Der Rekordpokalsieger setzte sich erwartungsgemäß souverän gegen den Underdog in der ersten Pokalrunde durch. Die gut in die Saison gestarteten Jenenser versuchten sich nicht hinten rein zu stellen und auf den einen lucky punsh zu setzen, sondern spielten mutig auf.

  1. Münchener Aufbaudreierkette und Jenas Antwort darauf

Unter Pep Guardiola konnte man die Startformationen nur erraten – es war schlicht unmöglich richtig zu liegen. Carlo Ancelotti ist hierbei weitaus konservativer: Der Italiener ließ seine Mannschaft im 4-3-3 auflaufen. Allerdings waren auch hier einige taktische Kniffe versteckt. So war es Joshua Kimmich, der sich von der halbrechten Achterposition hat in die letzte Reihe fallen lassen, um dem hohen 4-4-2 der Jenaer entgegenzuwirken. Dementsprechend hoch schob Rafinha als Rechtsverteidiger, um Schlegel nach hinten zu drücken. Kimmich versuchte das Spiel von dieser Grundposition aus anzukurbeln, was ihm in großen Teilen gelang, aber nicht durchgängig.

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Startaufstellungen

Der Ex-Leipziger hatte die ein oder andere für ihn untypische Unsauberkeit in der Ballverarbeitung und im Passspiel. Jenas Trainer Zimmermann schien sein Team aber gut auf Kimmichs Rolle eingestellt zu haben und so übergab Schlegel Rafinha meistens an Krstic. Schlegel selbst schob auf Kimmich heraus, was kurzzeitige 4-3-3-Staffelungen bei den Gastgebern erzeugte. Vidal positionierte sich auf der anderen Seite wesentlich höher und hielt sich vornehmlich im zweiten Drittel auf. Nach etwa zehn Minuten tauschten die beiden kurzzeitig ihre Positionen, leider nur für kurze Zeit. In der zweiten Hälfte war es dann vermehrt Lahm, der sich mit Alaba und dem eingewechselten Hummels um das Aufbauspiel kümmerte.

  1. Asymmetrische Flügel

In der Offensive sah man ebenfalls unterschiedliche Rollen: Während Ribéry auf links seine Paraderolle als inverser Flügelspieler auslebte, war Müller auf rechts ein verkappter Mittelstürmer. Er schob sich im Angriffsverlauf immer wieder zwischen Gerlach und Krstic und orientierte sich an Lewandowski. Dies erzeugte das bereits erwähnte Aufrücken Rafinhas und begünstigte das Zurückfallen Kimmichs. Rafinha konnte den Flügel also alleine beackern, was der Natur des Brasilianers nicht unbedingt entspricht. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller gewesen, Kimmich und Vidal positionell zu vertauschen. Vidal, der unheimlich über seine Dynamik und Wucht ins Spiel kommt, hätte Rafinha hierbei besser unterstützen können, als Kimmich, der wertvoller ist, wenn er sich in engen Räumen aufhalten kann. Die linke bayrische Seite war mit Ribéry und Bernat ohnehin darauf ausgelegt nach Verlagerungen eingebunden zu werden und anschließend Durchbrüche gegen Bock und Kühne zu suchen. Kimmich wäre hierbei als Ruhepol mit seiner sauberen strategischen Positionierung gut gewesen, für die mitunter unsauber positionierten Bernat und Ribéry gewesen.

  1. Jena will mitspielen und Sucht den Zugriff am Flügel

Es verwunderte etwas, dass der Regionalligist erstens mit einer Viererkette und dann auch noch so hoch verteidigte. Starke und Thiele wollten das Spiel zunächst über die Innenverteidiger eröffnen lassen, um anschließend den nächsten Ball rückwärtszupressen, also von hinten Druck auf den Ballführenden auszuüben. Die Sechser Eismann und der gute Erlbeck schoben die Anspielstationen im Zentrum entsprechend zu, um Pässe auf den Flügel zu provozieren, wo schnellstmöglich der Zugriff gefunden werden sollte. Dort schafften sie es relativ gut, Überzahlen herzustellen und erzielten auch die ein oder andere Balleroberung. Die Folgeaktionen waren vereinzelt hektisch ausgespielt, nur selten griff Jena zum Langholz. Sie versuchten immerhin, die Ruhe in Drucksituationen zu bewahren und suchten im Konter die linke Seite, wo sich Schlegel und Starke aufhielten. Zu ernsthaften Gelegenheiten kam Carl Zeiss allerdings nicht. Erst im zweiten Durchgang schien man sich nochmals aufzubäumen und hatte ein paar Strafraumszenen.

  1. Übermut und individuelle Klasse sorgen für die Tore

Dass die Jenenser ihr geplantes Tempo nicht über die gesamten 90 Minuten durchgehen werden, war von vornherein klar. Das frühe Tor Lewandowskis tat der mutigen Spielweise und dem Verfolgen des Plans keinen Abbruch. Sie verteidigten weiterhin hoch und gerieten durch individuelle Fehler höher in Rückstand. Lewandowskis Qualitäten im Abschluss, die schlichte individuelle Überlegenheit der Münchener und teils schwache Absicherungen untereinander waren hierbei der Knackpunkt. Für Carl Zeiss Jena besteht allerdings kein Grund zur Sorge. Ein Ausscheiden gegen die Münchener war, da lehne ich mich jetzt mal weit aus dem Fenster, durchaus eingeplant. Finanziell gibt das Spiel dem Verein einen Schub und auch von der Spielweise hat man sich gut verkauft. In der Liga steht man nach vier Spielen noch ohne Gegentor und Punktverlust an der Tabellenspitze und ist sicherlich ein Kandidat für den Aufstieg.

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