zeichnet sich ebenfalls durch seine in diesem Alter großartige Voraussicht aus. Noch bevor er den Ball überhaupt erhält, orientiert er sich von Vornherein, ob er Gegnerdruck bekommt. Hat er den Ball einmal am Fuß, brauch er häufig nur zwei Ballkontakte, ehe der Ball beim Mitspieler landet. Auch wenn seine Dribblings nicht ganz so dynamisch und durchschlagskräftig sind, wie die von Kovacic, so zeigt Neves in manchen Situationen seine Wucht, indem er offene Räume frühzeitig erkennt und diese anvisiert. Dazu sehr auffällig seine Führungsqualitäten, die ihm eine gewisse Aura geben. Spielmacherfähigkeiten, Robustheit, Spielintelligenz, Führungsqualitäten und dazu noch technisch sauber? „Mommende mol!“, wird sich der geneigte Bayernfan denken, „So einen hatten wir doch schon mal.“ Tatsächlich erinnert Ruben Neves‘ Spielweise ein wenig an die der Bayern-Ikone Bastian Schweinsteiger. Auch wenn er sicher nicht die strategischen Fähigkeiten des Deutschen hat, so wirkt er in manchen Szenen filigraner und eleganter. Aufgrund seines noch jungen Alters könnte er sich aber noch in vielen Bereichen weiterentwickeln. Er wäre eine mittel- bis langfristige Lösung. Aber eine verdammt geile.

Paul Pogba: Der Weltrekord-Transfer

Zugegeben, das wäre schon eine ziemliche Überraschung. Pogba sei überbewertet, gehypted, das Geld nicht wert, bla bla bla. 1. Seine Klasse ist unbestritten, er würde das Mittelfeld der Bayern definitiv aufwerten. 2. Berater Mino Raiola versäumt derzeit keine Möglichkeit, seinen Klienten ins Gespräch zu bringen. Die einzig genannten Vereine: Barcelona und Bayern. 3. Man könnte ihn sich leisten. Und man könnte der internationalen Konkurrenz ein richtig fettes Statement aufs Auge drücken. Den Bayern ist alles zuzutrauen, jedoch kommt der Transfer wohl nur bei einem Alonso-Abgang in Betracht.

Wird’s ein anderer?

Die Liste an möglichen Kandidaten lässt sich sicherlich noch weiter fortführen. Spieler wie Miralem Pjanic, Marco Verratti oder auch Maximilian Arnold wären ebenfalls eine Überlegung wert. Andererseits hat man mit Kimmich bereits einen hochtalentierten Fußballer in den eigenen Reihen, der in den nächsten Jahren zur zentralen Figur reifen wird. Weiterhin können Lahm und Alaba ebenfalls im Mittelfeld auflaufen, weshalb man hier viele Variationsmöglichkeiten hat. Überlegenswert wäre auch eine Rückholaktion von Emre Can aus Liverpool. Wäre passend, ist aber recht unwahrscheinlich. Aus dem eigenen Nachwuchs scheint sich derzeit keiner wirklich zu empfehlen. Der junge Gianluca Gaudino schien bis vor einem Jahr noch das Versprechen für die Zukunft zu sein, ist derzeit allerdings bestenfalls Ergänzungsspieler. Pierre-Emile Höjbjerg hat auf Schalke derzeit Probleme, sich gegen Geis, Goretzka, Kolasinac und Neustädter durchzusetzen. Fraglich daher, wie er sich nach Leih-Ende bei den Bayern schlägt. Die Bayern werden daher zwangsläufig nach qualitativ hochwertigen Spielern suchen müssen, um auch zukünftig über ein Mittelfeld von internationalem Format zu verfügen.

Advertisements