Drei Jahre Abstinenz sollten genug sein: Erstmals seit 2013 spielt die zweite Mannschaft des ZFC Meuselwitz wieder in Thüringens höchster Spielklasse und steht nach acht Spieltagen auf dem zweiten Tabellenplatz. Nach einem ziemlich durchwachsenen Saisonstart findet der Aufsteiger allmählich seinen Rhythmus und holte zwölf Punkte aus den letzten vier Spielen. Wir blicken auf die bisherigen Leistungen der Zipsendorfer.

Holpriger Saisonstart

Zum ersten Heimspiel der Saison empfingen die Meuselwitzer mit dem SC Leinefelde einen gestandenen Landesligisten. Rein personell vertraute man in der Defensive auf jenen Verbund aus der letzten Saison: Die Abwehrreihe bildeten Philipp Gentzsch, Mirko Kotowski, Johannes Busch und Marcel Zobelt. Auf der Sechs spielten Florian Pitschel und Manuel Starke. Aufgrund des Abgangs von Simon Kügler musste man sich Offensiv zunächst noch finden. In der Vorbereitung wurde daher mit verschiedenen Spielern, Staffelungen und Formationen experimentiert. In dieser und auch in den folgenden beiden Partien waren Friedrich May und Lucas Bartsch auf den Außen sowie Felix Zschäck und Maik Wegner im Zentrum gesetzt. Der ZFC gewann zum Auftakt relativ problemlos und souverän mit 2:0. Dies lag zum einen an der über weite Strecken guten Spielkontrolle, die vor allem von Florian Pitschel ausging. Der 21-Jährige hat sich in den letzten Monaten zum Spielgestalter aus der Tiefe entwickelt. Seine Fähigkeiten im Dribbling gepaart mit einer tollen Passtechnik erlauben es ihm, den Rhythmus einer Partie vorzugeben. Mit Manuel Starke hat er neben sich einen in erster Linie starken Zweikämpfer, der aber ebenfalls gute Aktionen mit dem Ball zeigen kann. Zusammen ergab dies eine sehr gute Symbiose aus spielerischer Klasse und cleverem Zweikampfverhalten, mit dem der ZFC den Gästen den Zahn zog. Der Start war also geglückt, was im Hinblick auf die Spiele, die noch kommen sollten, wichtig war.

Im zweiten Spiel ging es nämlich zum Derby nach Rositz. Die Rositzer waren ein Jahr vor dem ZFC aufgestiegen und sicherten sich im letzten Jahr frühzeitig den Klassenerhalt. Vor der Partie wusste man bereits, mit welcher Marschroute die Hausherren antreten würden: Aus einer tiefen Abwehrkette heraus wollten sie vornehmlich auf lange Bälle und Zweikampfhärte setzen. Der hektische Spielverlauf, der mit so einem Derby fast zwangsläufig entsteht, und Pech in der Chancenverwertung trugen an diesem Tag zur 1:2-Niederlage bei. Obwohl man ein optisches Übergewicht besaß und sich um Kombinationen bemühte, fehlte es vor im letzten Spielfelddrittel an der nötigen Zielstrebigkeit. Ein Problem, welches dem ZFC auch in den kommenden beiden Spielen auf die Füße fallen sollte. Beim 2:2-Unentschieden gegen Eisenberg versäumte man es ebenso wie beim darauffolgenden Derby gegen Ehrenhain, seine teils klaren Torchancen zu nutzen. Im zweiten Lokalduell in Ehrenhain verlor man nicht zuletzt mit 0:1, weil man gegen die physisch präsenten Gastgeber gerade in der ersten Hälfte nur wenige spielerische Glanzpunkte setzen konnte. In Hälfte zwei fehlte in vielen Situationen das nötige Glück im Abschluss.

