Nach der Hälfte der Saison steht die U23 des ZFC Meuselwitz dort, wo sie sich selbst am liebsten sieht: an der Tabellenspitze. In den letzten Jahren wurde das Team aus diversen Gründen den eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht; in dieser Saison scheint der Aufstieg für die Mannschaft durchaus realistisch.

 

Die erste Saisonphase

zehnerraum
Beispielhafte Staffelung: Der strategisch wichtige Zehnerraum (rot markiert) wird gar nicht besetzt. Torgefahr lässt sich somit nur schwer erzeugen.

Nachdem die erste Partie gegen Silbitz/Crossen aufgrund von vielen Verletzungen und weiteren Umständen mit 3:2 verloren ging, begann die Saison für die Meuselwitzer im Grunde erst ab dem zweiten Spieltag so richtig: Aus den folgenden vier Spielen holte man drei Siege und ein Unentschieden gegen Schott Jena. Trotz teils klarer Ergebnisse (u.a. 6:1 gegen Bad Blankenburg) wirkte einzig der Auftritt gegen Landesliga-Absteiger Neustadt/Orla aus spielerischer Sicht so wirklich überzeugend. In den ersten Partien hatte der ZFC immer wieder Probleme mit der eigenen Positionsfindung – sowohl mit, als auch ohne Ball. Im damaligen 4-2-3-1 bildeten Florian Pitschel und Fabian Baur die Doppelsechs hinter dem nominellen Zehner Toni Kronawitt. Während sich Florian Pitschel vermehrt um die Ballzirkulation in tieferen Zonen kümmerte, sollten sich Fabian Baur und Toni Kronawitt etwas weiter vorn positionieren, um Verbindungen ins letzte Spielfelddrittel zu geben. Teilweise funktionierte diese Rollenverteilung recht ordentlich. Mitunter gab es aber auch Szenen, in denen sich alle drei Mittelfeldspieler sehr tief und nah beieinander positionierten und die strategisch wichtigen Zonen nahe des gegnerischen Tores schlichtweg nicht besetzt wurden.

Folglich wirkte das Offensivspiel etwas träge und improvisiert. Zwar zirkulierte der Ball ohne Risiko durch die eigenen Reihen, die gegnerische Verteidigung konnte aber nicht durchgängig über Kurzpassspiel attackiert werden. Gefährlich wurde es zumeist über Flügeldurchbrüche der Außenstürmer bzw. der Außenverteidiger. Das Zentrum wurde beim Erspielen von Chancen erst sehr spät genutzt, indem man erst spät vom Flügel wieder in die zentralen Räume verlagerte. Prinzipiell funktionierte dieses Konzept auch, allerdings ließ man sich in manchen Szenen sehr früh am Flügel isolieren und der Angriff versandete.

Hinzukam, dass man auf den Außenverteidigerpositionen lange nach geeignetem Personal suchte. Neben dem eigentlichen Flügelstürmer Maik Wegner fand sich auch Stefan Raßmann aus dem Regionalliga-Team häufig auf diesen Positionen wieder. Auf der rechten Seite wusste Felix Müller mit guten Leistungen zu überzeugen. Mit dem 18-Jährigen auf Rechts hatte man einen zweikampf- und spielstarken Außenverteidiger, der zusammen mit dem jeweiligen Vordermann Druck nach vorn ausüben konnte.

Defensiv hatten die Meuselwitzer in den letzten beiden Jahren immer wieder mit individuellen Fehlern, die sie um die Früchte ihrer Arbeit brachten, zu hadern. Mit Routinier Mirko Kotowski hat man im Sommer einen wichtigen Führungsspieler dazugewonnen, der bereits frühzeitig seine Präsenz in Zweikämpfen zeigte und die jungen Spieler entsprechend anführte.

Es lässt sich also festhalten, dass der ZFC gut in die Saison gestartet ist und trotz kleinerer Findungsprobleme gute Ergebnisse lieferte.

