In unserer neuen Kategorie „Trainerblog“ will ich in unregelmäßigen Abständen einige Eindrücke und Erfahrungen aus meiner Arbeit als Jugendtrainer einfließen lassen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Entwicklung einiger Spieler, angewandten Übungen sowie meiner persönlichen Entwicklung als Trainer.

 

Seit Sommer habe ich die Möglichkeit, mich als Trainer in meinem Verein einzubringen, bei dem ich seit Jahren selber aktiv spiele. Als Teil eines fünfköpfigen Trainerteams arbeite ich mit 27 Kindern im Alter zwischen acht und zehn Jahren zusammen, wobei diese Zahl je nach Beteiligung schwankt. Mit 18 bis 22 Kindern können wir jedoch immer rechnen. Trainiert wird normalerweise zweimal die Woche mit einem Wettkampf am Wochenende. Unterteilt sind die beiden Mannschaften in E1 und E2, die Grenzen sind hier jedoch fließend.

Vorab sei dazu gesagt, dass für uns als Trainerteam die Ergebnisse nur zweitrangig sind, da die Entwicklung der einzelnen Spieler im Vordergrund stehen sollte. Selbstverständlich freut man sich, wenn man ein Spiel gewinnt und der Wettbewerbsgedanke ist stets präsent. Als Trainer habe ich jedoch nichts davon, wenn ich nur einen bestimmten Kreis spielen lasse und der Rest hinten ab fällt. Aber dazu später mehr.

In der Regel sind wir drei Trainer, wobei die anderen beiden beruflich bedingt meist etwas später dazu stoßen. Aufgrund unseres eigenen Trainings im Anschluss müssen mein Kollege und ich das Training häufig fünf Minuten eher verlassen. Ganz optimal ist dies zwar nicht, vom zeitlichen Aufwand her ist es jedoch die bestmögliche Lösung für uns beide. Leider geht dabei ein Austausch aller Trainer untereinander unmittelbar nach dem Training verloren, was allerdings meist am Folgetag oder bei Telefonaten durchgeführt wird.

Generell pflegen wir innerhalb des Trainerteams einen sehr offenen Umgang miteinander. Jeder kann seine Ideen und Vorstellungen einbringen, welche dann auch im Training selbst umgesetzt werden. Nach jeder Einheit tauschen wir uns zudem über auffällige Spieler aus und werten die angewandten Übungen hinsichtlich Funktionalität, Qualität und Aufmerksamkeit der Spieler aus. Diesen Austausch erachte ich persönlich als ungemein wichtig, da dies meine erste Tätigkeit als Trainer einer ganzen Mannschaft ist. Zuvor war ich zwar bereits Torwarttrainer in fast allen Nachwuchsbereichen unseres Vereins, jedoch unterscheidet sich diese Arbeit fundamental von der jetzigen.

Zwar trainieren wir aufgrund der Vielzahl der Spieler und Trainer stets in kleinen Gruppen, die entsprechend die „Stationen“ wechseln, jedoch merkte ich schnell, dass die Übungen gut geplant sein sollten. Meine Improvisationskünste waren gerade zu Beginn noch nicht so ausgeprägt, was das ein oder andere Mal für zu viel Leerlauf bei den Kindern sorgte. Und glaubt mir: Als Übungsleiter gibt es nichts Schlimmeres, als wenn Kinder nicht ausgelastet sind. Ernsthaft, die standen teilweise da und haben sich aus Spaß gegen die Schienbeine getreten!

Die Lösung mit den kleinen Gruppen ist daher nicht nur der Übersichtlichkeit halber optimaler. Zudem kann dadurch gezielter auf Spieler eingegangen werden. Man kann Spieler beispielsweise mal kurz beiseite nehmen, ihnen etwas erklären, ohne, dass es zu unübersichtlich wird. Zu Beginn der Saison teilten wir die Mannschaft zunächst noch gleichmäßig auf die jeweiligen Gruppen auf. Unsere Philosophie ist, die Spieler ganzheitlich auszubilden und sie im Training gezielt zu überfordern.