Fehleranalyse

Obwohl die U23 des ZFC, wie so häufig, für seine spielerisch starken Leistungen gelobt wurde, standen sie am Ende mit leeren Händen da. Dies ist aber kein neues Phänomen, das erst in der Landesliga auftrat. Bereits im letzten Jahr war man allen Gegnern spielerisch überlegen gewesen, war allerdings vor dem Tor nicht kaltschnäuzig genug. Was in der letzten Saison meist noch zu kaschieren ging, wird in Thüringens höchster Spielklasse gnadenlos ausgenutzt. Es aber alleine auf den Faktor Zufall zu schieben und sich zu sagen „…aber wir hatten mehr Spielanteile und haben nur unsere Chancen nicht genutzt“, wäre sicherlich der falsche Weg. Nur weil die eine Mannschaft den Ball kontrolliert und es so aussieht, als wäre sie dominant, heißt das noch lange nicht, als wäre sie auch die bessere gewesen. Es benötigt Zielstrebigkeit und auch Anpassungsfähigkeit, um ein Spiel zu gewinnen. Im Folgenden sollen ein paar der Schwächen skizziert werden, die das Team zu Saisonbeginn begangen hat und entsprechende Lösungsvorschläge gegeben werden. Diese Vorschläge sollen auch als solche betrachtet werden und sind selbstverständlich kein Patent auf Erfolg.

Problem 1: mangelnde Zentrumsbesetzung

Im Aufbauspiel lässt sich Florian Pitschel als Sechser meist zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, um die Ballzirkulation nach vorn zu tragen und eine Überzahl in der ersten Linie herzustellen. Fast alle Gegner pressen mit zwei Stürmern, weshalb dieser Schritt absolut logisch erscheint. Die Innenverteidiger können entsprechend breiter in die Halbräume schieben und sind im Normalfall von dort aus schwerer für den Gegner zu attackieren. Schließlich muss er fortan in Unterzahl einen noch größeren Raum verteidigen. In der ersten Linie hat der ZFC also eine durchaus stabile Aufbaukette. Ein Problem, welches mit diesem „Abkippen“ einhergeht ist, dass man im zweiten Spielfelddrittel einen Akteur weniger zur Verfügung hat. Im 4-4-2/4-4-1-1, wie es die Meuselwitzer zu Saisonbeginn spielten, hatte man demnach in dieser Zone mit Manuel Starke zeitweise nur einen einzigen Spieler, der sich ebenda positionierte. Die beiden Stürmer ließen sich entweder nur kleinräumig zurückfallen oder verharrten an der Abseitslinie. Die Außenstürmer schoben weit nach vorn und klebten ebenfalls auf ihren Positionen.

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Typische Aufbauszene zu Saisonbeginn

 

Man muss kein Fußballexperte sein, um zu erkennen, dass es der Gegner leicht hatte, das Zentrum zu kontrollieren und am Flügel Ballgewinne zu erzwingen. Es war gerade im Spiel gegen Eisenberg enorm schwer, die erste Pressinglinie zu überspielen und ins Zentrum zu gelangen. Ein Anlocken des Gegners auf eine Seite gefolgt von einer schnellen Seitenverlagerung ist aufgrund der Deckungsart der meisten Mannschaften nicht möglich. Viele Teams spielen, gerade am Flügel, nach wie vor mit einer Manndeckung; der Außenverteidiger ist dem Außenstürmer zugeordnet, usw. Ein Diagonalball auf die ballferne Seite ist also nicht ganz einfach, da der Mitspieler eng gedeckt wird. Inwieweit das im modernen Fußball noch Sinn ergibt, sei erst einmal dahingestellt. Es bedarf also einer stabilen Staffelung, um das Zentrum entsprechend besetzen zu können.

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Hypotethische Laufwege in die Mitte. Machen das alle gleichzeitig, wird’s natürlich Mist.