Von Systemumstellungen und Rückschlägen

Am 6. Spieltag wandten sich die Meuselwitzer ihrer ursprünglichen 4-2-3-1-Formation ab und stellte auf eine 4-1-4-1-Anordnung um. Auch wenn man diesen vagen Anordnungen von Zahlen aus meiner Sicht nicht so viel Bedeutung zusprechen sollte, so gab es nach dieser Umstellung beim 5:0 gegen Aufsteiger Stadtilm einige neue Strukturen im Spiel des ZFC zu beobachten: Florian Pitschel gab den alleinigen Sechser vor der Abwehr, vor ihm liefen Fabian Baur und Toni Kronawitt als Achter auf. Dadurch wollte man die Verbindungsprobleme aus der ersten Saisonphase beheben, indem man nominell nur noch einen Sechser hatte und die Positionen vor ihm noch flexibler besetzt werden sollten. Einen wirklichen Zehner gab es demzufolge nicht mehr; der jeweilige Mittelstürmer – zumeist Simon Kügler – bekam dementsprechend mehr Raum, um Bälle zu fordern und schnell prallen zu lassen. Gegen Stadtilm funktionierte dieses Konzept trotz des klaren Ergebnisses überhaupt nicht, da man sich zu stark auf die letzte Linie fokussierte und das zweite Drittel kaum bis gar nicht besetzt wurde. Teilweise standen bis zu fünf Spieler auf einer Linie und für den Gegner war es ein Leichtes, die Angriffsbemühungen des ZFC einzubremsen.

Im Spitzenspiel gegen Ilmenau Ende September verlor man nach einem Konter unglücklich, war aber ansonsten über weite Strecken mindestens ebenbürtig. Viel bedenklicher war hingegen die klare 1:4 Niederlage zwei Spieltage später gegen Zeulenroda: erstmals standen mit Manuel Starke und Sebastian Albert die beiden „Neuzugänge“ aus der ersten Mannschaft im Kader. Während Starke die Achterposition im Mittelfeld einnahm, fand sich Albert auf der linken Verteidigerposition wieder. Gegen das Spitzenteam der Liga tat man sich lange Zeit schwer, das eigene Spiel durchzudrücken, sich Chancen herauszuspielen und geschlossen zu verteidigen. Zeulenroda setzte dem ZFC-Spiel mit vielen Mannorientierungen, einzelnen starken Herausrückbewegungen und ihrer Physis arg zu. Manuel Starke hing in seiner Rolle als aufrückender Mittelfeldspieler gänzlich in der Luft; vor allem das Zusammenspiel mit dem jeweiligen Mittelstürmer sollte auch in den folgenden Wochen noch nicht gänzlich ausgereift sein.

restfeld
In Ballnähe steht der ZFC zwar gut gestaffelt, schafft es der Gegner jedoch, sich mit einer Verlagerung aus der Enge zu befreien, findet der Gegner enorm viel Raum vor.

Ein weiterer Grund für die hohe Niederlage war die in diesem Spiel schlechte Restfeldverteidigung. Im Spiel gegen den Ball wollen die Meuselwitzer ihren Gegner spätestens im zweiten Spielfelddrittel auf die Außenbahnen lenken, um ihn an der Seitenlinie zu isolieren und ebenda auf Ballgewinne zu gehen. Folglich verschiebt der gesamte Mannschafts-Block geschlossen auf die jeweilige Seite. Der Gegner kann sich in der Regel entweder nur mit einem langen, unkontrollierten Schlag aus dieser Zone befreien oder er muss den Rückpass wählen. Schafft er es dennoch, sich spielerisch aus dieser Umklammerung zu befreien, ist es entscheidend, dass man das restliche Feld im Blick behält. Da sich viele Spieler der eigenen Mannschaft in einer Zone aufhalten, sind andere, ballferne Zonen logischerweise unterbesetzt. Dementsprechend muss es Spieler geben, die sich absichernd zu den attackierenden Mitspielern bewegen. Genau diese Absicherung war gegen Zeulenroda nur teilweise vorhanden, weshalb man ein ums andere Mal in Konter lief.

Zurück in der Erfolgsspur

Nach diesem kleineren Durchhänger galt es sich schnellstmöglich wieder aufzurichten, um nicht den Anschluss an die Spitze zu verlieren. Einem souveränen 2:0 Sieg gegen Jena Zwätzen folgte eine beeindruckende Leistung gegen Bad Lobenstein. Gegen das Spitzenteam der Liga ließ man die gesamte Spielzeit hinweg keine nennenswerte Torchance zu und dominierte den Gegner sowohl mit als auch ohne Ball. Besonders das Pressing sollte in dieser Partie ein Grundstein für die kommenden Wochen sein.

diagonale
Exemplarische Szene, wie der ZFC die diagonalen Passkanäle ins Zentrum schließt.