Ein Kollege übernahm in der Regel das Koordinationstraining mit verschiedenen Komponenten: Er verwendete Koordinationsleitern bzw. Aufgaben mit unterschiedlichen Farben, die die kognitiven Fähigkeiten der Spieler fördern sollen. Dazu baute er einzelne Elemente aus dem Bereich der Life Kinetik ein, welche von den Kindern zunächst etwas skeptisch aufgenommen wurden, mit der Zeit wurden diese jedoch offener dafür. Gerade in diesem Alter ist es extrem wichtig, die koordinativen Fähigkeiten zu vermitteln, da diese hier am nachhaltigsten im Gedächtnis bleiben. Ich muss dazu sagen, dass der Trainerkollege in diesem Bereich hervorragende Arbeit leistet und hierin seine größten Stärken besitzt. Mitunter haben die Kinder jedoch zu viel Standzeit.

Mein zweiter Kollege widmete sich neben Passformen mit Wettkampfcharakter verschiedenen Kleingruppenspielen sowie Torschussformen. Generell muss ich sagen, dass er ein sehr breites Spektrum an verschiedenen Übungen parat hat, die zu unserer Philosophie passen. Neben seinem Wissen über das Spiel an sich bringt er weiterhin beeindruckende Menschen- und Führungskenntnisse mit, von denen ich mir im Laufe der Hinrunde einiges abschauen konnte.

Ich für meinen Teil habe den Fokus stets auf Kleingruppenspiele gerichtet, die unter spielnahen Bedingungen die technischen, taktischen sowie athletischen Fähigkeiten gleichzeitig fördern. Da ich selbst noch keine spezielle Trainerausbildung genossen habe, stützten sich meine Übungen vornehmlich auf jene, die ich auf Spielverlagerung, Konzeptfussball und Twitter entdeckt bzw. ich im Austausch mit anderen Kollegen erhalten habe. Mit der Zeit habe ich mir aber auch viele Formen selbst ausgedacht.

Ich habe gemerkt, dass es gar nicht wichtig ist, wie haarklein durchdacht eine Übung sein muss, solange ich weiß, welche Aspekte ich trainieren will. So kann eine Form aus einem Lehrbuch oder ähnlichem zunächst gut aussehen, aber es muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass dieses auch bei meiner Mannschaft funktioniert. Die Übungen sollten auf der Philosophie aufbauen, nicht umgekehrt.

In den ersten Wochen meiner Tätigkeit hatte ich noch große Probleme damit, die für die Kinder passenden Spielfeldgrößen bzw. Distanzen anzupassen. Vielfach wählte ich das Feld zu klein, wodurch wenig Spielfluss und viel Chaos entstand. Hinsichtlich der Komplexität waren einige Spieler zu Beginn sichtlich überfordert. Einerseits, weil einige Spielformen (vorerst) nicht für ihre technischen und taktischen Fähigkeiten geeignet waren. Andererseits weil ich sie teils schlecht erklärt habe. So ließ ich einmal ein 4 gegen 4 mit vier zusätzlichen Außenspielern spielen in welchem sich die einzelnen Spieler nur in einem vorgegebenen Raum bewegen durften.

Damit wollte ich neben dem Freilaufverhalten das Eins-gegen-Eins sowie Positionsspiel schulen. Die Spieler bewegten sich jedoch teils kopflos durchs Feld, ignorierten die abgesteckten Räume und nutzten die Außenspieler zu häufig, wodurch sich viel in einem Bereich abspielte. Interessanterweise lief diese Form deutlich besser, nachdem ich das Spiel mit der Hand habe spielen lassen. Mir war wesentlich wichtiger, dass sie zunächst die Abstände zu ihren Mitspielern respektieren und nicht alle auf einen Haufen rennen. Als ich es dann mit der gleichen Gruppe quasi ein drittes Mal gespielt habe, sah es schon um einiges flüssiger aus.

Mit der Zeit vereinfachte ich die Trainingsformen etwas. Ich beschränkte mich auf einen weniger komplexen Aufbau, der jedoch nach wie vor die für uns wichtigen Inhalte vermitteln soll: sauberes Flachpassspiel, mutiges Spiel nach vorn, schnelles Umschalten in beide Richtungen und ständige Beschäftigung aller Spieler.

Eine meiner Lieblingsformen ist ein Zwei-gegen-Zwei mit je zwei Passtoren an den Enden des Spielfeldes. Hinter jedem Passtor positioniert sich jeweils ein Spieler aus einem anderen Team, was in Summe vier Teams á zwei Spieler ergibt. Bei erfolgreichem Pass durch eines der Tore verlässt das Team, das ein Tor kassiert hat das Feld und der Passempfänger und sein Partner spielen nun gegen diejenigen, die eben einen Punkt erzielt haben. Alle Spieler sind permanent gefordert, da die Äußeren jederzeit ins Spiel kommen können. Aufgrund der numerischen Gegebenheiten entstehen ständig Dribblings und Doppelpässe. Mitunter habe ich das Spiel auch mit drei Akteuren pro Team spielen lassen oder habe die Form des Feldes (Raute, Kreis, versetztes Feld,…) angepasst.