Da wäre zum einen eine makrotaktische Umstellung, also eine Umstellung der gesamten Grundordnung. Im Fußball lassen sich die Spieler in bestimmten geometrischen Formen aufstellen und so auf dem Feld ordnen, dass sich daraus besagte Formationen ergeben. Diese reichen von klassischen Staffelungen, wie dem 4-4-2 oder dem 4-2-3-1, bis hin zu Grundordnungen mit mehreren Linien, z.B. 4-1-4-1, 4-3-1-2 oder 3-1-2-1-3. Die Kombinationen sind vielzählig. Entscheidend ist an dieser Stelle, dass diese Gebilde nicht starr sind; sie sind flexibel und verschwimmen innerhalb einer Partie logischerweise. Um Pep Guardiola zu zitieren: „Formationen sind unwichtig – entscheidend sind die Abläufe.“

 

Mit gewissen Formationen lassen sich allerdings bestimmte Abläufe besser umsetzen. Mit dem 4-1-4-1 hat man beispielsweise einen Spieler mehr im Zentrum zur Verfügung. Florian Pitschel kann sich also im Aufbau zurückfallen lassen und die Mitte ist noch immer mit zwei Spielern besetzt. Zudem lassen sich aus dieser Anordnung einfacher Dreiecke bilden, in denen man besser kombinieren kann. Der ZFC nutzte diese Grundordnung gegen Martinroda und kam dadurch zu besserer Kontrolle im Zentrum, was speziell in dieser Partie und auch aufgrund des Fehlens von Manuel Starke ein wichtiger Aspekt gewesen ist.

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Makrotaktische Änderung auf ein 4-1-4-1

 

Problem 2: Nutzung der Außenverteidiger

Vorab: Der ZFC hat kein Außenverteidiger-Problem. Marcel Zobelt auf Rechts und Philipp Gentzsch auf der linken Seite zeigten bereits im letzten Jahr teils überdurchschnittliche Leistungen und gehören auch in diesem Jahr berechtigterweise zum Stammpersonal der Mannschaft. Mit dem derzeit verletzten Robert Butowski hat man eine weitere interessante Option für die linke Seite. Die bisherige Saison hat gezeigt, dass man im Ballbesitz gutes Potential hat, dieses aber teilweise vorhersehbar ist. Gegen den Ball zeigten sie jedoch gerade zu Saisonbeginn ein paar Schwächen. Kommen wir zunächst auf das Verhalten bei eigenem Ballbesitz.

Innovationen im Fußball sind heutzutage selten – Dogmen gibt es viele. Ein solches Dogma ist zum Beispiel, dass die Außenverteidiger als eben solche agieren sollen und außen bleiben müssen. Ein Trainer, der diese Dogmen mit Vorliebe aufbricht, ist Pep Guardiola. Der Spanier lässt seine Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz mit Vorliebe nach innen ziehen, um zusätzliche Optionen im Zentrum zu haben und jene Zone abzusichern. Wer sich hierfür genauer interessiert, dem sei dieser Text empfohlen.

Wie sieht eine solche Spielweise aus? Das Zentrum ist im zweiten Spielfelddrittel wie bereits erwähnt bei eigenem Ballbesitz phasenweise nur einfach besetzt. Sollte sich keiner der Mittelfeldspieler nach hinten fallen lassen, muss Manuel Starke einen enorm großen Raum alleine kontrollieren. Eine Überlegung wäre daher, ihm die Außenverteidiger als Unterstützer an die Seite zu geben. Baut der ZFC also mit seiner Dreierkette auf, würden sich die Außenverteidiger im passenden Moment nach innen bewegen und sich neben Manuel Starke auf den Halbpositionen postieren. Dieses „Hereinkippen“ in die Mitte stellt den Gegner gleich vor mehrere Probleme: Verfolgt der gegnerische Flügelspieler den ZFC-Außenverteidiger, würde er den direkten Passweg zum Flügel hin öffnen und der ZFC hätte eine aussichtsreiche 1-gegen-1-Situation auf außen.

