Nach der ersten Saisonniederlage vor einer Woche gegen Ingolstadt zeigte sich RB Leipzig im Spitzenspiel gegen Hertha BSC von diesem kleinen Rückschlag erholt und lieferte eine durchweg souveräne Vorstellung ab.

Bernardos Rolle und Sabitzers Antwort darauf

Der im Sommer aus Salzburg verpflichtete Bernardo kam erstmals seit seiner Verletzung Ende Oktober wieder in die Mannschaft und fügte sich entsprechend auf der Rechtsverteidigerposition ein. Der Brasilianer interpretierte seine Rolle im Gegensatz zu seinem Pendant auf der anderen Seite weniger geradlinig.rblbsc Vielmehr rückte er häufig im zweiten Spielfelddrittel in die Mitte, um Passwege auf Sabitzer zu öffnen, um Keita im Zentrum zu bedienen oder aus dem Halbraum heraus eine Verlagerung auf Forsberg zu spielen. Gerade in der ersten Halbzeit sah man Bernardo hin und wieder in den Halbraum ziehen, um sich der Deckung Kalous entziehen zu können. 

Das Pressing der Hertha war in der Regel nämlich so ausgelegt, dass Ibisevic und Schieber den Spielaufbau auf eine Seite lenkten, die Außenverteidiger Leipzigs bewusst frei ließen und dann aggressiv aus der Mitte heraus verteidigten. Auf der linken Seite bekamen die Herthaner dies in höheren Zonen gut in den Griff, da Forsberg in diesen Zonen noch keinen direkten Einfluss nehmen konnte und Halstenbergs limitierte Spielstärke vermutlich ein gefundenes Fressen für die Berliner war. Als Reaktion darauf kippte meist Demme im Aufbau seitlich heraus, und nahm die Position Halstenbergs ein, um in dieser Zone eine Überzahl herzustellen. Halstenberg konnte jedoch auch auf Keita vertrauen, der für ihn in engen Situationen zumeist die Anspielstation war. Keita hat dann halt das gemacht, was er am besten kann: Dribbeln. 

bernardo

Das Zusammenspiel zwischen Sabitzer und Bernardo klappte überraschend gut, beide besetzten wie bereits erwähnt dynamisch abwechselnd die Halbräume. Sabitzer schaltete sich im Aufbau gerade in der Anfangsphase vermehrt ankurbelnd ein, indem er sich relativ weit zurückbewegte, um Keita und Demme zu unterstützen. Daraus ergaben sich seitlich verschobene 4-3-3-Staffelungen mit Sabitzer als rechtem Achter und der Angriffsreihe bestehend aus Forsberg, Poulsen und Werner. Bernardo hielt sich in diesen Szenen häufig zurück und setzte seine Vorstöße dosiert ein.

Demmes Omnipräsenz als Fundament für den Sieg

Ein Mitgrund für die souveräne Vorstellung war die abermals sehr gute Leistung von Diego Demme. Er schloss Räume hinter Forsberg & Co., hielt Keita den Rücken frei und war im Aufbau bis zu Kaisers Einwechslung Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Leipziger.

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Demmes Aktionen. Quelle: Opta

Es gab quasi kaum eine Szene, in der Demme seine Füße nicht mit im Spiel hatte – offensiv wie defensiv. Beim Führungstor war er es, der mit einer schnellen Verlagerung direkt auf Sabitzer die Herthaner Kette ins Laufen brachte und somit eine Aktie am Treffer besitzt. Im Spiel gegen den Ball war er gewohnt aufopferungsvoll. Wichtig war er vor allem beim Gegenpressing, wenn Hertha lange Bälle auf Zielspieler Ibisevic spielte. In der Regel war es Ilsanker, der in die Luftduelle mit dem Bosnier ging und Demme sammelte dann den freien Ball auf. rblecke

Hertha BSC den Zahn gezogen

Durch diese defensive Stabilität und das seit Saisonbeginn sehr starke Pressing schafften es die Leipziger über die komplette Spielzeit hinweg Kalou und Ibisevic kaltzustellen und so kam Hertha zu keinem einzigen Schuss innerhalb des Strafraumes. Im Grunde schaffte es RB den Berlinern den Ballbesitz streitig zu machen und Druck auf ihre Defensive auszuüben, womit sie sichtlich ihre Probleme hatten. Laut dem Expected Goals Modell, welches die statistische Wahrscheinlichkeit von Torschüssen auf ein Tor beschreibt, wäre Hertha zu gerade einmal 0,2 Toren gekommen und RB Leipzig zu 1,2. Anders ausgedrückt: RB Leipzig schaffte es schlichtweg besser, sich in aussichtsreiche Situationen zu bringen, in denen sie ein Tor erzielen konnten.

Am Ende steht für die Leipziger ein weiterer Dreier gegen eine Topmannschaft der Liga und man hat nun, abgesehen von Bayern München, auf jeden Verein mindestens neun Punkte Vorsprung. Es darf mit breiter Brust nach München zum letzten Spiel des Jahres gefahren werden.

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Expected Goals

 

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