Wie bereits in den letzten Wochen werfen wir einen Blick auf diverse Teams der kommenden EM 2016. Das DFB-Team, die Belgier und die Franzosen haben wir ebenso durchgenommen (thihi), wie Italien und die Engländer. Heute werfen wir einen Blick nach Südeuropa. 

Portugal – Mehr als nur CR7?

Wieso wir Portugal hier aufführen? Nun ja, sie haben neben Ronaldo, Moutinho und Pepe noch ein paar weitere tolle Spieler mit Erfahrung. Im Mittelfeld läuft unter anderem der oftmals unterschätze Miguel Veloso auf. Der 29-Jährige zeichnet sich vor allem durch ein sehr aggressives, aber keineswegs unfaires Spiel gegen den Ball aus. Oftmals verfolgt er seine Gegner sehr weiträumig bis an den gegnerischen Sechszehner, um einen Ballverlust zu provozieren. Weiterhin hat man mit Raúl Meireles einen recht ordentlichen, athletischen Achter im Mittelfeld zu Verfügung. Über das  ewige Talent Nani muss man wahrscheinlich kein Wort mehr verlieren, dessen Fähigkeiten sind längst bekannt. Torhüter Rui Patricio hat im Linienspiel zwar noch das ein oder andere Problem, seine technischen Fähigkeiten sind jedoch herausragend. Durch seine Sauberkeit mit dem Ball am Fuß ist der Keeper von Sporting Lissabon für seine Vorderleute immer eine sichere Ausweichoption unter Druck.

Diese Abwehrkette ist ebenfalls mit international erfahrenen Akteuren gespickt: Real Madrids Pepe scheint in der Innenverteidigung gesetzt zu sein. José Fonte vom FC Southampton könnte aufgrund seiner Athletik und Spielstärke ein heißer Anwärter auf den Posten neben Pepe sein. Altmeister Ricardo Carvalho steht ebenso parat, wie der seit einiger Zeit groß aufspielende Daniel Carriço vom zweifachen Europa-League-Sieger FC Sevilla. An Optionen mangelt es den Südeuropäern also nicht. Diese Optionen verkörpern allerdings keineswegs internationale Klasse. Die Außenverteidigerpositionen sind eher dünn besetzt. Fábio Coentrão und João Pereira sind auf den Außenpositionen derzeit zu Recht gesetzt, im Vergleich zum DFB-Team oder den Franzosen lässt sich hier allerdings ein großer Qualitätsunterschied feststellen. Auf der linken Seite wusste zuletzt Raphaël Guerreiro auf sich aufmerksam zu machen. Auch er gehörte der glorreichen U21 Mannschaft des letzten Jahres an.

Ein weiterer Grund, weshalb man die Portugiesen auf dem Schirm haben muss: Sie haben die Deutschen im U21-EM-Halbfinale mit 5:0 gedemütigt. Heißt: Da wächst etwas heran. Mit Bernardo Silva, William Carvalho, João Cancelo und Rúben Neves scharen riesige Talente mit den Hufen. Diese gilt es nun in die Mannschaft zu integrieren und ihnen Vertrauen zu schenken. Fluch und Segen zugleich ist bei den Portugiesen seit einigen Jahren Superstar Cristiano Ronaldo. Das gesamte Spiel ist auf ihn zugeschnitten, alle Wege führen in der Offensive zu Cristiano. Aufgrund seiner individuellen Klasse kann er den Laden gegen individuell unterlegene Mannschaften alleine schmeißen. Schafft es der Gegner jedoch, ihn aus dem Spiel zu nehmen und ihn von seinen Kollegen zu isolieren, ist die gesamte Offensive lahmgelegt. Da sich der Weltfußballer gerade in der Defensivarbeit immer wieder Künstlerpausen gönnt, bestehen auch hier Möglichkeiten, Konterräume zu nutzen.

Im nächsten Sommer wird sich zeigen, ob die Portugiesen mehr sind als nur Cristiano Ronaldo. Alles steht und fällt mit dem Madrilenen. Womöglich wäre ein Verzicht des Weltfußballers sogar förderlich für das Team, da man weniger ausrechenbar wäre. Die Chancen, dass ein solches Szenario eintritt, sind verschwindend gering, interessant wäre es aber allemal. Trainer Fernando Santos muss die richtige Balance finden, die Talente der letzten U21-EM sinnvoll einbauen und Mut zu Veränderungen im Kader haben. Wir sind gespannt!