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Welche Optionen sich mit dem „falschen Außenverteidiger“ bieten. ZFC im typischen Hellblau.

Dies würde den Fähigkeiten der dribbelstarken Meuselwitzer Außenstürmer entgegenkommen. Sie stünden dem gegnerischen Außenverteidiger relativ weit vor dem Tor gegenüber und können das Dribbling suchen. Geht der Ball dort verloren, hat man immer noch genug Spieler hinter den Ball. Würde beispielsweise der eigene Außenverteidiger ganz klassisch einen Pass die Linie entlang auf seinen Vordermann spielen, hat es der Gegner leichter, ihn dort zu stellen. 

 

Verfolgt der Gegner den Außenverteidiger nicht, ist dieser natürlich frei und kann angespielt werden. Damit generiert der ZFC zum einen eine Überzahl im Zentrum und öffnet die direkten Passwege auf die Flügelspieler. Zum anderen kann mit dieser Methode die erste Pressinglinie des Gegners leichter überspielt werden.

Natürlich müssen bei dieser Spielweise die Fähigkeiten der Außenverteidiger betrachtet werden. Während Marcel Zobelt sehr dynamisch und flankenorientiert ist und dabei Schwächen im gruppentaktischen Verhalten und engen Räumen aufweist, ist Philipp Gentzsch kombinationsstärker und spielintelligenter. Daher wäre es ratsam, für beide unterschiedliche Rollen innerhalb dieses „Hereinkippens“ zu finden. Philipp Gentzsch würde demnach eine eher „klassische“ Rolle als verkappter Mittelfeldspieler einnehmen. Bei eigenem Ballbesitz würde er sich frühzeitig ins Zentrum orientieren und von dort aus als Sechser agieren. Will also heißen, dass er eine Anspielstation darstellt, Bälle verteilt und bei Ballverlusten in höheren Zonen das Zentrum absichert. Bei Bedarf kann er natürlich auch aus seiner neuen zentralen Position offensive Läufe auf den Flügel starten. Wertvoller ist er jedoch, wenn er sich auf der Halbposition positioniert, wenn der Ball am Flügel ist. Ähnliches würde für Robert Butowski gelten, der als Linksfuß für diese Position noch besser geeignet scheint. Philipp Gentzsch könnte demnach auf die andere Seite wechseln und man hätte auf beiden Seiten relativ spielstarke Außenverteidiger, die wie zusätzliche Zentrumsspieler agieren können.

Marcel Zobelt müsste aufgrund seiner Spielweise weniger komplex eingebunden werden. Sein Hereinkippen würde nur dem Zweck dienen, seinen Gegenspieler aus seiner Position zu locken, um den direkten Passweg auf den Flügel zu öffnen. Ist der Offensivspieler des ZFC am Ball, würde sich Marcel Zobelt von der Halbposition aus gerade nach vorn bewegen und seinen Mitspieler vorderlaufen. Gegebenenfalls kann er natürlich auch einen bogenartigen Lauf zum Flügel hin starten. Das Vorderlaufen ist in diesem Fall nur eine zusätzliche Option für den Außenverteidiger, um den Gegner vor Probleme zu stellen. Die Dynamiken sind hierbei anders, als beim klassischen Hinterlaufen.

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Überspielen der beiden gegnerischen Stürmer

 

Zugegeben: Auf den ersten Blick mag es naiv klingen, seine Außenverteidiger „einfach so“ wie jene von Bayern München oder Manchester City spielen zu lassen. Es braucht natürlich eine Eingewöhnung dieser Abläufe. Es ist wichtig, wann genau sich der Außenverteidiger nach innen bewegt. Tut er dies permanent und das auch noch zum falschen Zeitpunkt, wäre es für den Gegner ein Leichtes, den Aufbau zu zu stellen. Ein passender Zeitpunkt wäre zum Beispiel, wenn der Gegner die Flügel zugestellt, aber noch keinen Zugriff auf die Innenverteidiger und den Sechser hat, wie in der ersten Aufbauszene dargestellt. Die Nutzung der „falschen Außenverteidiger“ soll allerdings nur eine Option darstellen. Vermutlich würde sie in der aktuellen Phase nicht mehr ganz so stark von Nutzen sein, wie es noch in den ersten Spielen der Fall gewesen wäre.