Einigen Spielern merkt man bereits an, dass sie älter sind als beispielsweise diejenigen, die im Sommer aus der F-Jugend zu uns kamen. Ein Teil besucht bereits eine weiterführende Schule, weshalb hier schon krasse Unterschiede hinsichtlich der Aufmerksamkeit zu sehen sind. Einige wenige von den Älteren beginnen mittlerweile sogar sich aktiv mit verschiedenen Formen und deren Sinn auseinanderzusetzen.

Das Leistungsgefälle ist innerhalb der Mannschaft ziemlich groß, was uns etwa nach der Hälfte der Hinrunde dazu bewegte, in E1 und E2 zu trainieren. So waren für beide Mannschaften je zwei Trainer eingeplant. Die Älteren konnten sich demnach mit ihresgleichen messen und bei den Jüngeren konzentrierte man sich auf die Basics, insbesondere das Passspiel galt es zu verbessern.

Aufgrund der Aufteilung übernahm ich die E1 zusammen mit dem „Koordinationstrainer“ in den Trainingseinheiten. Hier teilten wir die Mannschaft abermals in zwei Gruppen auf, was rückblickend betrachtet die vielleicht angenehmste Phase war. Ich konnte regelmäßig mit sechs bis acht Spielern trainieren, wodurch ich jedem genug Aufmerksamkeit schenken konnte und die Gruppe gut überblicken konnte.

Nach einer kurzen Erwärmung gingen wir in der Regel in den Hauptteil über, der sich meist auf kleine Spiel- und Passformen bezog. Je nach Trainingstag bauten wir in den letzten 20 Minuten eine Torschussform zum Abschluss ein, welche beide Gruppen gemeinsam absolvierten. Hierbei war uns wichtig, gleichzeitig so viele Aspekte wie möglich zu trainieren, sei es koordinativer, technischer, taktischer oder strategischer Natur.

Da für uns das schnelle Spiel über die Flügel von großer Bedeutung ist, habe ich einmal eine Spielform trainieren lassen, in der dies explizit forciert wird. Das Spielfeld wurde zunächst in zwei Hälften geteilt. In einer Hälfte spielte man Zwei-gegen-Zwei und in der anderen Drei-gegen-Drei. Auf Höhe der Mittellinie stand nahe der Seitenlinie auf beiden Seiten je ein Spieler in einem abgesteckten Raum, der angespielt werden sollte. Sobald einer der beiden den Ball erhalten hat, ging nur er ins Dribbling und spielte mit dem Team aus der anderen Hälfte. So ergaben sich permanent im Drei-gegen-Zwei bzw. Vier-gegen-Drei-Situationen mit freien Flügelspielern.

Diese Form wurde überraschend schnell verstanden, wenngleich viele den Flügelspieler auf kurzer Distanz ohne Tempo anspielten, wodurch er aus einer statischen Position heraus starten musste. Nur vereinzelt konnte man den Gegner auf eine Seite locken und dann mit schnellen Pässen die Seite wechseln. Deshalb führte ich anschließend eine Mindestanzahl an Pässen ein, ehe ein Flügelspieler angespielt werden durfte. Das förderte immerhin den kontrollierten Spielaufbau und die gezielte Vorbereitung des Flügelspiels.

Zum Ende der Hinrunde trainierten wir meist in drei größeren Gruppen, da die Spiele weniger wurden und man sich vorrangig auf Turnierformen und ähnliches berief. Ein wichtiger Bestandteil dieser Phase war die Persönlichkeitsentwicklung der Führungsspieler. In den Turnier- und Spielformen wurden diese bewusst mit jungen Spielern in eine Mannschaft gesteckt. Sie sollten mehr Verantwortung übernehmen als bisher und sollten den Schwächeren Hilfestellungen geben.

Das funktionierte in weiten Teilen sehr gut, wenngleich deutlich wurde, dass einige der Spieler zunächst noch nicht mit dieser Verantwortung umgehen konnten. Dieses Experiment führten wir zwei Wochen später erneut durch, hier kam es wie erwartet zu Schwankungen im Vergleich zum letzten Mal: Einige nahmen diese Rolle besser an als zuvor, andere bestätigten die guten Eindrücke nicht. All das war aber abzusehen, da es bei Kindern dauerhaft zu Leistungsschwankungen kommt.

