1. Eden Hazard als „Echte Neun“

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Startaufstellungen

Dass Chelseas Trainer José Mourinho gerne mal für Überraschungen gut ist, ist unlängst bekannt. Aufgrund eines Kabinen-Zwists im letzten Champions-League-Spiel gegen Tel Aviv ließ der Portugiese seinen eigentlichen Mittelstürmer Diego Costa vorerst auf der Bank. Für ihn rückte Pedro Rodriguez in die Startelf, Eden Hazard rückte stattdessen ins Sturmzentrum. Folglich lag es auf der Hand, dass der Belgier als falsche Neun die Partie bestreiten wird und seine Rolle ähnlich wie Lionel Messi interpretiert. Will heißen, dass er sich im Spielaufbau fallen lässt, sich die Bälle abholt und Spielzüge einleitet. Nach dem Anpfiff wurde allerdings recht schnell deutlich, dass Hazard eher die klassische Neun in Mourinhos System verkörperte. Er schob häufig auf die Flügel hinaus, um mit Pedro bzw. William und Oscar zu kombinieren. Seine Aufgaben waren also ähnlich zu denen von Diego Costa. Wahrscheinlich verwechselten ihn seine Teamkollegen in der Anfangsphase auch mit Diego Costa, da Hazard sehr häufig mit hohen Bällen angespielt wurde, die er gegen die beiden Türme Alderweireld und Vertonghen behaupten musste. Generell funktionierte das Zusammenspiel zwischen den vier Offensiven Chelseas recht gut, auch wenn Pedro mit der Zeit immer weniger Präsenz zeigte. Die „Blues“ erspielten sich zwar nur vereinzelt wirklich hochkarätige Chancen, allerdings wirkte das Erspielen von Chancen in diesem Spiel weitaus geplanter als noch in den vergangenen Wochen.

2. Tottenham mit gutem Rhythmus zu Beginn

Die Spurs begannen die erste Viertelstunde sehr dominant, indem sie den Ball klug durch die eigene Formation laufen ließen. Vertonghen und Alderweireld fächerten im Spielaufbau sehr breit auf, um Eric Dier das Zurückfallen zu ermöglichen. Damit wollte man den Zweimannsturm Chelseas mit Überzahl entgegenwirken, und so konnten die Spurs relativ ungestört das Spiel aufbauen. Dabei wechselten sie immer wieder zwischen kurzen Pässen durchs Zentrum und schnellen Flügelüberladungen über Eriksen, Mason und Kane. Dembélé und Eriksen positionierten sich abwechselnd im Mittelfeld, um sich die Bälle von Dier & Co. aus tieferen Zonen abzuholen.

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Die 38. Minute: Son zieht mit seinem Laufweg Fabregas weg, um Raum für Dier zu öffnen.

 Mit Mason auf dem rechten Flügel hatte man zudem einen sehr einrückenden Spieler im Aufgebot, der seine Position verwaisen ließ und Walker den Seitenstreifen gänzlich allein beackern durfte. Im letzten Spielfelddrittel bissen sich die Spurs allerdings die Zähne aus. Die Chelsea-Defensive öffnete zumeist dann Raum, wenn Eriksen & Co. mit Tempo auf die beiden Sechser zuliefen. Die beste Chance hatte Heung-min Son per Kopf, als ihn Kane per Flanke bediente. Der Flanke ging ein typischer Tottenham-Angriff voraus. Im zweiten Durchgang gab es kaum noch nennenswerte Torraumszenen aus Sicht des Tabellenfünften.

3. Pochettino mit Anpassungen zur Pause

Nach dem Seitenwechsel stellte Tottenham-Coach Pochettino etwas um. Eriksen war nun vermehrt auf dem linken Flügel zu finden, dafür rückte Son ins Zentrum hinter bzw. neben Harry Kane. Einen wirklichen Zehner gab es fortan nicht mehr, da Son zumeist auf Schnittstellenpässe lauerte und Eriksen von links ins Zentrum rückte. Mit der Auswechslung Masons für Lamela änderte sich dies allerdings wieder, denn Son und Lamela besetzten nun die Flügelpositionen und Eriksen bildete zusammen mit Kane das dynamische Duo im Zentrum. Zu wirklichen Torchancen führten diese Umstellungen allerdings nicht, da sich Chelsea mit fortschreitender Spieldauer immer tiefer fallen ließ und auch bei Tottenham mit der Zeit die Kraft nachließ. In der 67. Minute hatte Hazard nochmals eine Riesenchance, Lloris konnte jedoch aus spitzem Winkel glänzend parieren. Gefährlich wurden beide Teams zum Ende hin nur durch ruhende Bälle.

Fazit

Ein 0:0 ist gerade im Derby immer ein unangenehmes, nichtssagendes Ergebnis. Nach gutem Beginn der Tottenham Hotspurs fand Chelsea besser in die Partie und dämmte die Offensive um Kane, Eriksen und Son immer besser ein. Auch Tottenham zeigte in der Defensive sehr gute Szenen, indem sie die flexiblen Stürmer Chelseas durch kompaktes Verteidigen kontrollierten. Besonders das Trio Alderweireld, Dier, Vertonghen funktionierte abermals sehr gut und löste so manche brenzlige Situation souverän. Spurs-Trainer Pochettino muss man für seine Arbeit an der White Hart Lane nur loben, da er Woche für Woche ein schlagkräftiges, auf den Gegner abgestimmtes Team aufbietet. Für den FC Chelsea besteht nach dem verkorksten Saisonstart nach wie vor Verbesserungsbedarf in der Offensive, will man in der Rückrunde doch nochmal die Champions-League-Plätze anpeilen.

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