Im Defensivverhalten zeigten beide im Herausrücken hin und wieder Schwächen, wenn der Ball am Flügel war. Vielfach fehlte das Timing, wann der Gegner gestellt werden sollte und so kam gerade Martinroda das ein oder andere Mal gefährlich vor das ZFC-Gehäuse. In den beiden Derbys gegen Rositz und Ehrenhain taten sich beide mit dem Einrücken schwer, sobald der Ball auf der gegenüberliegenden Seite war. Zwar ist es für die Außenverteidiger wichtig, dass sie ballfern entsprechend einschieben, um das Spielfeld eng zu halten, jedoch darf der Gegner nicht aus den Augen verloren werden. Rückt er zu früh ein, also wenn der Ball noch im vordersten Drittel ist, kann der Gegner, sofern er nicht unter Druck gesetzt wird, einen sehr großen Raum auf der anderen, ballfernen Seite anspielen.

Problem 3: Die Suche nach dem Stürmer

Mit dem Abgang von Simon Kügler galt es vor der Saison die Mittelstürmerposition neu zu besetzen. Einen Nachfolger im eigentlichen Sinne gab es nicht, da es das Spielermaterial schlichtweg nicht hergibt einen solch kompletten und durchschlagskräftigen Stürmer eins zu eins zu ersetzen. Der ZFC wollte die entstandene Lücke stattdessen mit mehreren Spielern füllen. Zu Saisonbeginn starteten zumeist Maik Wegner und Felix Zschäck als Doppelspitze. Beide verfügen über ein gutes Tempo und zeigen punktuell gute Läufe hinter die Abwehr. Im Eins-gegen-Eins können sich beide gut durchsetzen, sofern es der Raum zulässt. Mit dem Rücken zum Tor haben sie noch gewisse Schwachstellen, gerade wenn es darum geht, den Ball zu halten und anschließend zu verteilen. Auch wenn sich Maik Wegner in diesem Punkt bereits steigern konnte, versucht er häufig den Ball gleich mit dem ersten Kontakt wieder prallen zu lassen, obwohl es die Situation nicht immer hergibt. Bei der Umstellung von Flügelstürmer auf Mittelstürmer taten sich beide daher auch schwer, sich die Bälle im Zwischenlinienraum zu holen, also in jenem Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr. Vielfach standen sie und die Außenspieler zu viert auf einer Linie, wodurch es schwer wurde, Kombinationen voranzutreiben. Insgesamt kann man sich aber auf beide hinsichtlich ihres Einsatzes in der Arbeit gegen den Ball immer verlassen

Viel hängt beim Offensivspiel natürlich auch von der Flügelbesetzung ab. Hier ist der ZFC in diesem Jahr überbesetzt. Je nach Konstellation kann man auf bis zu sechs Spieler zurückgreifen, die allesamt unterschiedlichste Fähigkeiten mitbringen und sich je nach Gegner recht gut miteinander kombinieren lassen. Bisher hat sich noch keiner der Spieler entscheidend von seinen Kollegen absetzen können, weshalb es Woche für Woche Veränderungen geben kann. Zu Beginn war Lucas Bartsch aufgrund seiner guten bis sehr guten Leistungen auf einer der beiden Seiten gesetzt. Im Vergleich zu Friedrich May oder Felix Zschäck ist er weniger durchschlagend und weniger auf das Dribbling fokussiert. Vielmehr ist er ein guter Ballträger, der gerne nach vorn stößt und seine Mitspieler in Szene setzt. Aktuell kämpft er jedoch ein wenig mit seiner Form, was bei einem 19-Jährigen völlig normal ist. Friedrich May und Christoph Krause suchen beide immer noch nach der Konstanz.