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Spanien – Auferstehung der „Furia Roja“ 

Dass der amtierende Europameister zwangsläufig ein heißer Kandidat auf den Titel ist, ist seit jeher bekannt. In diesem Fall handelt es sich aber nicht um irgendeinen Titelverteidiger, sondern um die konstanteste Nation dieses Jahrzehnts. Nach dem blamablen Ausscheiden bei der letzten WM krempelte Trainer Vicente del Bosque den Kader komplett um. Man trennte sich von altgedienten Spielern: Alonso, Xavi, Torres und David Villa gehören der glorreichen Vergangenheit an. In ihre Rollen sollen nun Thiago, Koke, Isco und Morata übernehmen. Diese Generation soll zusammen mit Sergio Ramos, Pique, Iniesta und Mittelfeld-Metronom Sergio Busquets bei der EM im nächsten Sommer den Kern der Mannschaft bilden. Dazu gesellen sich weitere internationale Topstars wie die England-Legionäre Santi Carzola, David Silva, Diego Costa, Cesc Fàbregas und Juan Mata. An hochklassigen Alternativen mangelt es den Spaniern demnach nicht. Aus dem eigenen Nachwuchs und der heimischen Liga drängen sich derzeit ebenfalls vielversprechende Akteure in den Vordergrund. Angreifer Nolito ist aktuell in einer hervorragenden Verfassung und maßgeblich am Aufschwung Celta Vigos beteiligt. Er könnte eine Alternative für den zuletzt schwächelnden Pedro sein. Daniel Ceballos und Marco Asensio waren bei der U19-EM im Sommer die Schlüsselfiguren bei den Spaniern. Eine Nominierung der beiden wäre allerdings mehr als überraschend.

In der Abwehr wird Del Bosque weiterhin auf das Duo Ramos/Pique setzen, weshalb es für die Talente Marc Bartra und Iñigo Martínez vorerst schwierig sein wird, Einsatzzeiten zu erhalten.  Auf den Außenverteidigerpositionen sind die Spanier mit Dani Carvajal, Juanfran, Bernat und nicht zuletzt Jordi Alba sehr gut besetzt. Allesamt sind sie spielstark, verfügen über eine hohe Dynamik und sind von internationalem Format. In dieser Hinsicht sind die Spanier deutlich besser aufgestellt, als das DFB-Team. Im Tor wird es auf einen Zweikampf zwischen David de Gea und Nationalheld Iker Casillas hinauslaufen. Während das Denkmal des „San Iker“ in den letzten Jahren ein wenig bröckelte, befindet sich De Gea nach dem Wechsel-Fiasko im Sommer wieder in guter Form. Da es Casillas‘ wohlmöglich letztes großes Turnier sein dürfte und er seit Jahren Führungsspieler bei „La Roja“ ist, wird ihm Del Bosque vermutlich das Vertrauen schenken. Ansonsten kann der Titelverteidiger aus dem Vollen schöpfen. Auf sämtlichen Positionen ist man hochklassig besetzt, auch die Kaderbreite ist hervorragend.

Nach dem WM-Aus prognostizierten nicht wenige das Ende der goldenen Ära des spanischen Fußballs. Tiki-Taka sei ausgestorben, die Spieler zu alt und der Trainer erreicht die Spieler nicht mehr. Das ist natürlich völliger Quatsch. Die letztjährige WM war erstens nur eine Momentaufnahme, eine sehr schlechte noch dazu. Zweitens erwischten die Spanier im letzten Sommer eine für ihre Spielweise extrem unangenehme Gruppe. Die abgelaufene Qualifikation zeigte durchaus eindrucksvoll, dass mit ihnen im nächsten Sommer zu rechnen ist. Ein Torverhältnis von 23:3 in 10 Spielen bei 9 Siegen und nur einer Niederlage verdeutlichen dies. Der spanische Fußball war nie weg. „La Roja“ verfügt auch im Sommer über einen hervorragenden Kader. Er mag vielleicht nicht mehr diese makellose Perfektion aus dem Jahr 2012 haben, die den Gegner so lange müde spielt, bis er schließlich vor Erschöpfung Lücken öffnet. Die derzeitige Mannschaft ist durchschlagskräftiger, spielt schnörkellos und ist nicht mehr so stark auf den Ballbesitz angewiesen. Teilweise erinnert das aktuelle Team an die DFB-Elf der letzten WM. Ob sie diese Form bis zum nächsten Sommer halten können?

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