Das 4-1-4-1 wurde nun deutlich kompakter interpretiert als noch in den Vorwochen. Die Herausrückbewegungen der einzelnen Spieler waren wesentlich harmonischer. Auf den Außen fand man nun besser Zugriff, weil man die diagonalen Passkanäle ins Zentrum besser zustellte und die Bewegungen der Mitspieler besser ausglich. Besonders Florian Pitschel zeigte diesbezüglich einige starke Szenen, als er den Sechserraum dank seiner Schnelligkeit und Antizipation quasi alleine schloss. Manuel Starke fand zunehmend besser ins Team. Mit seiner physischen Präsenz und Erfahrung wurde er ein wichtiger Baustein im Mittelfeld.

In der Ballzirkulation forcierte man nun konsequenter das Zentrum, indem man die Außenstürmer erst sehr spät in den Angriffsverlauf mit einbezog. Wenn man so will, spiegelte der ZFC nun seinen Passausrichtung: Statt bereits im zweiten Spielfelddrittel vom Flügel in die Mitte zu verlagern, wurde der Ball erst beim Übergang ins letzte Drittel nach außen geleitet. Zum einen wurden die Außenverteidiger dadurch besser eingebunden, da sie sich offensiver ausrichten konnten. Besonders Rechtsverteidiger Marcel Zobelt kam mit dieser Ausrichtung besser zurecht, da er die Bälle nicht in statischen Situationen nahe des eigenen Tores erhielt, sondern mit Dynamik Richtung Grundlinie durchbrechen und scharfe Hereingaben erzwingen konnte. Beachtlich war dabei, aus welchen Zonen er diese Eingaben brachte. Prinzipiell muss man Flanken sehr kritisch bewerten, da es schlichtweg sehr schwierig ist, einen geflankten Ball mit dem Kopf unter Bedrängnis im Tor unterzubringen, sofern die Flanke überhaupt beim Mitspieler ankommt. Selbst die weltbesten Flankengeber haben hier nur eine Erfolgsrate von knapp 20%. Flanken müssen daher möglichst nahe am Sechszehner, im Idealfall innerhalb dieser Zone geschlagen werden, um eine höhere Erfolgsrate aufzuweisen. Hereingaben von weit außerhalb des Strafraums sind für die Gegner wesentlich einfacher zu verteidigen, als scharfe Querpässe in Tornähe. Genau solche Situationen suchten die Meuselwitzer in den letzten Spielen immer wieder.

Wie gut ist der ZFC wirklich?

Diesen Fußball mit Dominanzanspruch drückten die Meuselwitzer in den letzten Spielen sehr konsequent durch, und so wurden Gegner teilweise auseinandergenommen. Vor allem gegen Mannschaften, die vorher als „schwierig zu bespielen“ eingestuft wurden. Entscheidend war in diesen Partien, dass sich die Mannschaft nicht hat von ihrem Plan abbringen lassen. In Zeulenroda beispielsweise hat man „den Kampf angenommen“, wie man so schön sagt und ging dabei kläglich unter. In den schwierigen Spielen wie in Bad Lobenstein oder auf dem tiefen Geläuf in Kahla blieb man dem eigenen Spiel treu, suchte ständig nach konstruktiven Lösungen und ließ sich gar nicht auf den physischen Kampf der Gegner ein. Fußball spielen statt zu kämpfen. Lässt sich das Team auf die destruktive, physische Spielweise der Gegner ein, wird man es schwer haben, da das Konzept der Zipsendorfer auf konstruktiven Fußball ausgerichtet ist. Die Frage ist daher, inwieweit man diese „Probleme“ in der Rückrunde eindämmen und das eigene Spiel künftig noch konsequenter praktizieren will. Neben der in den letzten Spielen

dazu gewonnenen Gefahr bei ruhenden Bällen hat man zumindest einen Plan B in der Hinterhand, um auch gegen sehr tiefstehende Gegner Tore zu erzielen. Im letzten Hinrundenspiel gegen Arnstadt tat man sich sehr schwer beim Herausspielen von Chancen; dass man die eigenen Möglichkeiten in dieser Partie teils kläglich vergab, ist ein Problem, welches nicht erst seit dieser Saison besteht.

Generell kann man aber optimistisch in die Zukunft blicken: Sämtliche Spitzenteams empfängt man im nächsten Jahr im eigenen Wohnzimmer, wo man bisher erst zwei Punkte abgeben musste. Aufgrund der Breite im Kader, die punktuell mit Spielern aus dem Regionalliga-Team verstärkt wird, hat man eine hohe Qualität innerhalb der Mannschaft. Im dritten Jahr in der Landesklasse scheint der Aufstieg durchaus möglich, bis dahin ist aber noch ein langer Weg zu gehen.

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