Eine Option für das Sturmzentrum wäre bei passender Einbindung Nico Schwarzer. Zwar kann er sich im Dribbling meist gut durchsetzen, aber stärker ist er, wenn er Kombinieren und Räume für seine Mitspieler öffnen kann. Sein Bewegungsspiel ist sehr harmonisch auf die Kollegen abgestimmt, was ihn gepaart mit seinem guten Schuss und seiner Übersicht zu einem potentiell starken Mittelstürmer macht. Um sich herum bräuchte er natürlich die Mitspieler, die ähnlich auf Kombinationen aus sind und gleichzeitig müsste er zielstrebige Spieler an die Seite gestellt bekommen, die er in Szene setzen kann.

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Mögliche Aufstellung. Blaue Zone = Ballungsraum für Kombinationen

Passend wäre dafür eine 4-3-3-Anordnung mit Florian Pitschel auf der Sechs, Manuel Starke und Fabian Baur als Achter und Maik Wegner sowie Lucas Bartsch auf dem Flügel. Wichtig wäre dabei, dass Fabian Baur, Nico Schwarzer und Lucas Bartsch immer die Verbindung untereinander halten, Dreiecke bilden und eine Überzahl auf der Halbposition herstellen. Der Gegner würde dadurch aus seiner Ordnung gelockt werden, wodurch Räume frei werden würden, die Maik Wegner als verkappter Mittelstürmer mit Läufen hinter die Abwehr nutzen könnte. Theoretisch würde diese Besetzung die Stärken der jeweiligen Akteure wohl am besten zur Geltung bringen.

 

Die Phase des Aufschwungs

Die bis hierher genannten Schwächen waren fast ausschließlich zu Saisonbeginn vorhanden. Nach den drei sieglosen Partien stellte man gegen Martinroda ein wenig um und passte seine Marschroute an die Gegebenheiten an. Der ZFC trat ohne den verletzten Manuel Starke im 4-1-4-1 an. Viererkette und Sechser blieben bestehen, auf den Achterpositionen liefen Fabian Baur und Lucas Bartsch auf, offensiv rückten Felix Zschäck und Denis Zivcek auf die Außenbahnen. Das Hauptaugenmerk soll aber zunächst auf dem Zentrum liegen. Dort arbeitete man gegen den Ball über weite Strecken ordentlich im Raum, ohne jedoch entscheidenden Zugriff zu generieren. Das typische frühe Anlaufen aus der vergangenen Saison und den ersten Partien unterließ man, stattdessen praktizierte der ZFC ein enges Mittelfeldpressing.

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Anlaufen im 4-1-4-1

Maik Wegner lief hierfür einen der Innenverteidiger bogenartig an, um das Spiel auf eine Seite zu lenken. Im Vergleich zum 4-4-2-Pressing ist es beim 4-1-4-1 notwendig, dass sobald der Stürmer das Pressing ausgelöst hat, der ballnahe Achter herausrückt, sobald der gegnerische Innenverteidiger den Ball nach vorn treibt. Hierbei hatte die Mannschaft besonders in der zweiten Hälfte so ihre Probleme, einfach, weil man diese Spielweise in der Vergangenheit zu selten nutzte. Am Ende gewann man die Partie dank eines sehenswerten Treffers kurz vor Schluss durch Nico Schwarzer und einer sehr guten Torhüterleistung Chris Fladers. 