In den Wettkämpfen sah das Ganze dann wieder etwas anders aus: In einer verhältnismäßig schwachen Liga ist man in jeder Partie überlegen, hat deutlich mehr Ballbesitz und mehr Torchancen. Einzig gegen den Ligaprimus, der nochmal eine Klasse besser ist als man selbst, sind die Vorzeichen umgekehrt. Gegen den verlor man zu Beginn der Saison deutlich mit 10:2, wenngleich die Leistung in einzelnen Aspekten sehr ansprechend war.

Man versuchte gegen einen physisch wie spielerisch überlegenen Gegner stets flach von hinten zu eröffnen, mutig nach vorn zu spielen und aktiv zu sein, was unter dem Strich die wichtigste Erkenntnis daraus ist. Das Ergebnis wurde etwas verfälscht, da ich in den letzten drei Minuten zwei junge Spieler in die Abwehr stellte, die mit der Situation sichtlich überfordert waren. Binnen drei Minuten kassierte man drei Tore, wobei es noch mehr hätten sein können. Diese Einwechslungen waren aber bewusst so gewählt, um ihnen zu zeigen, wo in dieser Liga die Leistungsspitze liegt und worauf sie sich im nächsten Jahr einstellen müssen, wenn sie zu den älteren Spielern gehören.

Diese beiden Partien sind jedoch absolute Ausnahmen. In der Regel haben wir es mit deutlich schwächeren Gegnern zu tun, weshalb wir in manchen Partien auch experimentiert haben. So ließen wir einmal sämtliche Angreifer in der Defensive spielen und einige Abwehrspieler wurden weiter vorn eingesetzt. Ziel war es den Spielern ein Gefühl dafür zu geben, welchen Job ihre Kollegen Woche für Woche leisten müssen. Zudem steht das ganz im Sinne unserer ganzheitlichen Ausbildung.

Diese steht bei allem Ehrgeiz für mich an erster Stelle. Wir haben zwei bis drei körperlich überdurchschnittlich gute Spieler, die ihren Gegnern in dem Alter klar überlegen sind. Für mich ist es seit jeher ein Anliegen, dass sie sich nicht nur auf ihre Physis verlassen, sondern auch auf Dinge wie Technik und taktische Umsetzungen achten. Dabei zwänge ich sie natürlich nicht in irgendein taktisches Korsett, schließlich steht der Spieler an sich in dieser Altersklasse im Vordergrund. Außerdem verstehen die allermeisten solche Dinge ohnehin noch nicht.

Von allen Spielern ragen zwei bisher mit ihrer Technik, Physis und ihrem taktischen Verständnis absolut heraus. Für ihr Alter haben sie bereits bemerkenswerte Fähigkeiten, weshalb ich mit ihnen einerseits anders über das Spiel reden kann, aber gleichzeitig mehr von ihnen verlange als von Anderen. Mitunter wird das von den Eltern anderer Kinder als Bevormundung oder dergleichen aufgefasst, was vereinzelt für Kritik gesorgt hat. Auch das habe ich in meiner kurzen Zeit als Trainer mehrfach feststellen müssen: Die Eltern sind ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn es um die Stimmung innerhalb der Mannschaft geht.

Im Endeffekt sehen sich viele selbst auf dem Platz und sind enttäuscht, wenn ihr Kind ausgewechselt wird oder kritisiert wird. Zudem orientieren sich Kinder an den Handlungen und Aussagen ihrer Bezugspersonen, wodurch diese maßgeblich durch ihre Stimmung und Meinung gegenüber der Trainer beeinflusst werden. Ich habe aber auch gemerkt, dass Kinder oft aus der Ich-Perspektive denken und daher schnell dazu neigen, sich benachteiligt zu fühlen. Insofern sollte man nicht jede Kritik überbewerten.

In Summe bin ich jedoch mit meiner Mannschaft und dem Umfeld mehr als zufrieden. Das erste halbe Jahr war geprägt von vielen Höhen, wenigen Tiefen und einigen lehrreichen Erfahrungen. Sei es in den Trainingseinheiten selbst, in Gesprächen mit Trainerkollegen und Spielern oder bei Mannschaftsansprachen. In Zukunft werde ich mich, in nicht so umfangreichem Rahmen weiter zu meiner Rolle als Coach äußern und vermehrt auf bestimmte Trainingsinhalte und Spielerentwicklungen eingehen.

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