Zum Auftakt der Regionalliga-Saison 2016/17 empfing der ZFC Meuselwitz Carl Zeiss Jena. Für beide Teams war es eine eher enttäuschende letzte Saison und folglich ein Sommer, der von diversen personellen Wechseln geprägt war. Bei den Jenaern stand unter anderem Neu-Coach Zimmermann an der Seitenlinie, wohingegen beim ZFC vier Neuzugänge in der Startelf standen. In einem durchschnittlichen Spiel setzten sich schließlich die individuell überlegenen Jenaer mit 0:2 durch.

ZFC kommt gut aus den Startlöchern

Die Meuselwitzer spielten in einem klassischen 4-4-2, welches im Angriffsverlauf 4-4-1-1 wurde. Die Doppelspitze bestehend aus Dadashov und Crnomut ließ sich häufig nach hinten fallen, um als Wandspieler oder Ballschlepper im Zehnerraum vor Jenas Abwehr zu fungieren. Dadashov wurde dabei insbesondere mit hohen Bällen gesucht, die er größtenteils gut festmachen konnte – es mangelte anschließend allerdings an den Anspielstationen.

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Startaufstellung ZFC

Crnomut hingegen war eher für schnelle Dribblings zuständig, mit denen er sich aus den engen Mittelfeldräumen befreien sollte. Das Zusammenspiel der beiden passte zunächst: Crnomut kreiste um Dadashov herum, erhielt Bälle und verteilte sie anschließend auf die Flügel oder ging selbst ins Dribbling.

 

Die Außenstürmer Weinert und Trübenbach agierten etwas asymmetrisch zueinander. Trübenbach hatte eine ähnliche Rolle wie in der letzten Saison inne, die er als verkappte hängende Spitze interpretiert. Er zog von der linken Seite aus häufig ins Zentrum und sorgte mit seiner natürlichen Umtriebigkeit für Unruhe bei den Jenaern. Häufig war er von mehreren Gegenspielern umzingelt, die daraus entstehenden Lücken konnten jedoch kaum genutzt werden. Auf der rechten Seite spielte Weinert etwas konservativer, vereinzelt unterstützte er die beiden Sechser oder schoss im Pressing auf einen der Innenverteidiger heraus.

Generell stimmte in der ersten Viertelstunde das Rhythmusgefühl bei den Meuselwitzern: mal stellten sie bereits die Abstöße Koczors zu, mal ließen sie die Gäste das Spiel aufbauen und in ganz wenigen Szenen liefen Dadashov & Co. frühzeitig die Innenverteidiger an. Die Sechser Rudolph und Albert verfolgten ihre Gegenspieler stets mannorientiert, wodurch sie in dieser Phase aufgrund der langsamen Jenaer Ballzirkulation guten Zugriff besaßen. Der ZFC war also die dominante Mannschaft, ohne den Ball zu haben.

Meuselwitzer Konter versanden…

Nach dieser Anfangsphase verflachte die Partie ein wenig. Meuselwitz zog sich tiefer in die eigene Hälfte zurück und griff erst ab der Mittellinie an. Der FCC kontrollierte die Partie nun besser über ihre flexibel zurückfallenden Sechser Eismann und Erlbeck. Während die beiden Innenverteidiger auffächerten, kippte stets einer der beiden ab, um gegen die Meuselwitzer Angreifer eine Überzahl im Spielaufbau herzustellen. Während Erlbeck meist zentral zurückfiel, positionierte sich Eismann seitlich neben Klingbeil oder Gerlach. Je nach Positionierung dieser beiden ergaben sich im letzten Drittel der Jenaer bestimmte Rochaden. Fiel beispielsweise Erlbeck zurück, rückte Eismann diagonal in den Halbraum und öffnete dadurch das Zentrum für den zurückfallenden Stürmer Starke.

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Ein Aufrücken Eismanns auf die rechte Seite zieht den Raum für den zurückfallenden Starke frei.

Kippte Eismann jedoch seitlich neben die Innenverteidiger ab, so zog es Schlegel von links ins Zentrum, der dann zusammen mit Starke das Zentrum überlud. In diesen Szenen machte den Meuselwitzern ihre Mannorientierungen zu schaffen: Da sie ihre Gegenspieler lange verfolgten, wurden sie aus der Ordnung gezogen, was letztlich dazu führte, dass sich Räume im Zentrum öffneten. Hinzukam, dass Dadashov und Crnomut nicht konsequent genug mit nach hinten arbeiteten, um Erlbeck beim Aufrücken zu verfolgen. So stand man im Zentrum zwei gegen drei. 

 

Gewann der ZFC dann mal einen Ball, suchte man sehr frühzeitig Dadashov mit hohen Bällen. Teilweise waren diese Zuspiele etwas unkontrolliert geschlagen worden, wodurch der Aserbaidschaner allein auf weiter Flur war. In Ansätzen war man über Dribblings von Crnomut und Trübenbach gefährlich, das zögerliche Nachrücken der Hintermänner und einige gute Szenen von Klingbeil erstickten die Konter jedoch im Keim.

…Jena zeigt, wie es richtig geht

Nach dem Seitenwechsel gingen die Jenaer durch einen blitzsauber ausgespielten Konter in Führung. Eine Meuselwitzer Ecke fing man erfolgreich ab, orientierte sich frühzeitig in die Spitze und mit etwas Glück traf der mitgelaufene Gerlach zum 0:1. Der ZFC sicherte seine eigenen Ecken übrigens in Gleichzahl ab. In der Folge diktierte Carl Zeiss das Tempo vor allem über den überragenden Erlbeck, der als Taktgeber im Mittelfeld fungierte. Er wusste sich unter Druck zu behaupten und zeigte gute Aufrückbewegungen.

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Diesmal bietet sich Eismann seitlich an, Erlbeck wird mannorientiert verfolgt, wodurch sich Lücken ergeben.

 

In der 60. Minute traf dann Bock zum 0:2 Endstand. Auch diesem Treffer ging ein Konter voraus: Ein kluger Seitenwechsel fand Schlegel auf der linken Seite, der prompt in die Mitte auf den gut eingelaufenen Mittelstürmer flankte. Außenverteidiger Brinkmann, der bei dieser Verlagerung überspielt worden ist, würde ich an dieser Stelle keinen Vorwurf machen. Der Seitenwechsel, die Ballan- und mitnahme waren fast perfekt – das kannst du nur schwer verteidigen.

Fazit

Aus zwei wirklich gefährlichen Szenen erzielen die Jenaer zwei Tore und sichern sich damit die ersten drei Punkte dieser Saison. Bei ihnen ragte vor allem Erlbeck heraus, der die Fäden im Mittelfeld zog. Ein solcher Spieler fehlt den Meuselwitzern nach dem Abgang Sträßers aktuell noch. Albert und Rudolph zeigten ordentliche bis gute Leistungen, konnten aber das Spiel nie wirklich an sich reißen, was wohl auch an der Spielweise der Zipsendorfer liegt. Abgesehen von der Halbchance durch Dadashov zu Beginn des Spiels, kam man zu keiner weiteren zwingenden Chance. Hier muss in Zukunft der Hebel angesetzt werden, dass man sich mehr Chancen herausspielt, Akteure wie Dadashov und Trübenbach dafür entsprechend nutzt und Punkte sammelt. Man muss allerdings auch festhalten, dass Jena an diesem Tag gut aufgelegt war und, dass die neuen Spieler logischerweise noch Zeit brauchen, um auf diesem Level zu bestehen.

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