 

Das Spiel sollte gewissermaßen der Startschuss für die mittlerweile vier Spiele andauernde Siegesserie sein, in der der ZFC den Spieß der ersten Spiele umdrehte. Man war jetzt nicht mehr ausschließlich die Mannschaft, die den Gegner bespielte. Hier und da ließ man den Gegner auch mal das Spiel aufbauen, um aus dem geordneten Mittelfeldblock heraus gegen den Ball zu arbeiten. Das Zentrum zeigte sich mit Manuel Starke und Florian Pitschel sehr zweikampfstark, auch weil beide dank der Unterstützung Fabian Baurs nicht mehr so große Räume abzudecken hatten, wie noch zu Saisonbeginn. Das Wechselspiel zwischen Fabian Baur und dem Stürmer wusste bisher zu überzeugen; das Herausrücken wurde meist gut ausbalanciert, indem einer den Innenverteidiger anlief und der andere den Sechserraum versperrte. Am überzeugendsten war wohl der Auftritt gegen Eisenach, wo man genau diese Stärken einbringen konnte und wenig Torchancen zuließ.anlaufengi Dem Gegner nahm man auf mehrere Arten den Ball mehrfach ab. Entweder man zwang ihn durch frühzeitiges Anlaufen zu einem unkontrollierten Schlag, suchte den Zugriff auf dem Flügel oder in den Halbräumen, wo man den Gegner entsprechend hereinlockte. Die Außenverteidiger hatten ein wesentlich besseres Timing im Herausrücken als noch am Anfang der Saison. Ihr ballfernes Einrücken geschieht nun nicht mehr ganz so früh, wodurch sie sich nicht mehr so einfach mit langen Diagonalbällen überspielen lassen. Der Räume vor und innerhalb der Viererkette werden, angeführt von Mirko Kotowski, eng gehalten und sind aufgrund der guten Raumdeckung für den Gegner schwer zu bespielen. Chancen entstanden für den Gegner meist durch individuelle Fehler oder Standards. Aus dem offenen Spiel heraus findet er kaum Lücken, selbst wenn der ZFC wie in den Schlussminuten gegen Martinroda nach hinten gedrückt wird.

Im Spiel gegen Schweina ließ die Mannschaft wie bereits gegen Gotha ungewöhnlich viele Torchancen bzw. gefährliche Situationen zu, die mit Glück aber auch Können abgewehrt werden konnten. Insbesondere gegen Schweina profitierte das Team jedoch von der sehr guten spielerischen Harmonie der Offensivspieler Nico Schwarzer, Fabian Baur und Mathis Böhler und dem an diesem Spiel ungewöhnlich starken Konterspiel in Hälfte zwei. Zwar gaben die Gäste viel Raum für die Konter preis, dennoch war gerade die Entstehung zum zwischenzeitlichen 2:1 mustergültig: Ein Freistoß der Schweinaer flog über die Torauslinie, Chris Flader schaltete schnell und bediente Philipp Gentzsch im Zentrum, der Nico Schwarzer auf die Reise schickte und anschließend Mathis Böhler einschussbereit im Zentrum fand. Drei Pässe und genau zehn Sekunden brauchte der ZFC für diesen Angriff.

Aussichten

Wo geht es am Ende der Saison hin für die „Zweite“? Von Aufstieg zu sprechen wäre sicherlich vermessen, dafür war das bisherige Programm nicht aussagekräftig genug. Mit Ausnahme von Ehrenhain und Schweina traf das Team bisher nur auf Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Die dicken Brocken kommen erst noch. Gerade dort wird man sehen, ob das aktuelle System den Anforderungen gewachsen ist oder ob man erneut kleinere Anpassungen vornehmen muss. Aktuell hat man mehrere Varianten auf Lager, um einen Gegner zu bespielen, was in dieser Liga sicherlich das größte Plus der Meuselwitzer ist. Man wird daher mit dem Abstieg ebenfalls wenig zu tun haben, sollte in den nächsten Spielen nicht der totale Einbruch folgen. Wichtig ist, dass man sich von etwaigen Rückschlägen nicht unterbringen lässt, sondern aus den Fehlern lernt und sich darauf besinnt, mit welcher Spielweise man überhaupt in die Liga gekommen ist.

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